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Der Israelit · 1904-03-29 · Heft 25-26 (29.3.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 25-26 (29.3.1904)
Date
1904-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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556 Gottesdienst verstößt gegen das Mische Religionsgesetz, und zwar: 1. In Bezug auf die Heilighaltung des Sabbates und der Feiertage: wir verweisen auf Talmud Babli Traktat Sukkah fol. 51a, woraus hervorgeht, daß Musicieren auch zur Verherrlichung des Gottesdienstes am Sabbat, wie an Feiertagen verboten ist. 2. In Bezug auf das Verbot im 3. Buche Moses, Kap. 18. Vers 3 wbn *6 orvipro'. .Ihr sollt ihre, d. h. der Andersgläubigen, Gebrauche nicht nachahmen." Damit ist die Nachahmung fremder Kulte und aller damit zusammenhängender Einrichtungen untersagt, vergleiche Schulchan Äruch, Jore Deah, Kapitel 278. Ausdrücklich wird von den maßgebenden Gesetzlehrern hervorgehoben (Beth Josef zum Tur. Kap. 278). daß die Entscheidung, was unter Nachahmung „fremder Kulte" zu verstehen sei, jeweilig von Zeit und Umständen abhänge. Nachdem nun das Cbristenthum die Orgel für das der Kirche geweihte Instrument betrachtet, und die Orgel auf einen großen Theil der Juden den Eindruck eines charakteristisch kirchlichen Instrumentes macht, Mt die Einführung derselben beim jüdischen Gottesdienste zweifellos unter den Begriff „Cbukkaus Hagoi". In diesem Sinne haben auch die bedeutendsten Kapazitäten auf dem Gebiete der jüdischen Gesetzeslehre entschieden. C ö l n. den 16. März 1904. Hermann van Cleef, Dr. Ochs. Daniel Marcks. D. Wolffsolm, Siegfried Simon, Jakob Horn, Moritz Levh jr., Moses Gottschalk." München. Unsere Zeit sicht im Zeichen der Statistik. Die statistischen Aufstellungen. Nachweise. Berechnungen und dergleichen sind heutzutage wichtige und beachtenswertste Faktoren in allen Sparten des öffentlichen Lebens. Da nun die Judenfrage momentan fast allerorten eine bedeutsame Rolle im öffentlichen Leben spielt, ja, in ihren Konsequenzen in manchen Ländern die Augen fast der ganzen Welt auf sich lenkt, ist es nur eine logische Folge, daß auch hier die Statistik einsetzen mußte, um objektive und ungetrübte Beurtheilungen zu ermöglichen. Waren doch die zahllosen Publikationen in Betreff der Judenfrage bislang in der Regel insoferne tendenziöser NatM. als sie den Parteistandpunkt pro oder contra vertraten. Es mangelte zuverlässiges und allgemein zugängliches Material zur Beurtheilung der wirthschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Staatsbürger und ihrer diesbezüglichen Beziehungen zur übrigen Bevölkerung. Wohl gab es ja auch seither schon einschlägige, amtliche Zusammenstellungen und Nachweifungen. doch dienten diese in der Hauptsache nur der Statistik in konfessioneller Beziehung. Zur Ergrunhung der Ursachen der eigenthümlichen, ja vielfach exceptionellen Stellung der jüdischen Bevölkerung, namentlich in den östlichen Staaten Europas konnten diese so wenig nutzen, als die verschiedenartigen Versuche und Bemühungen einzelner Personen, in diversen Monographien Material zur Beurtheilung der eigenartigen Lage der Juden herbeizuschaffen. In richtiger Erkenntniß dieser Thatsachen wurden so mit der Zeit größere Institute in's Leben gerufen, welche es sich zur Aufgabe setzten, die Maffenerscheinungen des wirthschaftlichen und kulturellen Lebens der Juden mit Hilfe der Statistik zu ergründen. 1902 wurde in Berlin der „Verein für jüdische Statistik" gegründet, dessen Arbeitsresultate in einem von Alfred Nossig herausgegebenen Jahrbuch niedergelegt sind, welches von der „wissenschaftlichen Statistik" günstig ausgenommen wurde und seiner Zeit auch in diesen Blättern eine Besprechung fand. Aehnliche Ziele verfolgt in England die 1903 in's Leben gerufene „Society for Jewish Statistics". welcher die hervorragendsten englischer Statistiker angehören. Von der Voraussetzung ausgehend, daß die erwähnte Aufgabe nur dann gründlich und erschöpfend durchgeführt werden kann, wenn überall, wo Juden wohnen, sich ähnliche Vereinigungen organisiren, berief auch in München ein vorbereitender Ausschuß auf den 10. März eine Versammlung ein behufs Konstituirung eines „Vereins für die Statistik der Juden". Dieselbe war sehr gut besucht. Als Redner traten besonders die Herren Dr. Cohen und Dr. Georg Halpern auf. welche den Zweck und die Bedeutung des zu gründenden Vereins ringelnder Beleuchtung und Würdigung unterzogen. Herr Rabbiner Dr. Werner betonte, wie ein solcher Verein auch in den Dienst der allbekannten, jüdischen Wohlthätigkeit gestellt werden könne, welche durch die Ergebnisse der statistischen Forschungen eine entsprechende Organisation zu erlangen vermöge und somit auf eine gesunde Basis gestellt werde. Herr Unterstaatssekretär Professor von Mayr, der als Gast lr Versammlung anwohnte, glaubte, die Gründung eines solchen Vereins freudigst begrüßen zu sollen, indem er betonte, wie die Ziffern der amtlichen Statistiken eben erst durch solche Detailgliederungen recht nutzbar gemacht werden könnten, wie sie derartigen statistischen Gesellschaften möglich sei. 8 1 der Vereinsstatuten formulirte daraufhin den Zweck des Vereins dahingehend, daß derselbe die Erfoschung der Massenerscheinungen der Juden, zunächst in Bayern, durch wissenschaftliche Untersuchungen auf statistischer und deskriptiver Grundlage anstrebt; doch sollen auch gegebenen Falles die Verhältnisse der angrenzenden und umgebenden Nachbarstaaten mit hereingezogen werden. Es zeichneten sich sofort ca. 60 Herren in die aufgelegte Mitgliederliste ein. von denen etwa die Hälfte aktive ' Mitarbeit in Aussicht stellten. Herr Dr. Cohen wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, Herr Dr. Halpern zum ersten Schriftführer. Genannte Herren, an welche eventuell Beitrittserklärungen zu richten sind, ertheilea gerne jede gewünschte nähere Auskunft. - . B. I.

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