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Der Israelit · 1904-03-29 · Heft 25-26 (29.3.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 25-26 (29.3.1904)
Date
1904-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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562 nicht mehr bedürfte, wer bürgte dafür, daß es sich in diesem Falle nicht nach den in Egypten sich angeeigneten Unsitten zurückgesehnt hätte. Wer vermag zu wißen, ob es nicht bald gesagt hätte, rm n:rvo ijwa ‘fmv v'2212 N-N27 nnu' wir wollen weiter den sittenlosen Bräuchen des Götzendienstes ftöhnen, ob es nicht wiederholt ausgerufen hätte nvrr im den von Egypten aus uns bekannten Göttern haben wir unsere Befteiung zu verdanken; denn tief hatte schon das Unwesen in dem jüdischen Volkssiamme Wurzel geschlagen. — Dem mußte also oorgebeugt werden. Es mutzten da außergewöhnliche Ereignisse entsendet, übernatürliche Wirkungen entfesselt werden, rrapn mußte unmittelbar in den Gang der Naturgesetze und der Geschichte eingreifen, wenn Israel seinen Gott begreifen und die erhabenen Gesetze der Thora würdigen sollte. Es wurde daher das von hartem Drucke endlich befreite jüdische Volk nicht, wie wir es erwartet hätten, bald in das Land seiner Besttmmung vüxn im iw: nrm trx geführt, es mutzte vorerst die Richtung zum Schilfmeere einschkagen, mehr als ein Menschenalter in der .Wüste Herumschweifen, damit es hier erzogen und geläutert, für seine heilige Lehre und seine hehre Mission fähig gemacht werde. Die bei jedem Schritt und Tritt sich einstellenden Schwierigkeiten des Wüstenlebens mußten durch der Natur schnurstracks zuwiderlaufende Erscheinungen überwunden werden, sechsbunderttausend kriegsfähige, mit Kriegsgeräthen reichlich versehene Männer durften auf ausdrückliches Gebot Gottes. als Pharao ihnen mit einer geringen Schaar von Streitwagen und Rossen nachgefolgt war. nichts als schweigen, sie durften nicht zu den Waffen greifen, damit bei der Rettung kein Schein von Natürlichkett mitspiele. Die Feinde sollten in's Meer sinken, dort wo Israel trockenen Fußes durchzogen war. Und auf den beschwerlichen Wegen der Wüste solle ihm zur Nachtzeit ein hellloderndes Feuer, am Tage eine Wolke als Führer dienen. War Mangel an Wasser, wurde übernatürlicher Weise Abhülfe geschaffen, es sprudelte reichlich aus einem Felsen, das Wasser. Verlangte mau Speisen, sollte das jeden Geschmack befriedigende Manna fallen, — am Schabbos nicht, damit man sichtlich erfahre für die Folgezeit, daß Gott den Schabbosbedarl während der Woche besorgt. Durch solche Thatsachen mutzte der Tiefstehende in Israel von der Existenz und der Allmacht seiner Väter Gott überzeugt werden; und dies sollte erreicht werden. Dazu bedurfte man des Umzuges. Es sollte die vierzigjährige Wüstenwanderung eine Läuterungszeit sein, eine Befreiung von den Fesseln der alten, in das Fleisch und Blut Lbergegangenen Jrrthümer. der Abschluß der geistigen Erlösung. die Erziehung für. das Verständnitz der Thora. Denn sie war der Endzweck, und von ihr sollte die Freiheit Israels abhängen. Ist dem aber so 3B't? -w fejr xb bvn&2V-- Wenn daher der Sturm nach einem mehrhundertjahrigen Brausen um Israel, seine elende Ohnmacht nicht einsehend, sein Vernichtungswerk mit einer noch so verstärkten Kraft treiben sollte: er wird unseren Augen Thränen erpressen, nicht aber die Hoffnung unserer Brust entreißen. Denn so lange wir die Thora und damit uns selbst nicht verleugnet haben, können uns die Feinde zwar beugen, aber nicht brechen. Das Sein Israels ist an die Existenz der Thora geknüpft, sie aber ist ein Lebensbaum, der ewig grünet. Und er wird noch seine Aeste über die ganze Menschheit verbreiten. nrr pxrt ix^oi D'DJO v'b BQ3U Zeitungsnachrichten und Correspondenze». Deutschland. Berlin, 27. März. Bei der Ersatzwahl ftir den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Rosenow (soz.) ist in der nunmehrigen Stichwahl im Wahlkreis Zschopau-Marienburg der antisemitische Kandidat Zimmermann gegen den Sozialdemokraten Pinkau mit einem Plus von ca. 1000 Stimmen gewählt worden. Berlin. Der Justizminister und der Minister des Innern haben nachstehende Verfügung an die Provinzialbehörden erlassen: „Nach einer Mittheilung des Herrn Ministers der auswärtigen Angelegenheiten hat die Kaiserlich Russische Regierung nunmehr diejenigen inneren Behörden bestimmt, welche zur Ausstellung der für die Eheschließung russischer Staatsangehöriger christlichen Bekenntnisses in Preußen erforderlichen Zeugnisse über das Nichtbekanntsein von Ehehindernissen (Artikel 43 § 1 des preußischen Ausführungsgesetzes zum B. G. B.1 zuständig sind. Danach werden diese Zeugnisse im allgemeinen von den Gemeindegeistlichen, für Angehörige des römisch-katholischen Bekenntnisses aber von den Polizeibehörden ertheilt; zuständig sind die Geistlichen oder Polizeibehörden des Ortes, wo der russische Verlobte in Rußland wohnt oder seinen letzten Wohnsitz gehabt bat. Für russische Staatsangehörige jüdischen Bekenntnisses hat eine Bestellung russischer Behörden für die Ertheilung der gedächten Zeugnisse noch nicht stattgefunden. Wegen der formellen Aenderung des gemeinsamen Runderlaffes vom 13. März 1903 (Min. Bl. f. d. i. V. Seite 28) wird demnächst weitere Verfügung ergehen." Leipzig, 26. März. Endlich können wir die freudige Nachricht senden, daß die segensreiche Thätigkeit unseres Talmud-Thora-Vereines für die nächsten zehn Jahre gesichert ist. Durch pekuniäre Schwierigkeiten war der Bestand

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