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Der Israelit · 1904-03-24 · Heft 24 (24.3.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 24 (24.3.1904)
Date
1904-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 24. 45. Jahrgang. er Zs«M Aenlrat-Hrgan für das orihodore Iudentyum. Begründet VG» Ärfe^matm i» lMstnz. Donnerstag, den S. SrLsan 5664. 24. März 1904. Unsere nächste Nummer, eine Doppelnummer, erscheint des hett. Pesachfestes _wegen Dienstag, den 29. Marz._ ruff- J3* Da mit dem 1. April 1804 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die ge- 1 ehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muh, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1s04 eingetragen unter Nr. 3932. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses MonatS gratis. Das Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. (Sitz: Frankfurt a. M) Bon Dr. Hermann Klein—Frankfurt a. M.*) Es ist eine der merkwürdigsten Thalsachen in dem wechselvollen Geschicke des jüdischen Volkes, daß unsere Brüder zur linken Hand, die sich niemals scheuten. Hand an die Wurzel des jüdischen Lebensbaumes zu legen, ein Gebiet aus dem reichen Felde jüdischer Wissenschaft mit ganz besonderer Vorliebe behandeln. das Gebiet der jüdischen Geschichtswissenschaft. Sie haben diese Wissenschaft als die einzige jüdische Wissenschaft erklärt und es ist sonderbar genug. daß Männer, die sich ohne jedes Bedenken über die Lehren der Weisen hinwegsetzen, sich abnlühen. immer neue Daten über das Leben eines Mischnahlehrers, eines Talmudlehrers, eines Gaon. eines Maimonides zu entdecken. Dieser ihr Eifer müßte sie auch dann verdächtig machen, wenn wir ihre Beweggründe nicht kennen würden. Ich will selbstredend nichts gegen das Studium der jüdischen Geschichte sagen, ich halte es sogar für eines jener Dinge, die jeder Jude pflegen sollte, aber davon wird kein Mensch mich überzeugen, daß Geschichte die einzige jüdische Wissenschaft ist, oder daß sie die Wissenschaft ist, die wir in erster Reihe *) Die Boranzeige über dieses Jahrbuch siehe in der Litt. Vellage Nr. A MB. Blattes. pflegen müssen. Geschichte verhält sich zur wirklichen jüdischen Wissenschaft, wie Form zum Inhalt, oder noch richtiger, wie die Verzierungen an einem Bau zum Bau selbst. Wenn wir uns ein wenig in der Geschichte unseres Volkes umsehen, so finden wir. daß gerade zu der Zeit, wo das Judenthum geistig am höchsten stand, die jüdische Geschichte dasjenige Gebiet war, das am wenigsten bebaut wurde. Nur ganz wenige und lümmerliche Ansätze zu einer Geschichte der Juden sind uns aus der Glanzperiode unserer Wissenschaften überliefert. Und wenn wir nach den Ursachen dicker Erscheinung fragen, so bekommen wir eine Antwort, die uns d»n Eifer unserer Neformhelden in der Pflege der jüdischen Geschichtswissenschaft erklärt. Die Antwort ist nämlich folgende: Me Gegenwart, in der ’t\an Geschichte macht, eignet sich nicht für eine historische Darstellung. Nun war unseren Alten das ganze jüdische Leben von der Nationalgeburt des jüdischen Volkes bis in ihre Zeit hinein noch immer Gegenwart. Dieselben Interessen und dieselben Ideale, für die die Aeltesten gelebt, waren auch die Interessen und Ideale unserer Alten. Es waren die gleichen Kräfte wirksam, die gleichen Triebfedern; und die gleichen Ursachen zeitigten auch die gleichen Wirkungen. Als man aber die Vergangenheit begraben wollte, als man von den alten Idealen sich trennen wollte, als die alten Interessen nicht mehr wirksam waren, da begann man zu inventarisiren, man schuf Litteraturgeschichtcn, die Kirchhöfe der Gedanken, und man schrieb Geschichten, die Kirchhöfe der Begebenheiten. Oder, und das ist das Wahrscheinlichere, man trieb Geschichte, um aus ihr Berechtigung und Begründung für den

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