Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 25-26 (29.3.1904)
- Date
- 1904-03-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. Die vierte Frage. - «Line Betrachtung zu den öederabendeir Von Samue» Gottdiener—F r a n k f u r t a. M. ppe D' 12201 *pi oyn dx O'.ibx 221. Und Gott ließ Israel einen Umweg machen durch die Wüste; des Schilfmeeres; aus diesem Vers geht nach unseren Weisen hervor 2BV ->y ‘?2X'1 *6 bxnv'zv 'LXV daß sich beim Esten am Pesachabend auch der Dürftigste in Israel anlehnen müsse, daß also auch er ein Zeichen der Freiheit zu bekunden die Pflicht habe. Das volle Jahr hindurch keuchte er unter der schweren Last seines Waarenpackes, sein Herz wurde unter der Bürde seiner Sorgen und Kümmernisse schwer erdrückt, den ganzen bitteren Winter hindurch mußte er rastlos thätig sein, um sein bescheidenes Dasein fristen zu können, — und es sind die Sederabendc herangerllckt, muß er sich, alles vergessend, anlehnen, viermal Wein trinken, um Freiheit zu bekunden! Der wüste Antisemitismus hat in unseren Tagen ungeheure Dimensionen angenommen. Wir haben seine Schwere und Bitterkeit in seiner vollen Bedeutung fühlen müssen. Plünderungen über Plünderungen haben wir erduldet, Greuelthaten über Greuelthaten sind an einem Theil der Judenheit verübt worden, die vor der ganzen Kulturmenschheit in einer jeder Gerechtigkeit spottenden Weise — geahndet worden sind. — und wir theilen unseren Kindern. uns anlehnend, mit, daß wir. wenn uns Gott aus Egypten nicht herausgeführt hätte, noch heute nicht frei wären! Liegt darin nicht die reinste Ironie? — Unsere Midraschweisen wollen uns. wie es scheint, über diese Schwierigkeit aufklären, indem sie die Pflicht des Anlehnens durch eine scheinbar rätbselhaste Folgerung aus dem Satze 121 v'ibrr 221 hervorgehen lassen, die Deutung dem Kundigen überlassend. Wenn wir nicht irren, wollen sie uns Folgendes sagen- Ziel und Zweck der Befreiung aus dem Golus war die geistige Erlösung poyn 2*1x22 cyi rx ^x'X-12 iti 112 -CM^xn rix. „Wenn Du das Volk aus Mizraim heraus geführt haben wirst, sollt ihr bei diesem Berge Diener Gottes werden." Geächtet und geknechtet haben die Israeliten die egyptische Leiden-schul: durchgemacht. Ihr Nacken war durch die Schwere der Sklavenkette tief gebeugt. Das Band, das sie äußerlich fest aneinander knüpfen sollte, war gegeben, und es schlug nun die Stunde der Befreiung. Der Korber sollte von der schweren, aufreibenden- Arbeit befreit werden, aber nicht um seiner selbst willen, sondern da- , mit der Geist fähig sei. die Thora zu empfange» und j den in ihr geoffenbarten Gottesgedanken zu erfassen. Israel sollte das Volk der Erkenntniß werden, das Priestervolk der anderen Völker, der Träger des von Gott geoffenbarten Gesetzes. Es sollte dm Namen des unsichtbaren und unfaßbaren Gottes als den Schöpfer des Weltalls und als den Vater des in seinem Ebenbilde geschaffenen Menschen vor aller Welt verkünden -und die anderen hehren und heiligen Wahrheiten der Thora, die im Laufe der Jahrtausende den ganzen Menschenkreis erobern sollten, unter allen Nationen verbreiten. Es hatte aber für diese ideale Aufgabe vorläufig kein Verständniß. War es doch.in die o*o nxciö versunken, nach unseren Weisen der Rand des Verderbens, die vorletzte Stufe der Versumpfung, aus der ein Emporkommen noch möglich ist. Und wie sollte es anders sein. Nirgends vielleicht hat der Aberglaube eine so rohe Gestalt angenommen, wie in Mizraim. Kein Volk der Erde vielleicht trieb den Götzendienst in so abscheulicher Form wie das egyptische. Und der Mensch war vielleicht in keinem Lande so sehr jedes Rechtes beraubt, wie in dem Lande der Pharaonen. Die niedrigsten Thiere ließ man hier göttlicher Verehrung theilbasiig werden, während die edelsten Menschen mit der grausamsten Härte geknebelt wurden. .101 Unzucht der frivolsten Art gehörte zu dem Kult und wurde als eine heilige Handlung betrachtet. Wie sollte es uns da Wunder nehmen, wenn Israel nach einem mehrhundertjährigen Aufenthalte in einem solchen Lande von den dort herrschenden Unarten infizirt war. wenn es auf einem niedrigen Niveau stand, und in ihm der letzte Funken von dem hellen Lichte, der von seinen Vätern übernommenen Lehre crlöschte. Wie sollten wir es ihm verdenken, wenn es seinem Nettungsboten Moses, der ihm den" Zweck der Befreiung mitgetheilt hat. kein Gehör verlieh, weil es von dem Götzendienste und der denselben begleitenden Sittenlosigkeit auch um den Preis seiner Befreiung von dem harten Joche nicht lassen wollte, ."»pp "ip r»tpp rrn2jrct m^ixpo .iro. b* ww xbi c’22‘2 nT2tfo V'ivb r-*;i?2. Trotz Ungeduld und hartem Dienst hörten die Söhne Israels auf Moses nicht, weil sie ihre Götzen nicht preisgeben wollten. Aber bat auch Israel im Moment des Auszuges an Gott geglaubt, weil Angesichts der zehn Plagen, dieser sichtlich wahrnehmbaren Wundererscheinungen, jedermann den 5:s«, den strafenden, der Leidenden sich annehmenden Finger des unsichtbaren Gottes hat erkennen müssen; wer bürgte dafür, daß es, ivym es durch den natürlichen kurzen Weg innerhalb weniger Tage in das Land der Verheißung gekommen wäre und also des unmittelbaren Eingreifens feines Gottes