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Der Israelit · 1904-08-08 · Heft 63 (8.8.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 63 (8.8.1904)
Date
1904-08-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1348 entschied nun, daß dageforderte Dokument auch von der Polizei des letzten Wohnortes des Handwerkers ausgestellt werden kann, wodurch dem jüdischen Handwerker. welcher im Innern Rußlands seinen Wohnsitz wechseln möchte, in zahlreichen Fällen die weite Reise nach und von dem Ansiedelungsrayon erspart wird. Es ist sehr bezeichnend, daß die so günstigen Senatsentscheidungen unter der Gewaltherrschaft des Herrn v. Plehwe gefallen sind, der in seiner schrankenlosen Willkür selbst dem unabhängigen Senat den Fuß auf den Nacken gesetzt und den unabhängigen russischen Gerichtsbos sehr oft gezwungen hat. in judenseindlichem Sinne das Recht zu beugen. Sprechsaal. Graudenz. 1. August 1904. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Ihrem «Sprechsaal" ist die Frage aufgeworfen und erörtet worden, ob im vnp das um 7*2 gu rrcar uerrpi oder zu nbvb gehört. Sowohl der Ausdruck selbst, als auch die Satzkonstruktion, verlangen die Zusammengehörigkeit von wn -ps «zmp-» rrsr, denn *n T"!- rw-m ist aramäisch, eben nichts Anderes als das hebräische rrm 712 und die Satzfolge ist klar — wie der Tir'rw'-'-v zur vv Stelle richtig bemerkt und citirt — ~,y. »b-yb rtapn bv w . . . nsrer jor* Hochachtungsvoll Rabbiner Dr. L 0 e v y. Feuilleton. Wahrheit unb Wichtung. Von Friedrich Statt. m Keßler erwiderte nichts, achselzuckend griff er nach dem Zeitungsblatt, das vor ihm aus dem Tische lag. Das war jedoch für die sich mehr und mehr Ereifernde nur das Signal zu neuen Klagen und Beleidigungen, dis er endlich aufstand und die Zeitung auf den Tisch warf. «Ich räume das Feld," sagte er. nach seinem Hute greifend. ...Otto!" schrie sie auf, «wohin willst Du?" «Das weih sch selbst nicht. Fort, nur fort, denn Du machst mir dos Haus zur Hölle." Da aber hing sie schon an seinem Halse, weinend, schluchzend, ihre Liebe betheuernd, seinen Kaltsinn beklagend. seine Verzeihung erflehend und ihm schwörend. daß es ihm nie gelingen werde, sich von ihr zu trenne«. Er blickte düster vor sich nieder. «Dann mußt Du Dich ändern. Steffi." sagte er, indem er sich jedoch nicht unsanft ihren Armen entzog, «ich ertrage diese Scenen nicht länger, meine Kraft ist zu Ende." Sie blickte angstvoll zu ihm auf. «Es ist wahr," sagte sie gepreßt. «Du siehst elend aus. — Was ist Dir. Otto? — bist Du krank?" «Vielleicht — ich weiß es selbst nicht — aber ich wiederhole, dieses Leben muß ein Ende nehmen, so — oder so —" Sie sah ein, daß er recht hatte, daß sie ihr unglückseliges Temperament beherrschen müsse, wenn sie ihm das Leben an ihrer Seite nicht zur Unmöglichkeit machen wollte. Aber nie im Leben war es ihr in den Sinn gekommen. daß sie sich auch einmal werde beherrschen müssen, sie die einzige Tochter, das einzige Kind des sprichwörtlich reichen Baron Holm. Von Jugend auf war sie gewöhnt, alles zur Ausführung zu bringen, was ihr durch den Kopf flog, ihren Willen, ihre Launen ihrer Umgebung aufzuzwingen, dieselbe vollständig zu beherrsche»; nie aber sich selbst zu beherrschen, von Selbstbeherrschung hatte sie absolut keine Ahnung. So sehr sie daher auch die Nothwendigkeit erkannte, alles aufzubieten um denjenigen, dessen Namen sie trug, sich durch ihre Leidenschaftlichkeit nicht vollständig zu entfremden, so wenig war sie im Stande, sich zu mäßigen, namentlich, da es sich nun einmal nicht in Abrede stellen ließ, daß Keßler seit der Verheiratbung seiner Mündel thatsächlich ein Anderer geworden war. Und wenn sie es daher bei ruhigem Nachdenken auch zugeben mußte, daß er ihr im Uebrigen nie wirklichen Grund zur Eifersucht gegeben hatte, die zuletzt angeführte Thatsache warf alles über den Haufen, bewies, nach ihrer Behauptung sonnenklar, daß er sich in Sehnsucht nach der Neuvermählten verzehrte. Das sagte sie ihm Tag für Tag. so oft sie ihn sah. Und er widersprach ihr nie. mochte sie ihm verlverfen was sie wollte, ein höhnisches Lächeln, ein verächtliches Achselzucken war stets seine einzige Antwort, die sie jedoch mehr verletzte als wild aufbrausende Worte es vermachst hätten. Es war in den Dormitiagstunden eines sonnig heiteren Tages, kaum ein Wölkchen trübte das Azurblau des Himmels. Doch in dem prächtigen Heim des Professor Keßler hatte es heute wieder einmal ein Gewitter gegeben, böse bittere Worte waren gefallen, bis er zum letzten Mittel, zu seinem Hute gegriffen hatte und fortgetzangen war. Bleich und stolz, schritt er dahin durch die von den Sonnenstrahlen durchflutheten Straßen der Universitätsstadt und erwiderte flüchttg die achtungsvollen Grüße der Vorübergehenden, denn.

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