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Der Israelit · 1904-03-24 · Heft 24 (24.3.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 24 (24.3.1904)
Date
1904-03-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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525 Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange zum Segen der Stadt und der Gemeinde zu wirken. M. Abramowitz. München, 22. Marz. Am verflossenen Donnerstag m wurde unser Mitbürger Herr Julius Hesselberger. Kommerzienrath und Lederfabrikant, zur letzten Ruhe bestattet. Außer den zahlreichen Israeliten waren sämmtliche Angestellte und Arbeiter in Feiertagskleidern anwesend. Herr Oberrabbiner Dr. Werner schilderte mit beredten Worten den Heimgegangenen als liebevollen, treuen Gatten und Familienvater, unermüdlichen, streng rechtlichen Kaufmann, der stets für das Wohl seiner Angestellten und Arbeiter bedacht war. Er rühmte seine stets offene Hand für Arme und Bedürftige. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 57 Jahren. — Im Herbst dieses Jahres wird in der Nähe des neuen nördlichen Friedhofes in Schweting ein neuer Friedhof errichtet. Die Ilmfassungmauern, durch die Stadt ausgeführt, kosten 53,000 Mark, welche Summe die jüdische Gemeinde wieder zurückzahlen muß. Dagegen läßt die Stadt auf eigene Kosten Wege Herstellen, welche ca. 15.000 Mk. kosten. Es wird dann eben doch im jetzigen jüdischen Friedhofe ein Hausmeister nothwendig bleiben, wegen der Besuche an Jahrzeiten. Holland. Amsterdam. (Das holländische Gesetz über die Sonntagsruhe.) In Holland wird jetzt eine allgemeine Gesetzesreviston vorgenommen. An Stelle veralteter Gesetzesbestimmungen sollen neue, moderne treten. Diese Revision wird im allgemeinen durch einen liberalen Zug gekennzeichnet, wie er viel leicht in den Gesetzen keines anderen Staates vorhanden ist. .Unter anderem wurde auch das GeseZ über die Sonntagsruhe — modernisirt. Die diesbezüglichen Gesetzesparagraphen lauten:. „Der allgemeine Ruhetag ist der Sonntag." Artikel 361: „In Fabriken und Ateliers hat die Arbeit am Sonntag unbedingt zu ruhen." Art. 362 fügt jedoch hinzu: „Solche Arbeiter, welche im Sinne ihrer Religion einen anderen Ruhetag als den Sonntag haben und an demselben von der Arbeit ruhen, dürfen am Sonntag arbeiten." In Holland herrscht jetzt ein klerikales Regime und es hat glänzend bewiesen, daß der gesunde, aufrichtige Klerikalismus mit der Verfolgung anderer Religionen nichts zu thun hat. Rumänien. Bukarest, im März. (Rumänische Parlamentsskandale.) Vor einigen Tagen ließ der Kammerpräsident Ferekyde die Majoritätenk des Parlaments zu einer vertraulichen Sitzung einberufen, um ihnen folgende Mittheilungen zu machen: Ter Ministerpräsident Dem. Sturdza hatte ein anonymes Schreiben erhalten, welches besagt, daß anläßlich der Abstimmungen über die Jndigenate (die Zuerkennung des rumänischen Staatsbürgerrechts an Fremde) Bestechungen und Mißbräuche vorgekommen seien, so zwar, daß zwei Deputirte, deren Namen genannt werden. in einem bestimmten Falle, wo es sich um das Jndigenat eines Lizentiaten der Rechte handelte, Geld genommen hätten. Die Mittheilungen des Kammerpräsidenten machten einen geradezu verblüffenden Eindruck. Einer anonymen Anzeige, welche ja von jedem beliebigen Verleumder und Lügner herrühren kann, durfte doch nicht solche Bedeutung beigelegt werden, um den ganzen parlamentarichen Apparat in Bewegung zu bringen unb die Anhänger der Regierung in solch feierlicher Weise in Kenntniß zu setzen. Es handelte sich also offenbar um wirkliche Thalfachen. und die an diesen Vorfall sich knüpfende parlamentarische und publizistische Diskussion hat einigermaßen Licht in die Sache gebracht. Es unterliegt kaum mehr einem Zweifel, daß das heutige rumänische Parlament Mitglieder zählt, welche mit ihrem Mandate Handel treiben und sich ihren Einfluß in den Kammern und bei der Regierung mit Geld bezahlen lassen. „In den Wandelgängen der Kammer wimmelt es von Maklern," klagte ein Deputirter. „und diese Makler vermitteln für Geld und gute Worte nächst zahlreichen anderen uneingestehbaren Geschäften auch die Durchdringung von Jndigenaten, welche sonst den größten Schwierigkeiten begegnen. insbesondere wenn es sich um jüdische Bewerber handelt." Vor der Hand hat die vielbesprochene Angelegenheit die Wirkung gehabt, daß das Parlament überhaupt keine jüdischen Jndigenate mehr votirt. Der Schaden, der hieraus erwächst, ist freilich ein sehr geringer, da im Laufe einer Parlamentsseffion höchstens zehn bis zwölf Juden das Bürgerrecht erhalten, sodaß diese Naturalisirungen an der Gesammtlage der Juden nicht das Geringste ändern und höchstens dazu angethan sind, der Welt Sand in die Augen zu streuen und sie über die systematische Vergewaltigung der eingeborenen rumäni« scheu Juden hinwegzutäuschen. Rußland. Warschau, 22. März. Der Chefredakteur der hier erscheinenden hebräischen Tageszeitung „Hazefirah", Herr N. S o k o l o w. feierte am Sonntag. 20. d. M.. das Jubiläum seiner W-jährigen schriftstellerischen Thätigkeit. Herr Sokolow, einer der bedeutendsten und einflußreichsten Persönlichkeiten unter den russischen Juden, ist der eigentliche Begründer und Förderer der hebräischen Journalistik. Die „Hazefirah" war ursprünglich ein Wochenblatt, das in Berlin erschien und von dem bekannten Astronomen und

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