Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-08-08 · Heft 63 (8.8.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 63 (8.8.1904)
Date
1904-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450045--61199-2521319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1347 stellt werden durften. Es gehöre dies insofern zur Kompetenz des Verbandes, als dieser sich auch für berechtigt halte, ihre Anstellung durch grössere Ansprüche, die er an sie stelle, zu erschweren und mithin auch verpflichtet sei. ihnen bessere Garantien zu verschaffen. Damit schloss die Vormittagssitzung. Aach .zweistündiger Paule wurde die Debatte über diesen Punkt fortgesetzt. Nachdem noch Referent die Zusage erhalten hatte, dass der Verband, sobald er sich wieder veranlasst sähe, die bisher von wenig Erfolg begleiteten Anträge betreffend bessere Vorbildung der Kantoren wieder einzubringen, auch diesen Antrag mit berücksichtigen werde, ziebt er ihn wieder zurück. Es folgte nunmehr ein Referat des Dr. Ginsburger-Sulz über die rechtliche Stellung der elsass-lothringischen Rabbiner. Wahrend in der älteren Zeit die Stellung die gleiche >var. wie ste die 'übrigen deutschen Rabbiner einnabmen. wurden seit der Emanzipation Rechte und Pflichten der Rabbiner durch verschiedene Dekrete und Ordonnanzen genau normirt. wobei jedoch besonders die Bestimmungen über die Rechte der Rabbiner innerhalb der Gemeinden viel zu wünschen übrig liessen. Im Anschluss an das gediegene, eingehende Studien und liefe Sachkenntniss bekundende Referat, das hoffentlich ausführlich veröffentlicht wird, wurde die Gründung eines Ehrenratbes beschlossen, in den Dr. Bloch Oberchnheim, Dr. Weill-Buchsweiler nnd Dr. Wolff-Bischheim gewählt wurden, hingegen lvurde die von einer Seite gegebene Anregung, mehr obligatorische Predigten gleichmäßig in allen Gemeinden einzuführen, w:g?n der Verschiedenheit der Verhältnisse in den einzelnen Svrcngcln als unausführbar zuriickgewiesen. Wegen der vorgerückten Stunde wurde die frage der Nrnerganisation des Lesezirkels von der Tagesordnung abgelebt und zur Neuwahl des Ausschusses geschritten. Gewählt wurden: Dr. Bloch-Oberchnheim. Vorsitzender. Dr. Bloch-Dambach. Schriftführer, Dr. Goldstein- Mutzig, Dr. Levv-Brumath. Dr. Marr-Westhofen, Ka stirer. Schweden. Stockholm. (M i s s i o n s w e s e n.l Die schwedische Jsraelsmission beschäftigt jetzt fünf Missionare auf vier Stationen, nämlich in Stockholm. Budapest (zwei), Odessa und llrmia; ausserdem stehen in ihrem Dienste zwei Bibelfranen in Göteborg und Stockholm. Sie unterhält in Stockholm ein Arbeitsheim für junge Juden, die im Ehristenthum unterrichtet werden, und zwei Ferienkolonien für jüdische Kinder an der schwedischen Küste. Tie dänische Judenmiffio». die bisher nur das Werk. Pastor Zöckleis in Stanislau unterstützte, hat den schwedischen Judenchristen Philemon Petri als Miffions-. und Reiseprediger für Dänemark in ihren Dienst gennommen. Die norwegisch; Jsraelsmission hat ausser ihrem Mifstonar Pastor Johnson in Galah einen judenchrist liehen Hilfsmissionar in der Nachbarstadt Braila und ausserdem vier Lehrerinnen und einen Lehrer an der Missionsschule zu Galah in ihrem Dienste. Endlich beschäftigt die lutherische Kirche von Russland einen Missionar in Lodz. Die beiden Leipziger Missionare Pastor Schmeisscr in Bukarest und Pastor von Harling in Leipzig eingerechnet, arbeitet also die gefammte lutherische Judenmission in Europa gegenwärtig mit sechs ordinirten und fünf nichtordinirten Missionaren auf zehn Stationen unter den Juden von Schweden, Deutschland, Ungarn. Russland. Rumänien und Persien. Hierzu kommt noch die vom Evangelifch lutherischen Zentralverein in Leipzig unterstützte Arbeit der dänisck)en Jsraelsmission in Galizien. (Zur Warnung für unsere Glaubensgenossen in diesen Landern.) R u ss l a n v, Petersburg. (Wichtige Senätsents ch e i d u n g e n.) Von allem Räthselhastcu und Unbegreiflichem. das dem fernstehenden im Leben und Treiben der russischen Juden ausfallt, ist nichts so unbegreiflich und räthselbaft wie die Thatsache, daß alljährlich Zehntausende jüdische Handwerker nach drm fernen und ihnen völlig fremden Amerika wandern, während ihnen das Recht zusteht, sich in dem dicht vor den Thoren des grossen, jüdischen Ghettos gelegenen Eeutralrussland niederznlassen. Eine gan e Reihe wichtiger, den jüdischen Handwerkern überaus günstiger Sliwtenlscheid'lngen. die in jüngster Zeit bekannt geworden sind, lässt überdies erkennen, dass der in den innern Gouvernements Russlands sich niederlaffende jüdische Handwerker in dem mächtigen russischen Senat gegen etu.mige Ucbergriffe eines zügellosen Tschinownilthums einen wirksanren Schuh hat. So entschied der.Senat, dass ein jüdischer Glaser keine eigene Wertstätte zu besitzen braucht, um im Innern Russlands wohnen zu dürfen. Ein anderes Mal erklärte der höchste russische Gerichtshof, dass ein Jude, welcher handwerksmäßig Tinte herstellt, aus Centralrutzland nicht ausgewiesen werden darf, selbst im falle, wenn er weder Gesellen hält, noch eine besondere Werkstättr benot. In seiner grossen 'Vorliebe für jüdische Handwerker scheut sich der russische Senat selbst davor nicht, ausdrückliche Vorschriften der Maigesetze illusorisch zu machen. Eine dritte Senatsentscheidunq ist dazu bestimmt. den im Innern Russlands bereits wohnenden jüdischen Handwerkern daS Leben zu erleichtern. Das Gesetz schreibt nämlich u. A. vor. dass jeder jüdische Handlverker bei einer Niederlassung ausserhalb des An-- siedclungsrayons ein polizeiliches fiihrungsattest Lei! zubringen habe, llm den jüdischen Handwerker zu! chikaniren. fordern nun die Behörden, dass das Zeugnitz! von der Polizeibehörde des Geburtsortes des Letreffen- ' den Handwerkers ausgestellt sein muss. Der Senat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.