Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 25-26 (29.3.1904)
- Date
- 1904-03-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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558 4) Die Darstellung Dr. Lerners ist auch insofern unrichtig, als er schreibt, von den verbrannten Leichen bleibt nicht mehr übrig otxsjd vs t »33 -sbj cyo cs 3. Das entspricht nicht den Thatsachen; es bleiben auch verkohlte, nicht zu Asche verbrannte Knochentheile zurück, wodurch sich für den p eine wesentliche andere Beurtheilung ergibt, wie ich in meiner Broschüre nachgewiesen habe. Einer der Herren, die in Nr. 21 als Gewährsmänner angeführt werden, schrieb mir bereits ganz spontan, daß er auf Grund dieses veränderten Thatbestandes seine Zustimmung nicht gegeben hätte und ick habe Anlaß zu glauben, daß es bei den übrigen Herren nicht anders sein wird, wie die vielen Zustimmungserklärungen. die mir zugehen, beweisen. Dr. H. Ehren treu. (Es liegen uns noch weitere Zuschriften in dieser Angelegenheit vor, die wir aber wegen Raummangel heute nicht zum Abdruck bringen können; vielleicht in einer späteren Nummer. Red. d. „Jsr.") Literarisches. BnS dein Notizbuch dcS Onkel Jonas. Humoresken aas dem jüdischen Leben. Prachtausgabe mit Illust, von Fr. B e ch st e i n. Pr. Mt. 12. Siegfried Cr 0 nbach, Berlin. Fast sprichwörtlich ist er geworden der „Onkel Jonas" in der langen Zeit, die seit seinem Entstehen verstrichen, in aller Munde leben die köstlichen Gestalten der Juden in den kleinen Marktflecken Posens, die wir hier geschildert sehen. In unscheinbarem Gewände hat er Jahrzehnte lang seinen Siegeszug geführt überall dahin, wo Juden wohnen, die die deutsche Sprache reden, und die die gewinnende, harmlose Heiterkeit, den unverfälschten jüdischen Humor, der uns von jeder Seite entgegenweht, zu schätzen wissen. Wer kennt sie nicht die Gestalten des „lahmen Bocher'schen". des „schiefen Julchens" u. a. m. Wie viele Stunden voller herzerquickender Fröhlichkeit erlebten wir nicht schon, wenn ein guter Rezitator die Aufzeichnungen des „Onkel Jonas" vorlas! Wir glaubten, sie ständen uns vor Augen, diese Landjuden aus den fünfziger Jahren, und wie oft wünschten wir nicht schon, auch einmal ein wirkliches Bild all' dieser Vorgänge zu besitzen. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Der Verleger hat den bekannten Zeichner der „Fliegenden Blätter". Fritz Bechstein. gewonnen, um das Werk zu illustriren. Mit verständnisvollem Eingehen auf das Wesen der Humoresken hat der Zeichner uns Bilder geschaffen, die in wahrhaft prächtiger Naivetät Szenen vor uns erstehen lassen, dir in jeder Beziehung werth sind, das „Notizbuch des Onkel Jonas" zu schmücken. Ich verweise besonders auf den „Gang quer über den Marktplatz zu Posen," der mit zw:rgfe^rschütternder Komi? dargestellt ist. Drr Verlag hat keine Kosten gescheut, das Werk . in ein möglichst würdiges Gewand zu kleiden, und die luxuriöse Ausstattung durch Einband, Druck und Papier lassen es als Geschenkwerk durchaus empfehlens- N-erk erscheinen. I. L. Feuilleton. ^Wahrheit unb Wichtung. Bon Friedrich Rott. l32 „Man hat sofort sehen können, daß die Sache sehr ernst wird. Aber Herr Graf, ich wiederhole, wenn Sie Ihrem Schwiegervater die letzte Oelung reichen lassen wollen — es wäre die höchste Zeit." Der Graf stieß einen lauten Seufzer aus. dann wandte er sich an den Bedienten: „Sie haben gehört, es ist die höchste Zeit. — Aber fügen Sie hinzu, daß hier im Hause kein Laut gehört werden darf, nicht einmal der des Glöckchens, meine Frau muß um jeden Preis so lange als möglich in Unkenntniß erhalten werden." Der Bediente eilte fort. Der Schwiegersohn des Kranken und der Arzt begaben sich wieder in das Krankenzimmer; das Röcheln dort ward jetzt seltener und leiser, der Kranke näherte sich sichtlich seiner Auflösung, das Bewußtsein schien bereits erloschen. Doch als der Geistliche erschien, flackerte die erlöschende Lebensflamme für einen Moment wieder auf, der Sterbende schien den Ernst des Augenblicks zu erkennen, doch nur für einen Augenblick. Nachdem der Priester seines Amtes gewaltet und sich wieder entfernt hatte, ward der Athem leiser und immer leiser, und noch vor Tagesanbruch war alles vorüber. Tief erschüttert vernahm der Graf die Kunde, denn trotz seines Leichtsinns war er ein gutherziger Mensch, und er zitterte bei dem Gedanken, seiner ahnungslosen Frau das Grauenvolle mittheilen zu müssen. Dringend ersuchte er den Arzt, gegenwärtig zu sein. Keßler versprach es. Jetzt wollte er nach Hause, wo möglich noch eine Stunde ruhen und dann die dringendsten Krankenbesuche erledigen, denn er wußte im Vorhinein, von der Gräfin würde er nicht so rasch wieder fort können, und zwischen Zehn und Elf wollte er wieder hier sein; bis dahin würde es dem Grafen wohl ein Leichtes sein, seine Gemahlin von dem Betreten des Sterbezimmers zurückzuhalten. Es war dieses jedoch nicht so leicht, wie sie geglaubt hatten. Früher, als gewöhnlich, hatte sich die Gräfin am gestrigen Abend zur Ruhe begeben und war vermuthlich in Folge dessen früher erwacht. Da ihr Vater ziemlich früh aufzustehen pflegte, erhob