Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1904)
- Date
- 1904-03-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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526 Mathematiker CH. w. Slsminski, dessen wissenschaft- ' ^^utscher Sprache abgefaßte Arbeiten sich der Anerkennung eines Wilhelm von Humboldt erfreuten. redigirt wurde. Erst in den Händen des Herrn N. Sokolow hat sich die „Hazefirah" zu einer großen unter den Juden des In- und Auslandes weitverbreiteten Tageszeitung gestaltet. Durch diese in allen Theilen gediegene Zeitung hat Sokolow die hebräische Sprache zu neuem Leben geweckt und ihr eine große Anzahl von freunden und Gönnern geworben. Vor allem waren es sein glänzender Stil und die klare Ausdrucksweise in. seinen Artikeln, die ihm ein zahlreiches Lesepublikum verschafften, denn er ist nicht nur einer der bedeutendsten, sondern der beste Hebraist der Jetztzeit, der das Hebräische mit einer bis zur Zeit unübertroffenen Virtuosität schreibt. Dabei ist nicht zu vergessen, daß politische Leitartikel in der wenig kultivirten altsemitischen Sprache zu schreiben, keine leichte Arbeit ist. Seine politischen wie feuilletonistischen Artikel brauchen den Vergleich mit denjenigen in den modernsten Zeitungen nicht zu scheuen. Während seiner 25-jährigen schriftstellerischen Thätigkeit hat sich seine Geistesarbeit auf fast sämmtliche Gebiete der Journalistik erstreckt. Er schrieb politische Leitartikel, Feuilletons, Essays. Kritiken, nebenbei Romane, Erzählungen und wissenschaftliche Werke. Er verfaßte einen „Leitfaden der Geographie" in hebräischer Sprache, ein „Lehrbuch zur Erlernung der englischen Sprache", er übersetzte ins Hebräische Zolas letzten Roman „Die Wahrheit". Theodor Herzls „Altneuland" und ist seit mehr denn zehn Jahren mit einer hebräischen Uebersetzung des Goethe'schen „Faust" beschäftigt. Sein jüngstes und größtes Unternehmen bildet die bereits in Angriff genommene Herausgabe einer Allgemeinen Enzyklopädie in hebräischer Sprache nach Muster von Brockhaus und Meyer. Seine Freunde haben ihm zu Ehren eine Festschrift herausgegeben, für die die bedeutendsten hebräischen Schriftsteller Beiträge lieferten. England. London, 9. Febr. (Das Radium und die Schöpfungsgeschichte.) Im Jahre 1834 erschien eine kleine, setzt begreiflicher- und auch wohl verdienterweise fast vergessene Schrift, in der sich folgende Stelle rindet: „Moses sagt, daß das Licht am ersten Tag geschaffen wurde, die Sonne u. der Mond aber erst am'dritten Tag. Da wir jetzt kein anderes Licht haben, als das der Himmelskörper, so müssen wir daraus . schließen, daß das Licht des ersten Schöpfungstages ein von dem der Sonne verschiedenes Wesen besaß. Während der - ursprünglichen Bildung unseres Planeten mühte dieser also ein seiner Masse innewohnendes Licht gehabt haben, das vielleicht dem geglichen hat, das die Kometen in einer entsprechenden Phase ihrer Entstehung begleitet." Diese vor 70 Jahren niedergeschriebenen Satze sind merkwürdig genug, aber noch sonderbarer klingt ihr Pendant aus dem Jahre 1904. Heute schreibt nämlich ein frommer Mitarbeiter der in London erscheinenden „Saturday Review": „Aus unserer heutigen Kenntniß von den Eigenschaften des Radiums, dieses mit Körperstrahlen begabten Stoffes, und anderer atomisch (?) strahlender Sonnen, erlaube ich mir den Schluß zu ziehen, daß ein Ring in die Beweiskette eingefügt worden ist, die eine Urbereinstimmung mit dem ersten Kapitel der Genesis und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung vermittelt." Mit anderen Worten also: Das Licht des ersten Schöpfungstages ist nichts anderes gewesen, als Radiumlicht, und die Schöpfungsgeschichte ist vor dem bisher nur mangelhaft erklärten Widerspruch, der in einer besonderen Erschaffung des Wcltlichtes und der Himmelskörper gefunden werden konnte, gerettet. (Wir bedürfen des Radiums nicht, um die Göttlichkeit unserer heiligen Thora zu beweisen. Red.) F e u t I l c i o tt. Wahrheit und Dichtung. Bon Friedrich Rott. m Recht von Herzen froh war er. als er nach einigen Wochen mit gutem Gewissen die Kur für beendet erklären konnte. Tags darauf erhielt er ein geradezu fürstliches Honorar, begleitet von einem in den schmeichelhaftesten Ausdrücken abgefaßtes Anerkennungsschreiben des Grafen, der ihn ersuchte, fortan allwöchentlich wenigstens einmal sein Haus zu besuchen, um den immer etwas schwankenden Gesundheitszustand der Gräfin zu überwachen. Dem Arzt war diese Aufforderung keineswegs willkommen, doch er durfte nicht ablehnen, einmal wöchentlich mußte er sich's nolens volens gefallen lassen. Immer war es ihm auch nicht unangenehm, im Gegentheil, allmählich, ganz allmählich gewann die Unterhaltung der Gräfin mehr und mehr an Reiz für ihn, denn sie war eine zwar etwas exzentrische aber überaus geistvolle Dame, und seit sie bemerkt hatte, daß ihre ernste Unterhaltung ihn weit mehr fesselte, als alle Andeutungen ihrer Neigung, ließ sie diese ganz bei Seite. Zuweilen war auch der Graf anwesend und betheiligte sich lebhaft an der Unterhaltung. Dieser machte schließlich den Vorschlag, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, statt im Laufe des Tages seine ärztliche Visite zu machen, möge Keßler an einem bestimmten Abend in der Woche ihr Gast sein. Der junge Arzt nahm die Einladung freudig an und auch die Gräfin nickte dem Gemahl dankend zu.