Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1904)
- Date
- 1904-03-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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524 rath, ein Rechtsanwalt, ein Domänenpächter und ein Oberamtmann befanden? Sind alle diese hochachtbaren Personen für das Verhalten eines entarteten Familienmitgliedes verantwortlich zu machen? Es wäre lächerlich, so etwas behaupten zu wollen. Die „Kreuzztg." aber hat die Stirn, das Verhalten einzelner jüdischer Sozialdemokraten und russischer Revolutionäre dem ganzen Judenthum aufhalsen zu wollen. Es genügt, dieses Verhalten zu kennzeichnen; denn es richtet sich von selbst. Frankfurt a. M. Nach dem Jahresbericht der Realschule der Jsr. Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. wurde die Schule von 235, die Vorschule von 124 Schülern und die höhere Mädchenschule von 253 Schülerinnen besucht. An Geschenken gingen ein für die Wittwen- und Waisenkasse Mk. 3510.25, für den Pensionsfonds Mk. 3293, für die Talmud-Thora- Kasse Mk. 4604.39, für den unangreifbaren Schulfonds (Freihcr Wilh. Carl von Rothschild'scher Schulfonds) Mk. 6885, . für die laufende Schulkasie 3491.25 Mark, für die Schulgelder-Kasse für unbemittelte Kinder Mk. 935.65, für die Schreibmaterialien-Kasse Mk. 250, für die Zuschuß-Kasse Mk. 295, für die Selig und Clementine Goldschmidt'sche Stiftung Mark 2925, für die Samson Raphael Hirsch'sche Jubiläums- Siistung Ml. 3076.50, für die Hachnossaß-Kallo- Stiftung Mk. 940, und für die Preisvertheilungs- Kasse Mk. 100. Insterburg, 19. März. Der hiesige Herr Kreisrabbiner Dr. Beer m a n n gründete im vorigen Herbst einen religiösen Fortbildungskurs für jüdische junge Leute. Zu diesem Zweck wurde vom kgl. Provinzial-Schulkollegium in dankenswerthcr Bereitwilligkeit ein Klassenzimmer des kgl. Gymnasiums zur Verfügung gestellt. Wie in den schon seit Jahren bestehenden Lehrvorträgen für die der Schule entwachsene weibliche Jugend hat auch auf die jungen Männer die neue Einrichtung segensreich gewirkt. Bei Semesterschluß nahm Herr I. Rosenberg Gelegenheit, dem weit über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus verehrten Rabbiner für sein selbstloses, unermüdliches Wirken herzlichst zu danken. I. Rosenberg, Insterburg. Königsberg. Der «Verein jüdischer Lehrer zu Königsberg i. P." hielt am 15. März c. seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende. Herr Rabb. Dr. V ö g e l st e i n. erstattete den Jahresbericht. Herr Lehrer Sandler gab für den behinderten Kassirer den Kassenbericht. Die folgende Wahl des Vorstandes ergab Wiederwahl des Herrn Rabb. Dr. Vogelstein zpm Vorsitzenden, Waisenhaus-Inspektor P e r i tz zum stellv. Vorsitzenden und Schriftführer, und Cantor C o h n zum Kassirer. Nach Erledigung einiger weiterer geschäftlichen Angelegenheiten, hielt Herr Waisenhaus-Inspektor Peritz ein Referat über: .Die religionswiffenschaftlichen Ideen in Herm. Cohens beide» letzten Religionsschriften." (.Kritik der Lazarus'schen Ethik und die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Rcligionsphilosophie u. s. w.") Der Referent gab aus Herm. Cohens Schriften, Ausführungen zu folgenden Fragen bezw. Themen: 1. Vom Wesen der jüdischen Religion. Welches ist es und wie findet man es? Worauf beruht die Fortentwickelung und der Fortbestand des Judenthums? (Wodurch sichert man der jüd. Religion ihre Bedeutung als Kultur- und Weltreligion?) Die Nothwendigkeit einer dogmatischen Behandlung der jüd. Religion. 2. Die Bedeutung der Gottesidee in der Religion. Der Inhalt der jüd. Gottesidee. Was sie im Gegensätze zu andern Religionen ausfchließt. Die Bedeutung der Transcendenz Gottes für die Immanenz der menschlichen Sittlichkeit. Die Einheit im Judenthume. 3. Der Grundgedanke des Judenthums. Unser Gott, der Gott der Weltgeschichte. 4. Die Einheit des Glaubens und der Sittlichkeit im Judenthume. Das nähere Verhältniß beider im Judenthume. Gott und Sittlichkeit bezw. das Sittengesetz. Das Ceremonielle im Judenthume, seine sittliche Werthung und religiöse Bedeutung. 5. Das Verhältniß der Religion für die Philosophie. Gibt es eine Ethik des Judenthums? Die Bedeutung der Philosophie für die Religion. Das Verhältniß der wissenschaftlichen Ethik zur Idee Gottes. Das Problem: Die Continuität der sittlichen Prinzipien in der geschichtlichen Entwicklung der Religion des Judenthums. Die Idee des Rechts gegenüber dem Prinzip der Liebe in der Religion. Der lebendige Zusammenhang der jüdischen Gottesidee mit der reinen, wissenschaftlichen Ethik. Tie vom Referenten gebotene Auslese wurde in der folgenden Diskussion von den Mitgliedern für ihre Belehrung reichlich ausgeniitzt. Ostrowo, 17. März. Große Ehrungen wurden am 16. dss. Mts. dem ersten Vorsitzenden der hiesigen Synagogen-Gemeinde und Stadtverordneten Herrn M. R.o t h st e i n . bei Gelegenheit seines 70. Geburtstags zu Theil. Die jüdische Gemeinde war vertreten durch ihre beiden Körperschaften des Vorstandes und der Repräsentanten, mit dem Herrn Rabbiner Dr. Freund an der Spitze, sämmtlichen Spitzen der hiesigen jüdischen Institutionen, die Stadt durch den Bürgermeister und eine Abordnung von Stadtvätern und Stadtverordneten. Sämmtliche Führer genannter Behörden und Institutionen würdigten die großen Verdienste des Jubilars für Gemeinde und Stadt, und überreichten ihm in Anerkennung derselben werthvolle Geschenke und eine kunstvoll ausgestattete Adresse. Es verdient noch hervorgehoben zu werden, daß auch aktive Funktionen, wie das Borlesen in der Thora und das Vorbeten zu den Verdiensten des Jubilars zählen, worin derselbe Vorzügliches leistet.