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Der Israelit · 1904-03-24 · Heft 24 (24.3.1904) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 24 (24.3.1904)
Date
1904-03-24
Page
– (sequence 27)
Language
German
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547 ote ich m dein»» Mund gelegter sollen nicht weichen aus deinem Munde, aus dem Munde deiner Nachkommen und aus dem Munde der Nachkommen deiner Nachkommen (spricht der Ewige) von nun an bis in Ewigkeit.- Dieses, sozusagen programmatische Schlußwort, gibt gleichzeitig eine kleine Stilprobe des ganzen Werkes. Jüdische Geschichte und besonders jüdische Kulturgeschichte ist auch gleichzeitig Geschichte der jüdischen Litteratur. Spiegelt sich doch in den Geistesschätzen des Schristthums des jüdischen Volkes gleichsam dessen äußerer Lebensgang in seinen wechselvollen Geschicken. Namentlich die synagogale Poesie ist ein solcher Spiegel der Geschichte. Ein wirklich entsprechender Unterricht in jüdischer Geschichte wird diesen Zusammenhang wohl beachten und ein empfehlenswerthes Hand- und Lehrbuch muß diesem Umstande Rechnung tragen. Auch hier ist die Löwenstein'sche „Geschichte der Juden" ein pädagogisches Meisterwerk. Besonders hervorgehobcn sei, daß hin und wieder Proben aus den Meisterwerken jüdischer Dichter in formvollendeter, metrischer Wiedergabe in deutscher Sprache eingestreut sind. (GaLirol, Halevy u. a.) Solche Auszüge wirken instruktiver, als die längsten Besprechungen, regen aber auch den strebsamen Leser an. die Originale kennen zu lernen und die moderne Pädagogik sucht ja ihre Haupterfolge in der Weckung lebendigen Interesses, also in wirksamer Anregung für weitere Selbstthätigkeit. für weiteres Streben. Sollen solch kräftige Anregungen gegeben werden, so muß die gesammte Darstellungsweise eine lebenswarme. begeisterte und begeisternde sein. Es müssen die Gestalten gleichsam plastisch hervortreten, wir müssen mit ihnen fühlen, empfinden, erleben, sie müssen vor unseren Augen leben und wirken. Dr. Löwenstein hat es verstanden, in dieser Hinsicht den rechten Ton anzuschlagen. So einfach und ungekünstelt die ganze Sprache des Buches ist, so kurz und bündig die Darstellungsweise, so lebenswarm und erwärmend ist das ganze.Buch geschrieben. Auch hier ließen sich die zahlreichsten Belege aus dem Werke erbringen. Es möge nur ein Kapitel angeführt werden, das den Schreiber dieser Zeilen besonders ergriff und auf diesen unschätzbaren Vorzug des Buches aufmerksam machte (es sei bemerkt, daß andere Partien nicht minder schön und anziehend sind), die Kapitel über die Tossafisten. und hiervon besonders die Abhandlungen S. 424. R. Isaak b. Samuel (gewöhnlich genannt), dann die Angaben über Sens- und Tuch- Tossafot u. a. War es mir doch beim Lesen dieser Ausführungen, els säße ich wieder, ein vicrzehn'ähriger Knabe, zu den Füßen meines unvergeßlichen Lehrers. Rabb. Hirsch s. A., Durgpreppach, der mich zuerst in das Nerstandniß der Toffasot einfiihrte, als hört; ich die liebe, vertraute und doch so energische Stimme ivrr m „sagt der Ri/ wie es so oft von feinen Lippen gcklgrrgen. ja, waren mir doch fast alle jene Toff*f»tfiellen momnitan so gegenwärtig, als hatte ich die -rv» ma vor mir liegen, obwohl dieselbe schon seit zwei Jahren in den Händen eines jungen Kollegen sich Befindet. der s-e von mir sich ausgeliehen, aber vis jetzt die Rückgabe veraessen hat. Die Lektüre ließ mich auf ein Vierte'siünkcken in Träumerei und Nückerinnerung versinken, aber ich schätze dies verträumte Viertelstündchen unendlich hoch, sehr hoch darum auch das Buch, dem ich die Veranlassung dazu verdanke. Aus dem eben Betonten ergibt sich ein weiterer, hoch anzuschlagender Vorzug des neuen Buche-, der es zu einem Schulbuch nach den strengsten Anforderungen der modernen Pädagogik gestaltet — die vorzugsweise biographische Darstellung, also Geschichte in Form von Geschichtsbildern. Mit dem geschichtlichen Unterrichtsfach ist im Laufe der Zeit und gemäß den moderne» pädagogischen Ideen ein wesentlicher Wandel vor sich gegangen und die jüdische Geschichte als Schulfach konnte von dieser Wandlung im Unterrichte der Profangeschichte nur gewinnen. Die alte Schule sah ihr Hauptziel in der „Kriegsgeschichte", in Jahreszahlen und vielen Namen und fah in den geschichtlichen Personen nur Staffagen der Ereignisse. Die moderne Schule arbeitet und urtheilt fast umgekehrt und verlangt demgemäß biographische Darstellung. Nachweis der Beweggründe zu den diversen Ereignissen aus dem Wesen und Charakter der Hauptpersonen, denn große, menschliche Geister ..machen" eben „Geschichte" und drücken ihrer Zeit den Stempel auf und so ergeben sich abgerundete Geschichtsbilder. Diese Grundsätze für den allgemeinen Geschichtsunterricht sind in dem neuen Geschichtswerke von Dr. Löwenstein glücklich angewandt und verwerthet, es enthält treffliche biographische Lebensbilder, fast jedes ein abgerundetes Ganzes für sich und doch alle in innigem Zusammenhang stehend. Dadurch konnte und mußte ein unnützer und fast werthloser Ballast von zahllosen Namen und Daten in Wegfall kommen, die Durchsichtigkeit, Uebersichtlichkeit und Klarheit mußte gewinnen und gerade deßhalb erscheint das Buch auch so besonders geeignet für die Hand des Schülers, als Nachschlagebuch wie zum Selbststudium, zur Vorbereitung für den Unterricht. wie als Privatlektüre. Das jüdische Volksthum ist, wie sich aus seinem wechselvollen Geschicke folgern läßt, reich an gemüthStiefen Sagen und Legenden und namentlich einzelne hervorragende Geistesheroen des Alterthums wie des Mittelalters, ja teilweise der neueren Zeit, sind yon einem wahren Sagenkranze umwoben. Durch diese Sagen, dann aber auch vielfach durch die. von den Weisen ertheilten Belehrungen in Form der Fabel» und Parabeln oder auch Gleichnißreden, ist oft nur dar Andenken unserer großen Ahnen im Volke lebendig geblieben. Gar mancher kennt von dieser oder jener *

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