Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 27-28 (11.4.1904)
- Date
- 1904-04-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Lande überführt sind, wegen dessen Auslieferung zu erfolgen hätte, ferner Ausländern, die an ansteckenden Krankheiten leiden, die Erlaubniß verweigert werden kann, britischen Boden zu betreten. Die Einwanderer können auch angehalten werden, sich über ihren Leumund und ihr Vorleben auszuweisen. Ge^en Ausländer, die eines Verbrechens in England überführt sind, kann als Theil ihrer Strafe Ausweisung verfügt werden. Der Staatssekretär führte noch aus. die Negierung beabsichtige.nicht, unnöthiger Weife in die Einwanderung von Ausländern einzugreifen. Die durch den Gesetzentwurf vorgesehenen Bestimmungen sollten den Vertragsverpflichtungen unterliegen. Der Entwurf wurde darauf in erster Lesung angenommen. Rußland. Odessa. (Besorgnisse derJuden.) Dem nahenden Osterfeste sehen die russischen Juden mit großer Besorgniß entgegen; man befürchtet eine Wiederholung der schrecklichen Vorkommnisse vom vorigen Jahre. Die antisemitische Hetze hat in der letzten Zeit stark zugenommen und es wird eifrig daran gearbeitet, die rege gewordenen patriotischen Gefühle des russischen Volkes für antisemitische Zwecke auszunutzen. So erklären die antisemitischen Zeitungen geradewegs. daß die Juden den Ueberfall Japans auf Rußland hervorgerufen hätten. Die Vaterschaft dieser wahnwitzigen Idee gehört keinem Geringeren, als Herrn A. Suworin, dem geistigen Vater des russischen Antisemitismus, der noch nach dem Ausbruche des Krieges das entschiedene Auftreten Japans Rußland gegenüber einer Jntrigue des „internationalen Judenthums" zugeschrieben hatte: die Gesinnungsgenossen und Schüler Suworin's haben dann diese „Idee" eifrig weiter entwickelt und bald auch den Sitz und den Urheber dieser „Jntrigue" entdeckt, nämlich die „verjudeten" Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Präsidenten, „den Juden Roosevelt". Unter solchen Umständen dauerte es nicht lange unb man „entdeckte" überall jüdische Berräther. So soll in Bachmut ein jüdischer Pelzwaarenhändler mehrere Wagenladungen Militärpelze für die Japaner eingekaust haben, an der Wolga haben die Juden angeblich eine Eisenbahnbrücke in die Luft sprengen wollen, in Kischinew und Odessa hätten sie Geldsammlungen veranstaltet zu Gunsten der japanischen Flotte, in Tambow und Koslow hätten sie für die japanische Armee Pferde eingekauft u, s. w. Alle diese tollen Gerüchte werden von der antisemitischen Presse mit furchtbar ernster Mene verzeichnet und zu hetzerischen Kundgefo ^j;« verarbeitet; das Gerücht Lkw angebliche jüdist- ^serdeemkäusr für die japanische Armee wurde von der „Nowoje Wremja" in wechselndem ZusammenhangL dreimal wiederhrlt, hingegen das offizielle Dementi des GouLwne-'.rs von Tambow gänzlich verschleieren. hat auch die Zensurbehörde sich nicht bewogen gefühlt, den Abdruck der offiziellen Dementis zu verfügen, wie sie überhaupt der antisemitischen Presse gegenüber eine sehr weitgehende : Toleranz ausübt; dafür wird es den liberalen Zeitungen in jeder Weise erschwert, den Antisemitismus zu bekämpfen. Unter diesen Umständen sind die.Besorgnisse der russischen Juden leider durchaus nicht , grundlos, und die von Kruschewan und Genossen eingeleitete Agitation hat nun thatsächlich zu offenen feindseligen Kundgebungen gegen die Juden in Odessa, ge- ,, führt. Am 25. März durchzog eine Menge halbwüchsig' ger Bursche die Puschkinskajastraße, geführt von dem Sohne eines höheren russischen Staatsbeamten, Alexander Neumann, und stieß Drohungen gegen die Juden aus. Alexander Neumann hielt auf der Straße eine Hetzrede gegen die Juden und forderte die angesammelte Volksmenge auf, gegen die Juden vorzugehen. Der Jude Wolf Bernstein, welcher der Rede Neumanns zuoehört, antwortete darauf in äußerst scharfen Worten, aber die Menge machte Miene, über ihn herzufallen. In diesem Augenblicke erschienen an Ort und Stelle berittene Polizisten und jagten die Menge auseinander. Auf Grund des dem Stadthauptmann von Odessa. General Neuthardt. hierauf unterbreiteten Berichts über den Vorgang auf der Puschkinskajastraße verurtheilte der Stadthauptmann Alexander Neumann zu einer Arreststrafe von zwei Monaten, aber auch den Juden Bernstein zu Arrest von anderthalb Monaten. Hierauf hat der Stadthauptmann von Odessa eine Verordnung erlassen, in welcher er erklärt, daß alle russischen Unterthanen den gleichen Schutz der russischen Gesetze genießen. Nur Gegner Rußlands könnten innere Zwiste anzetteln. Es wird verboten, absichtlich falsche Gerüchte zu verbreiten. Schuldige würden mit einer Geldstrafe von 500 Rubeln oder Arrest bis zu drei Monaten bestraft. Trotzdem werden hetzerische Flugblätter verbreitet und Kruschewans „Snamja" wird in den Straßen und Theelokalen gratis vertheilt. (Siehe Beilage.) Weuilleto«. Mlcchrheit und Wichtung. Von Friedrich Rott. M. „Davon hat sich die Gräfin noch nicht wieder erholt," bemerkte der Doktor, „aber alle ihre Klagen sind auf die gesteigerte Nervosität zurückzuführen, darum ist es auch nicht bedenklich, wenn nicht immer sofort ein Arzt zur Stelle sein sollte —" . . „Das leuchtet mir ein und will ich Ihnen sogar ' offen gestehrn, daß es mir in jüngster Zeit einige Mal