Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 27-28 (11.4.1904)
- Date
- 1904-04-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. Erste AZikage zu ä- Z^öes „Ksraskit". Palästina irr Mien. Im ersten Stockwerk des Grabenhofes wurde dieser Tage in Gegenwart der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde und einer großen Zahl von geladenen Gästen eine eigenartige Ausstellung eröffnet. Produkte aus dem „Heiligen Lande" wurden den Beschauern vorgeführt, Arbeiten der Landwirthschaft und der landwirthschaftlichen Hausindustrie, sämmtlich von jüdischen Bauern hierher gesendet. Der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Dr. Stern, und der Oberrabbiner Dr. Güdemann hielten Ansprachen, in denen sie der Bedeutung dieser Ausstellung, als den sprechendsten Beweis gegen das Vorurtheil, als ob der Jude die Ar-! beit scheue, gedachten. Wer die Bodenverhältnisse Palästina's kennt, weiß, daß die ausgestellten Bodenpro-! dukte nur durch schwere Arbeit dem vernachlässigten | Boden abgerungcn werden konnten, und wer die Produkte des landwirthschaftlichen Gewerbefleißes seiner Aufmerksamkeit würdigt, wird zugeben, daß die jüdischen Gewerbeschulen in Palästina sich die Ausbildung der Jugend sehr angelegen sein lassen. Die Zöglinge aber zeigen, daß ne Fähigkeit mit Verständniß für gewerbliche. ja künstlerische Arbeit verbinden. Selbstverständlich stellen wir die landwirthschaftliche Produktion in erste Reihe. Die jüdischen Bauern in Palästina erweisen sich als sehr tüchtige Weinproduzenten, und es scheint, daß sie es dahin bringen werden, daß die biblische Traube wieder zum Vorschein kommen werde. Auch der Körner- und Gemüsebau scheint nach den ausgestellten Proben aus gutem Wege zu sein, nicht minder der Obstbau, wie man an den schönen und riesengroßen Jaffa-Orangen erkennen kann. Das „Land, wo Milch und Honig fließt." wird allerdings Palästina noch nicht sein, dazu gehört eine längere, als dreizehnjährige Frist und größere Mittel für Irrigation und Amelioration, als sie den jüdischen Kolonisten zur Verfügung stehen. Allein es ist doch schon sehr viel gewonnen, wenn der Bestand der Baueinkolonien gesichert ist. Sie haben int letzten Jahre an 60,000 Hektoliter Wein versendet und erwarten für dieses Jahr eine Versendung von 100,000 Kisten Jaffa-Orangen. Sie produzieren Mandeln, Citronen, Tabak (den sie allerdings nicht zur Ausstellung bringen konnten, weil sie vorher batten den langen Gefällsweg zurücklegen müssen, und der ihnen konfiszirt worden war. weil sie die Vorschriften nicht gekannt hatten), ferner Mais, alle Arien von Hulsenfröchten, Gemüse und anderes, so daß man annehtnen kann, der Kleinbauer werde sich ganz gut erhalten können, indem er nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern auch für den Verkauf Einiges erübrigen wird. Wein, Südfrüchte und Tabak werden sich immer mehr als lohnende Exportartikel bewähren und hierdurch wird für eine weitere Ausgestaltung der Kolonien eine sicherere Grundlage geschaffen sein, als durch eine Subvention. Die ausgestellten Kokons beweisen, daß auch die Seidenkultur in Palästina wieder heimisch gemacht werden kann, und da der Oelbaum dort nicht ausgestorben und noch nicht ausgerodet ist. wird auch die Oelgewinnung wieder zur Blüthe gelangen. Die gewerblichen Produkte in der Ausstellung bestehen aus Seidenwaaren orientalischen Geschmacks, Holzschnitzereien, Steinarbeiten und Stickereien, die sämmtlich iit den Schulen erzeugt werden. Sie tragen den Charakter ihrer Provenienz, zeigen aber, daß ihre Verfertiger große Kunstfertigkeit besitzen und wohl auch zu Arbeiten europäischen Geschmackes verwendet werden könnten. Man gewinnt in der Ausstellung den besten Eindruck nicht nur von der schon jetzt anzuerkennenden Leistungsfähigkeit der jüdischen Kolonien in Palästina, sondern auch von ihrer Entwicklungsfähigkeit und einer vielversprechenden Zukunft. Die Ausstellung hat das große Publikum in einer Weise intedefsirt, die die kühnsten Erwartungen der die Ausstellung veranstaltenden Karmel-Gesellschast weit übertroffen hat. Dieselbe ist von 9 Uhr Früh bis 9 Uhr Abends ständig besucht und übt auf weite Kreise eine große Anziehungskraft aus. Die Besucher rekrutiren sich aus allen Schichten der Bevölkerung und erscheinen täglich größere Truppen von.Schulen, Instituten, Studentenverbindungen, Seminarien etc., um die interessante Exposition zu besichtigen und sich über verschiedene Einzelheiten ausführliche Erklärung geben zu lassen. Abgesehen von der farbenprächtigen Wirkung, welche die Ausstellung im Ganzen ausübt, ist das Arrangement im Einzelnen als vorzüglich gelungen zu bezeichnen. Die Gliederung der ausgestellten Objekte, nach den Kolonien, aus welchen dieselben kommen, ermöglicht eine rasche Orientirung über die Kolonien. Von Nischon le Zion finden wir außer den verschiedensten Getreidearten auch konservirte Früchte, deren Größe den Beweis für die unbedingte Furchtbarkeit des Bodens liefern. Allgemein überraschen die aus Ekron eingetröffenen Hasergarben, nicht minder aber die. über mannsgroßen Durahbescn und Weizenhalme aus Zichron Jakob, die die Bewunderung und das Staunen eines jeden Kenners der Landwirthschaft erregten. Auch auf Rechoboth, Tantura. Katra und Chedera werden die besten, zum Theil hier unbekannten Produkte, des Acker- und Gartenbaues gezeigt. Ihnen reihen sich die Erzeugnisse aus Jessod Hamaalo (ätherische Oele und Parfümerien) würdig an. Ein Kasten aus Eucali.ptusholz zeigt uns, daß der Versuch, dieses Holz für