Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1904)
- Date
- 1904-03-24
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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646 stets und überall das orthodoxe Prinzip streng gewahrt und so gewissermaßen wissenschaftlich dargethan und «härtet ist. Nach dieser Seite hin dürfte das neue Werk als einzig in seiner Eigenart zu bezeichnen und darum umso warmer zur Anschaffung zu empfehlen sei». Unsere heutige Zeit stellt an eine Familienlektüre, an ein »Hausbuchs gar mancherlei Ansprüche. Es soll inhaltsreich und doch nicht ermüdend fein, es soll eine einfache, leicht verständliche Sprache reden, ohne in einen trivialen Ton zu verfallen, es soll neben der Unterhaltung auch belehren, ohne seitenlange Moralpredigten u. s. f. Das Löwenstein'sche Geschichtswerk erfüllt auch hier, was man nur verlangen kann. Der Stoff der jüdischen Geschichte ist ja an fich schon ein dankbares Feld zur Bearbeitung, Dr. Löwenstein aber hat sich hier als ein Meister dieser Bearbeitung gezeigt. DaS Buch ist so klar und einfach geschrieben, so übersichtlich dargestellt, so fesselnd und begeisternd, so lebenswahr und überzeugend, daß man eS nur ungern wieder auS der Hand legt, daß jeder im Hause es gerne lesen, seine Mußestunden damit ausfüllen wird. Die genannten Vorzüge tragen aber auch bei, die „jüdische Geschichte* von Dr. Löwenstein zu einem sehr brauchbaren Hilfsmittel für Schule und Unterricht, zu einem Schulbuche ersten Ranges zu machen und nach dieser Richtung möge eine etwas eingehendere Besprechung hier gestattet sein. Der Zweck und das Ziel des Unterrichtes in jüdischer Geschichte liegen in hauptsächlich drei Beziehungen, die demgemäß demselben seine entsprechende Gestaltung geben: die jüdische Geschichte ist zunächst, wie die Geschichte eines jeden anderen Volkes, rein historisch, sie ist aber auch zugleich jüdische Kulturgeschichte, und als solche wesentlich auch Religionsgeschichte. Ein Lehrbuch für jüdische Geschichte hat, wenn es vom pädagogischen Standpunkte aus als gut und brauchbar bezeichnet werden soll, diesen dreifachen Anforderungen zu entsprechen: in historischer Beziehung muß es wissenschaftlich wahr sein, es mutz aber auch den kulturhistorischen Entwicklungsgang des Volkes erweisen, und namentlich den Kausalzusammenhang zwischen historischer und kultureller Entwicklung erkennen lassen, und eS wird endlich bei dem jüdischen Volke zu zeigen haben, wir im Grunde genommen jüdische Kulturgeschichte nur eben jüdische Religionsgeschichte sein kann. Bezüglich deS ersten Punktes ist schon Eingangs gehandelt worden. Wie sehr aber die Kulturgeschichte berücksichtigt ist, wie weit daS Buch davon entfernt ist, eia dürreS Gerippe von Namen und Zahlen zu sein, wie sehr eS dem einzig richtigen Grundsätze huldigt, daß die. jüdische Geschichte hauptsächlich das stete Mühen deS jüdischen Geisteslebens trotz der vielfachen Misere dr3 physischm LebenS darthun soll, daS sei an KaMeM-rsHrifiM Steigt, die auf'S Geradewohl ans vielen anderen herausgegriffen sind: S. 6: „Die große Versammlung*, S. 8: „Die ersten Tanaim, Synhedrium*, S. 18: „Synhedrialpaare*, S. 30: „Entstehung des Christenthums*. S. 34: „FlaviuS Josephus*, S. 37: „Die späteren Tanaim*, S. 68: „Die Juden im römischen Reich*, S. 79: „Die vier gefangenen Rabbinen*. S. 89: „R. Gerschom b. Jehuda*, S. 110: „Die Gelehrten in Frankreich*, S. 119: „Der Kampf um die Schriften des Maimonides*. S. 122: „Die Kabbala*, S. 134: Talmudforschung und Philosophie*, S. 178: „Jüdische Sprachforscher und Humanisten*. S. 205: „Mendelssohn und seine Schule*. S. 211 „Bedeutende Talmudisten*, S. 220: „Emanzipationsbestrebungen*. S. 226: „Reformbestrebungen", S. 230: „Wissenschaftliche Bestrebungen*, S. 237: „Das gesetzestreue Judenthum*. Wie aber die Kultur eines Volkes nicht zum wenigsten durch seine religiösen Anschauungen bedingt ist, so muß eine Geschichte des jüdischen Volkes, bei dem doch die Religion, der Glaube das ganze Leben durchdringt, erfüllt und regelt eo ipso eine Religionsgeschichte sein und kann als solche, wenn anders sie unbefangen, objektiv urtheilt, stch kaum vom rechtgläubigen Standpunkte entfernen. oder sie wird eben tendenziös. Daß ein Geschichtswerk von Dr. Löwenstein auch religionsgeschichtlich stets und immer nur den streng rechtgläubigen Standpunkt wahrt, ist selbstverständlich. Des Verfassers Schlußwort möge hier als Beleg Platz finden: „Das Recht der Minderheit, welches das gesetzestreue Judenthum für sich beansprucht, ist siegreich zum Durchbruch gekommen, denn es beruht auf geschichtlicher Grundlage. Ist ja doch auch Israel ein Volk nur klein und gering an Zahl gewesen und doch wurde es auserwählt, Träger und Verbreiter des Göttesgedankens und der Gotteslehre zu werden. Als solchen hat es sich zu allen Zeiten treu bewährt, ob es auf den Höhen menschlichen Glückes oder in den Niederungen menschlichen Geschickes gewandelt ist. Als solchen soll es sich auch in aller Zukunft bewähren. Aus der Betrachtung der leuchtenden Vorbilder seiner ruhmreichen Vergangenheit und aus dem Hinblick auf die großen sittlichen und religiösen Aufgaben, die es im Verein mit den gesitteten Völkern der Erde zu lösen berufen ist, soll Israel Muth und Kraft gewinnen, um unerschütterliche Treue dem erhabenen, religiösen Erbe seiner Väter zu bewahren, alles Gute und Edle zum Wohle seiner Menschenbrüder zu fördern und an der steten Vervollkommnung der Kultur theilnehmend zu wirken. Darum soll die heilige Gotteslehre stets der Mittelpunkt unseres Lebens und unseres Wirkens bleiben. getreu dem Aussprüche deS Propheten: m »» 'nw nra. m-n "pto •m wi ä tdk om vra mvo 7i "L8 *pnT m w« ■pm 'ca feo wa> nb sbv *vn „Dies ist mein Bund mit ihnen,* spricht der Hwige, mein Gsist, d«r auf di, ruht, und meine Worte.