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Der Israelit · 1904-03-29 · Heft 25-26 (29.3.1904) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 25-26 (29.3.1904)
Date
1904-03-29
Page
– (sequence 30)
Language
German
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„Schnell hier heraus auf das Dach," und ehe Recha nur wußte, wie ihr geschah, hatte sie der junge Mann zu sich heraufgezogen. „Die Mutter, die Mutter! Rette meine Mutter zuerst!" jammerte sie leise. „Halte Dich an diesem Schornsteine fest, Geliebte, ich hole Deine Mutter!" Gleich darauf hatte er auch diese zu sich heraufgezogen, dann folgten die zwei jüngeren Schwestern und schließlich Schwartz selbst. Jetzt galt es aber den gefährlichsten Weg über das Dachfirst. Samuel brachte sie Alle glücklich hinüber. Frau Schwartz mußte er hinüber tragen, da die arme Frau nicht mehr im Stande war, zu gehen, und sicher in die Tiefe gestürzt wäre. Als Alle glücklich drüben angelangt waren, lö.ste Samuel das Seil und ließ das eine Ende in den Hof fallen, dann schlüpfte er ebenfalls zur Dachlucke hinein. Kaum war er verschwunden, tauchte drüben ein wildblickendes Gesicht auf, erstaunt sich auf dem Dache umsehend.-*— Der stolze Zacharias Schwartz aber, der sich aus Hochmuth vor keinem Menschen beugen wollte, er lag vor Samuel auf den Knieen und dankte demselben inbrünstig für seine edle, muthige That.- Mittlerweile hatte sich die Situation vor dem Hause Schwartz's wesentlich geändert. Bewaffnete Knechte hatten die Straße von der Plündererbande wieder gesäubert. Außerdem war auf allen Plätzen der Stadt durch Rathsdiener ausgerufen worden, daß sich das vermißte Kind gefunden hätte. Es war an dem fraglichen Nachmittag auf dem Heimweg Verwandten aus einem benachbarten Dorfe begegnet, mit diesen nach Hause gefahren und die zwei Tage dort verblieben. Es war Pesach-Anfang! Im Lichcerglanze strahlte die festlich gedeckte Tafel im Hause Pistor Goldsckeiders. Eben hatte sich der Hausherr mit der ganzen Tischgesellschaft erhoben, die gefüllten Pokale in den Händen, und mit Innigkeit erklang der Kiddusch. Da erhob sich plötzlich zu aller Erstaunen der Greis. Seine Blicke waren wie in weite Fernen gerichtet, als schaue er in weiter, weiter Zukunft ein Bild. Langsam erhoben sich die zitternden Hände segnend über die Anwesenden und leise, wie geistesabwesend, kündete er in prophetischen Worten: „Ich sehe Ruhe und Frieden einziehen für Israel in vielen Ländern, zumal in den deutschen Landen! Nur weit, weit im Osten Europas werden selbst in fast tausend Jahren noch unsere Brüder verfolgt, gehetzt und gemordet. Ich sehe, wie Horden in friedliche jüdische Häuser eindringen, die Einwohner morden. Säuglinge durch die Fenster auf die Straßen werfen, ich sehe sie plündern und brandschatzen! Doch auch dort wird dereinst Friede einziehen, und Israel wird seine ihm von Gott aufgetragene Mission vollbringen! Gottes unerforschliche Wege sind wunderbar!" Und der Greis verstummte. Tief erschüttert waren Alle ob der prophetischen Worte des frommen Kabbalisten. Nach Schluß des Festmahls erhob sich Zacharias Schwartz, pries die Heldenthat Samuel Goldscheiders und fügte hinzu, daß er sich glücklich schätze, einen solch braven Mann für seine Tochter gewinnen zu können. Nebenbei bemerke er aber noch, daß er sein ganzes Baarvermögen gerettet und detzwegen den jungen Leuten eine sichere Existenz gründen könne. Dann führte er die überglückliche Recha ihrem nicht minder beglückten Samuel zu. und gab beiden seinen väterlichen Segen. Auch der Großvater und die Eltern Samuels segneten das glückliche Paar.- Noch ein wunderbarer Vorgang soll hier nicht unerwähnt bleiben: Bei den stattgehabten Tumulten wurde einer der am wildesten sich geberdenden Plünderer durch einen Rathsdiener schwer verwundet. Auf seinem Todenbette machte derselbe das Geständniß, daß er vor zwei Jahren den Einbruch bei Goldscheidec ausgeführt. Das baare Geld habe er verjubelt, aber die Werthpapiere seien in der Rückwand eines Schrankes in seiner Wohnung versteckt. Hier fanden sich dieselben auch thatsächlich vor und Reb Goldscheider gelangte dadurch wieder zum größten Theil seines Vermögens. Ende. iLVNSrhl. von % Mannheimer, Dettelbach. Es sinket die Sonne am westlichen Rand, Das Abendroth strahlet vom Berge in's Land. Und linde säuseln die Lüfte. Bald dämmert und dunkelt die liebliche Nacht Des Frühlings herunter auf alle die Pracht . Der Felder, der Berge, der Klüfte. Die Vöglein schlafen, ihr Lied ist verhallt. Es hüllt sich in Schweigen der düstere Wald, Und Ruhe wird Müden und Matten. Am Himmel nur, wie er es ewig gethan. Zieht stille die nächtliche Friedensbahn Der Mond bei den fahlen Schatten.

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