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Der Israelit · 1904-03-29 · Heft 25-26 (29.3.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 25-26 (29.3.1904)
Date
1904-03-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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555 Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Mainz, 27. März. Heule beging hier im Saale des „Kötherhofes" die Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellschaft durch eine erhebende Feier das Jubiläum zweier Lehrerinnen, die an diesem Tage dem Lehrerkollegium der Schule seit 25 Jahren angehören. Tie Feier wurde eingeleitet durch einen von Herrn Gesanglehrcr H. Schleßinger vorzüglich einstudirten Schülerchor, dem die Deklamation einiger deutscher und französischer Gedichte durch Schülerinnen der Anstalt folgte. Ein flott ausgeführtes Lustspiel zeigte die Vielseitigkeit der Zöglinge der Schule. Hierauf hielt der Leiter der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. B o n d i. eine Rede, in welcher er, von dem Leitsatz der Schule: „Thora im derech erez" ausgehend, die Verdienste der beiden Jubilarinnen schilderte und das segensreiche Wirken der Damen, Fräulein F o e t t i n g e r und Frau L i e p e l t, eingehend würdigte. Im Anschluß hieran dankte Fräulein Foettinger tiefbewegt den zahlreich erschienenen Eltern, Zöglingen und ehemaligen Zöglingen der Schule für das Vertrauen, das ihr während ihrer langen Lehrtätigkeit zu Theil geworden, und ein Sang des Chors beschloß die Feier, die durch die verschiedenartigen Darbietungen bewiesen hatte, in welch' gründlicher und mannigfacher Weise die Schule es versteht, ihre Schüler auszubilden. I. L. Frankfurt a. M. Dem Bericht der hiesigen Israelitischen Religionsschule ist zu entnehmen: Im abgelaufenen Schuljahr wurden 531 Schüler und Schülerinnen unterrichtet. Die Schule hat auch im vergangenen Jahr einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen. Es hat sich gezeigt, daß die von Seiten der hiesigen israelitischen Gemeinde in Angriff gegenomnienen, erfolgreichen Bemühungen, an einer immer größeren Zahl von städtischen Schulen einen geordneten, systematischen Religionsunterricht einzurichten, die Gesammtzahl der die Religionsschule besuchenden Kinder keineswegs verringert hat, und es steht zu hoffen, daß dieser im Gegentheil unserer Anstalt eine immer größere Schaar von Schülern zu führen werde. Ist erst einmal das Interesse an dem Glaubensinhalt des Judenthums, an seiner Sittenlehre, an dem Leben und Leiden des jüdischen Volkes in den jugendlichen Gemüthern geweckt worden, dann kann auch die Erkenntniß auf die Dauer nicht ausbleiben, daß nur eine gründliche Kenntnitz der Gebete und wenigstens einiger Abschnitte der Bibel im Urtext dem allgemeinen Religionsunterricht die beste Grundlage und die sichere Beziehung zum Leben gibt. Coln, 27. März. Die am 16. März hier im Sihungssaale der Synagoge Roonstraße abgehaltene Reprasentanten-Versammlung berieth über den einzigen Punkt der Tagesordnung: Berathung und Beschlußfassung über den Antrag der Herren F. Drucker, Jac. Gottschalk, Emil Blumenau, Dr. Sternberg, Bernh. Goldschmidt, I. Lichtenstein, Carl Brünell, Albert Bier, Leonh. Tietz und David Cohen vom 6. März d. I., lautend: „Die Repräsentanten-Versammlung wolle beschließen, daß in der Synagoge in der Roonstraße zu Köln zur Verschönerung und Hebung des Gottesdienstes eine Orgel eingeführt, und daß dem Vorstande zur Beschaffung der Orgel, zur Salärirung der dadurch notwendigen Beamten, sowie zur Bestreitung aller anderen, durch die Einführung der Orgel nothwendig werdenden Kosten, die erforderlichen Mittel bewilligt werden." Gleich nach Eröffnung der Sitzung durch den Vorsteher der Repräsentanten-Versammlung, Herrn S. Bielefeld, und nachdem die Verlesung des Protokolles durch Herrn Gemeinde-Sekretär Stern folgte, erhob sich Herr Rabbiner Dr. Rosenthal zu folgender Erklärung: „Ich bekenne mich zu denjenigen geistlichen Vertretern des Judenthums, welchen der Gebrauch der Orgel bei unserem Gottesdienst mit dem jüdischen Religionsgesetz unvereinbar erscheint, und ich kann deßhalb die beantragte Einführung der Orgel in der neuen Synagoge dahier nicht gutheißen." Die hierauf folgende Erklärung des Herrn Rabb. Dr. Frank lautete: „Auf Grund eingehender Prüfung der talmudischen, rabbinischen und halachischen Quellen und auf Grund eigner religiöser Ueberzeugung erkläre ich mit gutem Wissen und Gewissen: 1. Gegen die Einführung der Orgel beim synagogalen Gottesdienst liegen keine religiösen Bedenken vor. 2. Der Gebrauch der Orgel beim synagogalm Gottesdienst an den Sabbaten und Festtagen ist ohne jedes Bedenken gestattet, wenn ein Nicht-Israelit die Orgel spielt und derselbe vor Beginn der Sabbate und Festtage den Auftrag, sie zu spielen, erhalten hat." Nach zweistündiger lebhafter Debatte wurde obiger Antrag bei namentlicher Abstimmung mit 10 Stimmen der liberalen gegen 5 der konservativen Repräsentanten angenommen. Hierauf erbat Herr Herm. van Cleef das Wort und gab folgende Erklärung zu Protokoll: „Auf Grund des § 83 des Statuts der Synagogen-Gemeinde Cöln erheben die Unterzeichneten Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanten-Versammlung hiermit Protest gegen den soeben gefaßten Beschluß, betr. Einführung einer Orgel für den Gottesdienst in der Synagoge Roonstraße aus folgendem Grunde: Der Gebrauch einer Orgel beim jüdischen

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