Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-03-29 · Heft 25-26 (29.3.1904) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 25-26 (29.3.1904)
Date
1904-03-29
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450011--60395-2521299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

671 Alterthümer Zur Ausstellung gelange». Als am 2. April 1881 Sulzer das letztemal den Gottesdienst abhielt, da war die Synagoge überfüllt. und das Leichenbegangniß dieses trefflichen Mannes, das am 22. Januar 1890 stattfand, liest abermals die allgemeine Verehrung, die Sulzer in Wien genossen hatte, erkennen. Die „Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums (jüdisches Museum)" ehrte das Andenken Sulzers am zehnten Jahrestage seines Todes durch eine Feier, bei welcher Adolf Ritter von Sonnenthol die Biographie Sulzers zum Vorträge brachte, während die Chore der Wiener Synagogen unter Leitung des Sohnes des Verstorbenen, des Hofmusikers Professor Josef Sulzer, Sulzer'sche Komposition vortrugen; die Gesellschaft wird auch die Feier des hundertsten Gebnrtsfestes würdig begehen. Der Kultus- Vorstand Hat schon im Stadttempel eine Feier veranstaltet. Unter den Theilnehmern der Feier befanden sich: Die beiden Vizepräsidenten, Doktor Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, mit fast sämmtlichen Vorstandsmitgliedern der Kultusgemeinde und den Mitgliedern des Bethausvorstandes, sowie dem Sekretär kaiserlichen Rath Dr. Lieben, ferner Baronin Charlotte Königswarter, David Ritter von Gutmasn, Landesgerichtsrath Dr. Spitzkopf, Regierungsrath Dr. Schlag, der Direktor des Blindeninstituts auf der Hohen Warte Heller, der Vorstand der türkisch-rsr. Gemeinde Licco Adutt, der Vizepräsident der Börse für landwirthschaftliche Produkte kaiserlicher Rath Weil, Professor Josef Sulzer. der Sohn Salomon Sulzers, seine Schwestern und die übrigen Familienmitglieder. Oberkantor Singer leitete die Feier mit Tempelgesängen, die der verstärkte Chor begleitete, ein. Dann hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann die Gedenkrede. Hierauf wurden Sulzer'sche Tondichtungen zum Vortrage gebracht. Professor Josef Sulzer dirigirte sie persönlich. Auch im Leopoldstadter Tempel fand eine Gedenkfeier statt, bei der Rabbiner Dr. David die Gednkrede hielt. Im Sitzungssaale des Oesterreichisch-ungarischrn Kantorenvereines fand die Begrüßung der vielen aus Anlaß der Sulzer-Feier erschienenen Gäste aus der Provinz durch VizeprLses Oberkantor I. Bauer statt. T-er Verein veranstaltete im Sitzungssaale der Kultusgemeinde eine Festsitzung, zu der sich auch die Familie Sulzers und viele Gäste eingesunden hatten. Oberkantor Singer hielt die Festrede, in der er die Verdienste Sulzers als Reformator des Synagogengesanges, als Komponist und Sänger würdigte. Zur Erinnerung an Sulzer hat der Verein sein Bildniß anfertigen lassen, dessen Hülle am Schlüsse der Feier fiel. Es ist ein Werk der Malerin Frau Mizzi Kessel- Bauer und zeichnet sich durch Naturwahrheit und künstlerische Ausführung aus. Das Bild ist im Museum für jüdische Alterthümer, Praterstraße Nr. 23, zur allgemeinen Besichtigung ausgestellt. Die Kantoren, etwa hundert an der Zahl, begaben sich in das Museum für jüdische Alterthümer, um dort vor der mit einem Lorbeerkranze geschmückten Baste Sulzers, sowie vor dem Bildnisse eine nochmalige Huldigung darzubringen. Der Präsident der Kuttusgemeindr. Dr. Alfred Stern, richtete namens des Vorstandes einige Worte an die Kantoren. Die Kantoren versammelten sich darauf im Tempel in der Leopoldstadt, woselbst eine Wiederholung der synagogalen Feier abgehalten wurde, bei welcher Rabbiner Dr. Schmied! die Gedächtnitzrede hielt und Oberkantor Guttmann die Gesänge leitete. Ungarn. Temesvar, 18. März. Am 16. d. Mts. baben wir Herrn Adolf von Schwartz, kgl. Rath, das letzte Geleite gegeben. Derselbe hatte trotz seiner hohen Stellung, er war nämlich 30 Jahre Oberdirektor der Ung. Kgl. Tabakfabrik, stets der hiesigen aut. orth. Gemeinde als Mitglied angehört. Das ca. 10,000 Personen zählende Publikum, das dem Verschiedenen die letzte Ehre erwies, brach in Thränen aus. als Se. Chrwürden, Herr Oberrabbiner Bernart Schuck, ein Zögling der Preßburger Jeschiba, in der Trauerrede die großen Verdienste des Verblichenen schilderte. Frankreich. Paris, 22. März. Da in Folge des ruffischjapanischen Krieges Handel und Gewerbe fast vollständig in Rußland stocken, kommen tagtäglich Hunderte russisch-jüdischer Familien, die in ihrer Heimath ganz brodlos geblieben sind, nach Paris, um hier Mittel zur Unterkunst zu suchen. Fast alle sind ganz mittellos und ihre Lage ist wirklich entsetzlich: in dieser .menschenreichen Oede" sind sie ganz ohne Freunde, ohne Bekannte, ohne Mittel, und ihre Leiden find unbeschreiblich. Viele unter ihnen sind sehr tüchtige Handwerker. aber auch sie können hier keine Arbeit finden, denn erstens ist der Kampf um's Dasein hier sehr hart und zweitens ist für sie die vollkommene Unkenntniß der Landessprache ein ungeheures Hinderniß. Es niuß leider festgestellt werden, daß viele jüdische Arbeitgeber — ich spreche besonders von gewissen stanzösischen Juden — diese arbeitsuchenden Glaubensgenossen nicht mit dem ihnen gebührenden Wohlwollen behandeln. Ueberall finden diese unglücklichen Männer, die nicht betteln, sondern arbeiten wollen, taube Ohren und harte Herzen. Das Elend ist groß und die Festtage rücken immer näher heran. „Saure Wochen, frohe Feste", hat ein großer deutscher Dichter gesungen. Und mein Herz blutet, wenn ich denke, daß diese unglücklichen Glaubensgenossen, deren Wochen so sauer sind, auch saure Feste haben werden. Pi. -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.