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Der Israelit · 1904-04-11 · Heft 27-28 (11.4.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 27-28 (11.4.1904)
Date
1904-04-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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689 wurde, zur Zeit Verhandlungen zwischen den Behörden und dem Vorstand der Gemeinde statt. Aus Westfalen. Unterm 22. Februar hat die königliche Regierung zu Minden die seitherige Privatschule zu Beverungen a. d. Weser zu einer öffentlichen Volksschule erhoben und den dort seit ferst einem Jahrzehnt höchst segensreich wirkenden Lehrer H. Burbaum angestellt. Die Gemeinde Beverungen ist zwar nicht groß und dementsvrechen.d die Schule nur mäßig bevölkert, aber man steht, daß die Behörde nicht abgeneigt ist, gehörig motivirten und von allen betheiligten Faktoren unterstützten Gesuchen um Oeffentlichkeitserklarungen jüdischer Schulen zu entsprechen. In vielen Fällen ist die Unterstützung derartiger Gesuche seitens der kommunalen Behörde nicht, allein ein Beweis von deren lovaler Gestnnung. sondern fie zeugt auch von den Symvathien, deren fich eine Gemeinde und nicht in letzter Hinsicht ihr Lehrer zu erfreuen hat; und so spricht denn auch diese Oesfentlichkeitserklarung der Schule ein deutliches Wort für die Gemeinde Beverungen und vor allem für ihren rastlos strebende« wackeren Lehrer! — Ein beachtenswertes Rundschreiben hat der westfälische Gemeindeverband, dessen zeitiger Vorsitzender Herr Jstdor Goldschmidt-Dortmund ist. an die Verbandsgemeinden erlassen. Er fordert in demselben auf, die Lehrer, soweit sie an Privatschulen wirken und auf Zeit von den Gemeinden angestellt find, dauernd anzustellen und ihnen durch Einkauf in die vom Verbände gegründete Beamten-Pensionskasse einen rechtlichen Anspruch auf Pension bezw. ihren Hinterbliebenen auf Wittwen- und Waisengelder zu sichern. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Gemeinden dieser Anregung entsprachen und daß dieselbe in anderen Provinzen rin Echo fände. Osterode. (Ostpr.) Am 6. März starb plötzlich Frau Jeanette Sturmanu geb. Herrmann, die tugendhafte, fromme, anspruchslose und friedfertige Gattin unseres langjährigen Seelsorgers Herrn I. Sturmann, nach nur zwanzigstündigem Krankenlager im 63. Lebensjahre. Wer vermag den Schmerz des tiefgebeugten Gatten, der mit der Verblichenen 38 Jahre in musterhaftem Eheglück gelebt, den Gram des Bruders. den sie einst erzogen, und das Leid der theils derheiratheten, theils noch unversorgten Kinder zu schildern?! Herzzerreißende Szenen spülten sich im Trauerhause ab, als fast die ganze Gemeinde sich versammelte, der Bruder, die Kinder, alle Verwandte. Freunde und Bekannte, die won Nah und Zürn herbeigeeilt waren, um der geliebten Todten die letzte Ehre zu erweisen, und das große, fast unabsehbare Gefolge zeugten von der Liebe, welche die Heimgegangene sich in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung erworben hat. Herr Rabbiner Dr. O l i tzk i aus Allenstein schilderte . in beredten Worten den Lebensgang der. Verblichen«, die hierorts geboren * war, als Gattin und Mutter, ihr frommes Wirken m des Gemeinde und m den Vereinen, bei freudigen und traurigen Ereignissen. Der Gatte rief unter thränenerstickter Stimme, inmitten seiner ihn umgebenden acht Kinder und Schwiegerkinder, der treuen Gefährtin. der liebevollen Mutter und Großmutter, rührende Abschiedsworte nach. Nelken. Wiesbaden, 4. April. Ein junger israelitischer Kaufmann hatte sich als Zweijährig-Freiwilliger bei einer Batterie des Artillerieregiments Nr 27 gemeldet. Ter Hauptmann erklärte ihm unter Berufung auf die Weisung einer andern Dienststelle mit den» Ausdruck des Bedauerns, daß er israelitische Freiwillige nicht mehr annehmen dürfe. Durch Vermittelung des Vereins der Staatsbürger jüdischen Glaubens wurde da-' gegen Beschwerde geführt, in Folge derer vom kommandirenden General des 18. Armeekorps der schriftliche Bescheid kam. daß die Zurückweisung eines Freiwilligen seines Glaubens wegen „nach den gesetzlichen Bestimmungen ungerechtfertigt" ist. Das Erforderliche sei veranlaßt worden, und dem Bewerber werde anhnmgestellt, sein Gesuch beim Regiment zu erneuern. Er hatte sich aber inzwischen schon bei einem anderen Trnppeniheil gemeldet und war angenommen worden. Der ersten Abweisung soll ein MißversiLndniß zu Grunde gelegen haben. Wie dieses entstehen konnte, ist nicht ganz aufgeklärt worden, zumal der obenerwähnte Hauptmann für seine Person nicht des Antisemitismus verdächtig sein kann, da bei seiner Batterie in der letzten Zeit zwei jüdische Einjährige zum Nizeseldwebel befördert worden waren. Jena, im April. Der Beschluß des Universitätssenats in Sachen des bekannten Studentenkonfliktes ist von vielen Blättern in mißverständlicher Form gemeldet worden. Der Anschlag am schwarzen Brett lautet: „Studentische Verbindungen, welche wesentlich religiös-konfessionelle Zwecke verfolgen, sowie solche, welche als Mitglied statutenmäßig ausschließlich Angehörige einer Konfession aufnehmen, dürfen keine Farben tragen." Wie verlautet, wird die katholische Studentenverbindung „Sugambria" Beschwerde bei den Negierungen der Erhalterstaaten einreichen, die jedoch kaum Erfolg haben dürfte. Wie sich demnach nun herausstellt, war das Verbot nick! gegen eine israelitische, sondern gegen eine katbolische Verbindung gerichtet. Nichts destoweniger verhindert ks durch seinen allgemeinen Charakter auch die Entstehung einer jüdischen Verbindung, falls in dem vorwiegend von Protestanten besuchten Jena jemals eine solche zu Stande kommen solkte. ' E n g l a n d. ' London. Der Staatssekretär des Innern brachte seinen Gesetzentwurf über die Einwanderung von Ausländern ein. Der Entwurf bestimmt, daß mittellosen .Ausländern und solchen, die eines Verbrechens in ihrem

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