Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 25-26 (29.3.1904)
- Date
- 1904-03-29
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450011--60394-2521298- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5*70 Wir jedoch b'J'cko B’roxa mögen am an »•tonn nccn neue religiöse Kraft schöpfen, nr warm .flri vn p fl« DTöBn pi c’rcn fl bvrrb nau S. Klein, Rabbiner. M. Kereßtes (Ungarn). ZeitnngSuachrichtcn und Csrresponderrzerr. Deutschland. Altona. «5ine prinzipiell wichtige Entscheidung hat die Civilkammer II des hiesigen Landgerichts getroffen. Der Mobilienhändler Daniels klagte gegen die Hochdeutsche Jsraelitengemeinde und verlangte, daß ihm gestattet werde, die auf dem Friedhof der Gemeinde befindlichen Gräber seiner Angehörigen durch seinen eigenen Gärtner in Stand halten lasten zu dürfen. Die Gemeinde beantragte Abweisung der Klage mit der Motivirung, daß seitens der Gemeinde ein Gärtner angestellt sei, der für Instandhaltung sämmtlicher Gräber auf dem Friedhofe Sorge tragen müsse. Das Landgericht hat den Kläger kostenpflichtig abgewiesen. Amberg. Bei der zweiten Sitzungsperiode des Schwurgerichts am kgl. Landgerichte Amberg kam zur Verhandlung Jakob S t a d i, 35 Jahre alt, kath., verh., Spengler von Heilinghausen, wegen Mordes, begangen an einem fünfjährigen Knaben. Dabei kam folgender interessanter Vorfall zur Sprachen Die Taglöhnersfrau Franziska Seidl von H. lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen und hat drei Kinder, im Älter von sechs, fünf und drei Jahren zu ernähren. Etwa acht Tage vor dem Morde beklagte sich die Frau dem Stadi gegenüber, daß sie wenig Verdienst hätte, und es ihr in Folge dessen sehr schlecht ginge. Darauf sagte S., sie solle einen Buben verkaufen. Auf die Frage der Zeugin, wobin, sagte S. an die Juden in Rcgensburg, denn diese brauchen Christenblut und stechen die Knaben zu diesem Zwecke ab. Die Frau gab nun ihrem Entsetzen darüber Ausdruck und hielt insbesondere das Sündhafte einer solchen Handlungsweise dem S. vor Augen, dieser aber erwiderte nur: .Es gibt keinen Gott und keinen Teufel!" Es ist für uns wahrlich ein Glück zu nennen, daß der auf so grausame Weise um's Leben gekommene Knabe damals verhältnißmäßig bald im Walde aufgefunden worden ist. Wer weiß, was dieser Unhold, der während der zweitägigen Verhandlung, trotz der erdrückendsten Verdachtsmomente, hartnäckig die Schuld von sich abzuwälzen suchte, nicht alles erdichtet hätte! Er wurde zum Tode verurtbeilt. Bietet uns dieser Einblick in die Denk- und Handlungsweise des Angeklagten ein Bild für die Höhe der sittlichen Anschauungen desselben, so können wir daraus auch die Entstehungsursache so manchen .Ritualmordmärchens" erklären. Anderseits ist lobend hervorzuheben, daß Staatsanwalt wie Vertheidiger bei Erwähnung dieses Vorfalles in ihren Plaidoyers einnmthig den Glauben an einen Ritualmord sowohl in diesem Falle, als auch in generellem Sinne ad absurdum führten. E. Godlewsky, Lehrer. Oesterreich. Wien, 25. März. (Salomon Sulzers Hunderster Geburtstag.) Auf den 30. März d. I. fällt der hundertste Geburtstag des langjährigen Oberkantors der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und Reformators des Synagogengesanges, des Professors Salomon S u l z e r, der zu Hohenems (Voralberg) das Licht der Welt erblickte. Er wurde bereits im Alter von 18 Jahren zum Kantor in seiner Heimathgemeinde bestimmt. Als in Wien der Tempel in der Seitenstetiergasse gebaut wurde, war der Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde darauf bedacht, als ersten Funktionär einen ausgezeichneten Sänger zu gewinnen, und er richtete sein Augenmerk auf den jungen Hohenemser Kantor, der dem an ihn ergangenen Rufe folgend, am 9. April 1826 zum erstenmale bei der an diesem Tage abgchaltenen Einweihung der Synagoge in der Seitenstettergasse fungirte. Hier wirkte er dann durch länger als 56 Jahre als Reformator des gottesdienstlichen Gesanges. Sein Werk .Schir Zion", an welchem die hervorragendsten Musiker jener Zeit, wie Schubert, Drexler. Würffel. durch ihre Mitwirkung i Antheil nahmen, ist eine unversiegbare Fundgrube für » Kantoren geworden. Im Jahre 1845 wurde Sulzer 1 als Gesangsprofessor in das Konservatorium der Ge-! sellschast der Musilfreunde berufen, in welcher Eigenj schaft er mehrere Jahre thätig war. Sein 70. Ge . burtsfest gab' Gelegenheit zu einer Reihe herzlicher I Ovationen für den in weitesten Kreisen hochgeachteten ' Mann. Der Kaiser zeichnete ihn durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz-Josephs-Ordens aus. während der Sultan ihm den Medschidje-Orden überreichen ließ. Die Wiener Künstler widmeten ihm einen silbernen Lorbeerkranz, dessen Ueberreichung nach einer herzlichen Begrüßungsansprache der damaligen Hofschausvielerin Amalie Haizinger erfolgte. Die amerikanischen Kantoren übersendeten ihrem Altmeister eine in Gold gearbeitete Medaille, die auf der Aversseite das Reliefporträt Sulzers zeigte. Außerdem erhielt Sulzer an seinem Jubeltagr zahlreiche Adressen und koitbare Ehrengeschenke. Alle diese Objekte, ferner das vom Bürgermeister Dr. Kajetan Felder gefertigte Bürgerrechtsdiplom der Haupt- und Residenzstadt Wien und der von den Beamten der Wiener Kultusgemeinde gespendete Schreibtisch Sulzers werden aus Anlaß des Zentenariums im Museum für jüdische