Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 25-26 (29.3.1904)
- Date
- 1904-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1)57 München. Der Rechtsanwalt Justizrath Ofner hatte im Aufträge eines Mandanten eine Forderung gegen den Schriftsteller Sigmund v. Poißl brizutreiben. Das nahm Herr v. Poißl sehr krumm auf und schrieb an den Justizrath, der Israelit ist, einen Brief, in dem er von einer »Knoblauchkanzlei" und davon sprach, daß der Anwalt an einer Hetze gegen ihn Theil nehme. Der Briefschreiber hatte sich heute vor dem Schöffengericht am Amtsgericht München I. wegen Beleidigung zu verantworten. Er lehnte allerdings erfolglos, einen Schöffen mosaischen Glaubens wegen Besorgniß der Befangenheit ab und kehrte den Antisemiten so stark hervor, daß er vom Amtsrichter energisch zur Ordnung ermahnt werden mußte. Der Amtsanwalt beantragte 200 M. Geldstrafe, der Angeklagte Freisprechung; das Urtheil lautete aus 150 Mk. Geldstrafe eventuell 30 Tage Gefängniß. Kitzingen. Der Spruch unserer Weisen, nim mit pix fr» zu verbinden, bewährt sich auch hier in vollkommener Weise. Die beiden hiesigen, diesen Zwecken gewidmeten Vereine: „Für jüdische Geschichte und Litteratur" und „zur Pflege für jüdische Lebensanschauung" harmoniren nicht nur auf's Beste, sondern ergänzen sich geradezu gegenseitig. Nachdem vergangenen Mittwoch, 16. d. Mts., der „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" mit einem mit großem Beifall aufgenommenen Dortrage des Herrn A. Grünbaum. Nürnberg über: „Die Kunst bei den alten Hebräern" die Wintersaison beendet hatte, folgte am darauffolgenden Montage der „Verein zur Pflege jüdischer Lebensanschauung" diesem Beispiele. Der letztere, besonders feierliche Schlußakt wurde eingeleitet von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Adler mit einem formvollendeten Vortrage, worauf die Lehrer des Vereines, und zwar die Herren Seminaroberlehrer Dr. M. L. B a m b e r g e r. Würzburg. Lehrer Bombe r g e r. Kitzingen und Lehrer Mannheimer. Dettelbach, nacheinander das Wort ergriffen, um die lauschenden Zuhörer zu ermahnen, das während des Winters Gehörte und Gelernte auch zu beherzigen und zu bethatigen. Herr Vorstand Jacobsohn dankte alsdann mit beredten Worten den bewährten Kräften und Lehrern des Vereins und schloß mit einem: „auf Wiedersehen" im nächsten Herbste die Versammlung. Wir wünschen und hoffen, daß der kleine, aber von wahrer Begeisterung für unsere Religion erfüllte Kreis der Zuhörer sich immer mehr erweitern, wodurch den Vortragenden die beste Anerkennung gezollt wird. Es sprachen wahrend des abgelaufenen Semesters: Herr Dr. Bamberger über den laufenden Wochenabschnitt; Herr Lehrer Bamberger über Bedeutung und Eintheilung von *pn, sowie über das mtrp ax»s Gebot, und Herr Lehrer Mannheimer hielt Fortsetzung in seinen hübschen Erklärungen der nben, sowie der Hagadah, und schließlich sprach in einem Einzelvortrage Herr Hoenigber, Würzburg, über Hiob. .px “pa cp rrnn 'no^n nv' Amerika. Newyork, 18. März. Die älteste Tochter unseres hochverehrten Herrn Rabbiner Dr. Philipp Klein, das hochgebildete Frl. Sara Klein, ist am vergangenen Dienstag, den 16. März, im Alter von 20 Jahren nach kaum 16tägiger Krankheit verschieden. Die a".b fand am 16. März unter der größten Thrilnahme aller Kreise statt. Das Mitgefühl mit dem Schmerze der Eltern und Geschwister ist allgemein, da Herr Dr. Klein schon 15 Jahre hier zur größten Zufriedenheit Aller seines Amtes waltet. Derselbe ist ein Schwiegersohn des Herrn Dir. Mendel Hirsch s. A. in Frankfurt a. M., die Verstorbene war demnach eine Urenkelin von Rabbiner S. R. Hirsch s. A. Möge n'epn sie einführen in ein l:sseres Leben, und möge Er die betrübten Eltern trösten, die weinend am Sarge ihrer Tochter stehen. Th. Krauß. Tprechfaal. M ü n ch e n, 8. Nissan. Sehr geehrter Herr Redakteur! Es liegt mir fern, mich mit dem Correspondenten M. aus Hamburg in Nr. 21 dss. Blattes in eine Polemik einzulassen. Auf sachliche Einwendungen bin ich gerne bereit, an geeigneter Stelle zu erwidern; auf solche Angriffe gebe ich keine Antwort. - Wer meine Broschüre gelesen hat, wird diese Angriffe gebührend zu würdigen wissen. Der Correspondent erwähnt aber — und ich muß annehmen, daß er dabei aus erster Quelle schöpft — eine Reihe von Männern, die den pcv des Herrn Dr. Lerner unterschrieben haben. Diesen Männern bin ich die Erklärung schuldig, daß sie auf Grund einer ungenauen Darstellung des Thatbestandes ihr Urtheil abgegeben haben.. 1) In Dr. Lerner's Darstellung fehlt di? Angabe, daß in der Frage der Exhumirung ein pcv seines Vorgängers b'rn npu'bvvp spp’ "» prva in gegentheiligem Sinne vorliegt. 2) Bei Dr. Lerner wird nicht darauf hinge oiesen, daß bei Ueberbrückung des betreffenden Areals es möglich gewesen wäre, den Gräberplatz im ungeschmälerten Besitze der jüd. Gemeinde zu erhalten, so daß jede Möglichkeit einer Entweihung ausgeschlossen geblieben wäre. 3) In der Frage der Aschenurnenbeifetzung ist nicht hervorgehoben worden, daß bereits im Jahre nw der als talmudische Kapazität anerkannte Kownoer Rabbiner, V» pnto pro «, pxn, sich für die Beisetzung auf dem uropa jki entschieden hat.