Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1904)
- Date
- 1904-03-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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515 Homiletik. Festpredigtcn, gehalten am Rosch-Haschana und Jomkippur 5664 von Dr. Max Beer mann, Rabbiner der Kreis-Synagogengemeinde Insterburg. C. R. Hirsch. Nachfolger—Insterburg. Das Heftchen (vom Verfasser dem verdienstvollen Vorsteher des ostpreußischen Synagogengemeindeverbandes und der Kreis-Synagogengemeinde Insterburg, Herrn Stadtrath Isaak Eichelbaum zugeeignet) enthält auf 21 Seiten 6 Ansprachen, bezw. Betrachtungen für Neujahrsfest und Versöhnungstag. Nr. 1. „In deiner Hand sind meine Zeiten", Ansprache am 1. Abend des Neujahrsfestes; — Nr. 2. „Das Leben", Betrachtung am 1. Neujahrstage; — Nr. 3. „Das jüdische Weib", Betrachtung am 2. Neujahrstag: — Nr. 4. „Die Botschaft des Versöhnungstages", eine Kol-Nrdre-Betrachtung; — Nr. 5. „Die Predigt des Seelenlichtes", eine Jomkippurbetrachtung; — Nr. 6. „Ein fühlend Herz". M-ilo-Betrachtung). Verwohnt durch die zahlreichen, vortrefflichen Arbeiten des Verfassers (ich erinnere nur an die, auch in Lehmanns Volksbücherei enthaltene „Stimme Jakobs" u. a.) ging ich mit höchsten Erwartungen und hochgespannten Anforderungen an die Lektüre des Merkchens heran, fand mich auch völlig befriedigt. Kurz und treffenb; einfach und sinnreich, mahnend und warnend, belehrend und fördernd entsprechen sie voll und ganz ihrem Zwecke. Aufgabe der Predigt ist es nach meiner Ansicht weniger, wissenschaftliche Probleme zu erörtern, als vielmehr den im Menschenherzen schlummernden Segen des Guten zu wecken, zum Keimen, ans Tageslicht zu bringen. Das ist in Dr. Beermanns Reden in meisterhafter Weise gelungen. Man fühlt beim Lesen, daß jedes Wort am rechten Platze, daß so und nicht anders es habe gesagt werden dürfen, man fühlt aber auch gleichsam, daß all das, was der Redner sagt, in uns unbewußt geruht hat. bis diele Anregung inneres Leben weckte und das ist des Predigers schönster Erfolg. Vortheilbaft zeichnen üch die einzelnen Reden durch Kurze und Prägnanz aus. Bei solchen Vorträgen ist kein schlafendes Publikum denkbar. Gleichnisse, Dichterworte, Midraschim. Talmudstellen sind in glücklicher Auswahl und — was zu rühmen besonders werth erscheint — in bescheidener Anzahl in die Ausführungen verwoben, ein volksthümliches Gepräge ruht über dem Ganzen. Voll und ganz stimmen wir dem Verfasser bei, wenn er in einer Fußnote bemerkt: „Sie (die Abrisse der Predigten) durften beim Hörer das Kanzelwort wieder vor die Seele treten lassen und auch dem Leser manche Anregung und Belehrung bieten." Kultusbeamten wie Laien sei das Büchlein warmstens empfohlen. L. A. Wissenschaftliches. Tao Jahrbuch. Literarischer Bericht von Rabbiner Dr. L. Roth in Diakora. Der Name ist nicht neu. Alle litterarischen Gesellschaften pflegen ihn für ihre Publikationen zu benützen; es ist die Form, in welcher sich gelehrte Gesellschaften an ihre Mitglieder zunächst wenden, um einen Beweis ihrer Arbeit zu erbringen. Dies ist an sich nichts Neues, es gebt wenigstens auf 150 Jahre zurück, daß die westeuropäische Wissenschaft den Wendepunkt eines Jahres zum Anlaß einer Kundgebung rastlosen Schaffens benutzt. Das Jahrbuch aber, auf welches wir heute in Kürze aufmerksam machen wollen, bedeutet das erste Zeugniß, der vor kurzem begründeten „Jüdisch-litterariscken Gesellschaft", mit dem Sitz zu Frankfurt a. M. Das erste Jahrbuch dieser gelehrten Gesellschaft gibt uns einen genauen Einblick in die Ziele und Weae, die diese Körperschaft wandeln will. Das beste Programm ist die That. Und wir stehen hier dem Ergebniß einer solchen gegenüber. Liebevolles Sichverscnken in das Studium aller Zweige der jüdischen Geschickte und Litteratur. An die Stelle ungesicherter, zweifelhafter Hypothesen soll für den ganzen Bereich jüdischen Forfchertbürnpeinliche Genauigkeit und möglichst gesicherte Forschung treten. Die Resultate solcher hingebungsvollen kritischen Arbeiten sollen dann in möglichst klarer Fassung einem weiteren Leserkreise vermittelt werden. Dies ist die Doppelaufgabe, der die Publikationen der Gesellschaft dienen sollen. Strengste Prüfung der Quellen für die gelehrte Arbeit, und möglichst edle Bolksthümlichkeit der Darstellung für die weitesten Kreise unseres Volkes. Die Tendenz ist somit eine rein nach innen gewandte, sie ist weder eine oberflächlich sich apologetisirende. noch eine einseitig verurtheilende. Wissenschaft will sie sein, die nicht von Sympatbie oder Abneigung, sondern von der Wahrheit und Forschung lebt. Das vorliegende erste Jahrbuch pro 1903 (Verlag I Kauffmann in Frankfurt a. M., 5 und 326 Seiten), bildet in jeder Weise einen höchst schätzenSwerthen Beitrag zur Wissenschaft des Judenthums. Eine Werthung des Inhalts muß ich mir insofern versagen. da bei einem solch mannigfachen Inhalt meinerseits naturgemäß nicht für Alles Interesse vorhanden ist. Berücksichtigt sind die verschiedensten Gebiete, wie Lexicographie und Philologie (Hoffmann, Wreschner); eine umfangreiche Abhandlung über die hebräischen Druckereien in Sulzbach (Weinberg). Zur Midrafchforschung von Lerner. Kritische Würdigungen der neuesten Litteratur (Sulzbach. Vamberger). Besonderes Interesse hatten für mich die historischen Monographien von Kottek, Bondi und Unna. Sie sind Bereicherungen ber Geschichte der talmudische» Zeit, und bieten die interessanten Stoffe auf Grund der