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Der Israelit · 1904-03-24 · Heft 24 (24.3.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 24 (24.3.1904)
Date
1904-03-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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622 Abfall zu holen. Daß man dabei der Geschichte Gewalt anthun, verschiedene Thatsachen verschweigen und wieder andere Fakta verdrehen mußte, daß man nicht' objektiv bleiben konnte, ist selbstverständlich. Und es ist ein unsterbliches Verdienst Samson Raphael Hirsch's. daß er als Erster seine gewaltige Stimme erhob zu einer Zeit, in der man dieses falsche Spiel begann, daß er mit der ihm eigenen Gründlichkeit die Triebfedern, von denen die Grätz's und Frankl's geleitet waren, aufdeckte und gleichsam ein litterarisches Statarium errichtete. Die Leute waren entlarvt, aber noch nicht gerichtet. Da kam Halevy mit seinem großen Werke der Doroth Horischonim und wies nach, daß die Großmeister der jüdischen Geschichtswissenschaft keinen Anspruch darauf erheben können, ernst genommen zu werden, daß sie nicht das sind, wofür man sie selbst nach den Kritiken Hirsch's s. A. zu halten geneigt war, daß sie keine Gelehrten sind. Hat Hirsch nachgewiesen, daß sie keine Inden in unserem Sinne sind, so hat Halevy. was ja allerdings auch Hirsch bis zu einem gewissen Grade dargethan hat. endgültig bewiesen, daß sie auch keine Gelehrte sind. Er hat bewiesen, daß sie sich in ihren Forschungen auf unbewiesene Hypothesen stützen, daß sie mit willkürlichen Konjekturen arbeiten, daß sie die Quellen der jüdischen Geschichte zum Theil nicht kannten und zu einem anderen Theil nicht verstanden haben. Es ist das große Verdienst Halevy's, daß er es unternommen, was kein Einziger vor ihm gethan hat, die Halachah für die Geschichtswissenschaft fruchtbar zu machen. tfn» rre^i -ipr, bu Man kann über die Gänge unserer Geschichte nirgends besseren Aufschluß finden rvoSn vfr* als bei der Halachah. Um nun die Arbeiten Halevy's einem größeren Kreise zugänglich zu machen, wurde vor zwei Jahren die jüdisch-litterarische Gesellschaft zu Frankfurt a. M. gearündet. Die Gesellschaft verfolgt den Aweck. jüdische Wissenschaft zu fördern. Als ein Mittel zur Lösung dieser Aufgabe muß auch das Jahrbuch*) betrachtet werden, mit dem die Gesellschaft an die Oeffentlichkeit getreten ist. Das Jahrbuch enthält Arbeiten aus allen Gebieten der jüdichen Wissenschaft, doch sind die historischen Arbeiten diejenigen, die uns vor allen Dingen interestiren. Die erste dieser Arbeiten ist von Dr. 7 Kottek-Homburg: Der Kaiser Diokletian in Palästina. ' Im Talmud Jerusckalmi Terumot Perek 8 wird uns . erzählt, daß der Kaiser Diokletian den Patriarchen Rabbi Jebudah zu sich nach Pancas bestellte. Run fragt es sich, welcher R. Jehudah war es und in welche — Jahre fällt sein Leben? Es gab nämlich 4 Patriarchen namens Rabbi Jehudah: Rabbi Jebudah der Redakteur der Mischnah: R. Jebuda kl.. Rabbi Jehuda Neffia I. genannt, Rabbi Jehudah III. und Rabbi 1) Jahrbuch der Jüd.-Literarischen Gesellschaft. Frankfurt a. M. Kauffmann. Jehudah IV. Alle Historiker beschäftigten sich nun mit der Feststellung der Lebenszeiten dieser Patriarchen. Frankel entscheidet, daß R. Jehudah Neffia I. also Rabbi Jehudah II. im Jahre 313 und Rabbi Jehudah Nessia II. im Jahre 375 starben. Nun zeigt uns der Verf. an der Hand von Halevy's Forschungen, daß diese Patriarchen zu anderen Zeiten lebten. Die Beweise, die gegen Frankel vorgebracht werden, sind geradezu verblüffend. „Nach Frankel, der behauptet, daß R. Jehuda Neffia I. im Jahre 313 starb, würde sich ergeben, daß dieser 113 Jahre die Patriarchenwürde bekleidet. Denn R. Jehuda Hanassi, der Redakteur der Mischnah. starb im Jahre 189; der Sohn dieses Patriarchen, R. Gamliel, fungirte nur kurze Zeit als Patriarch. Wenn wir nun seiner Würde zehn Jahre geben, so wäre sein Todesjahr 200. In demselben Jahre trat dann R. Jehudah Neffia I. das Amt an; da er nun nach Frankel im Jahre 313 starb, so ergibt das eine Dauer von 113 Jahren für dessen Patriarchat. Dem gegenüber wird nun von Halevy in scharfsinniger, dem Talmud mit seltenem Forscherblick entnommenen, vollkommen überzeugenden Ausführungen die Lebenszeit der Patriarchen in anderer Weise bestimmt. Nach ihm starb R. Jehudah Neffia I. im Jahre 230, sein Sohn und Nachfolger. R. Gamliel. fungirte nur ganz kurze Zeit. Nach seinem Tode übernahm R. Jebudah (Neffia II.) das Patriarchat und bekleidete es bis etwa 302. Daraus ergibt sich, daß es dieser Patriarch gewesen sein muß, den Diokletian zu sich berief, da Diokletian in den Jahren 284—305 regierte." Durch diese Feststellung fällt die Frankelsche Argumentation in stch zusammen. In der zwei-- ten historischen Arbeit. Rabbi Jochanan, von Dr. Bondi-Mainz, wird ebenfalls an der Hand von Halevy's Forschungen die Lebensdauer dieses großen Mannes bestimmt. Und hier zeigt sich in besonders hellem Lichte, welches Verdienst sich Halevy durch seine Methode, die Halachah über bestimmte Geschichtsdaten zu befragen, erworben hat. Wenige Sätze aus zwei kleinen Merkchen und einige Agadahstellen galten der jüdischen Geschichtsforschung als einzige Quelle für diele Zeit unserer Geschichte. Nun hat uns Halevy, wie uns der Verkäster in seiner gründlichen Abhandlung zeigt, reichlich fließende Quellen erschlossen. Wir müssen es uns leider versagen, die ganze Beweisführung hier wiederzugeben, doch möchten wir nur einen einzigen Punkt hervorheben, der uns wieder zeigt, wie leichtfertig unsere sog. Historiker gearbeitet haben. Frankel seht das Sterbejahr R. Jochanan's auf 193 unserer Zeitrechnung und sagt auch, daß R. Jochanan 80 Jahre alt geworden ist. Die Geburt R. Jochanan's fiele dann in das Jahr 199, also sechs Jahre nach Rabbi's Tod. wahrend eine . ganze Reihe von Talmudstellen Rabbi Jochanan im Verkehr mit Rabbi zeigen. Dr. Unna-Mannheim zeigt end-

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