Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-03-21 · Heft 23 (21.3.1904) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 23 (21.3.1904)
Date
1904-03-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450009--60326-2521228
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

504 t kennen sir nicht, es ist keine hefige Dame, sondern eine Verwandte in meiner Heimath. Früb verwaist, ist sie im Hanse meiner Ettern erzogen, '-ins ro-n? a^ch ri>. c usdrüüttch darüber gesprochen worden ist, so weiß ich doch, daß es der sehnlichste Wunsch n,einer Mutier war, ich möchte meine Cousine dereinst heimführen. Ich habe denn auch nie widersprochen, denn ich war dem sanften lieben Mädchen von Herzen gut. Und ich glaube, daß auch sie mir gut gewesen ist. So lange meine Praxis unbedeutend war, habe ich selbstverständlich nicht an's Heirathen denken können, aber in jüngster Zeit bin ich, wie Sie wissen, mehr in die Diode gekommen, so daß ich es wohl wagen zu dürfen glaubte, ein Haus zu gründen. Da habe ich meiner Cousine geschrieben und sie um ihre Hand gebeten, und nicht gezweifelt, eine zustimmende Antwort zu erhalten. Ich bin aber sehr enttäuscht worden —- »Ein Anderer ist Ihnen zuvorgekommen?- »DaS nicht, meine Cousine ist noch frei, aber sie kann sich nicht entschließen, einem Manne ihre Hand zu reichen, der die speziell jüdischen Gesetze nicht beachtet.- »Jst's möglich! — dieser Fanatismus! —" »Als Fanatismus möchte ich ihre Weigerung doch nicht bezeichnen, obgleich ich mich sehr darüber geärgert habe. Es ist dies aber ihre individuelle Anschauung, in der sie mit Ihrem Töchterchen übereinstimmt und deßhalb fürchte ich, auf die Ehre Ihr Schwiegersohn zu werden, verzichten zu müssen.- »Es wäre in der That möglich, daß das Hexchen Ihnen auch einen Korb geben würde, gegenwärtig sieht es ganz danach aus. — Es ist seltsam, es ist mir doch keineswegs angenehm, daß das Kind sich diese rigorose Anschauungsweise zu eigen gemacht hat. Aber ich könnte mich doch nicht entschließen, irgend etwas dagegen zu thun.- »Was könnten Sie dagegen thun?" »Verschiedenes, ich könnte sie z. B. in ein Pensionat geben, wo eine freiere Richtung herrscht.- »Das würde ich Ihnen nicht empfehlen. Sie könnten riskiren. daß die Vorgänge der letzten Wochen sich wiederholen.- »Da3 auch, aber auch abgesehen davon möchte ich's nicht, denn das Kind fühlt sich so glücklich in diese» Beschränkungen, Sie haben keinen Begriff davon.- . Weßhalb Keßler dem Bankier erzählt hatte, daß er um seine Cousine geworben, und daß sie ihn abgewiesen hatte, das wußte er selbst nicht, hinterdrein ärgerte er sich, daß er's erzählt hatte und er ärgerte sich auch, daß er darauf eingegangen war. eventuell die Vormundschafi über die kleine Frieda zu übernehmen. Wie mancherlei Unannehmlichkeiten würde er da ausgeseßt sein gegenüber der Mutter, die ihm so überaus unsympathisch war. Aber eben wegen der niedrigen CharaktereigensHlsten der Mutter legte ja der Bankier so großen Werth darauf, sein eventuell schutzloses Kind unter seiner Obhut zu wissen. Und deßhalb reute ihn seine Zusage auch nicht, das kleine Mädchen intereffirte ihn der That ungleich mehr als seine gräfliche Pattentin, der er doch den Aufschwung, den seine Praxis genommen hatte, verdankte. Die Behandlung der Gräfin ward ihm von Tag zu Tag unangenehmer, beiyi sie wußte die Kammerfrau fast jedesmal zu veranlassen, wenn auch nur auf wenige Minuten, das Zimmer zu verlassen, und diese wenigen Minuten wußte sie jedesmal zu benützen, ihn ihre sich steigernde Leidenschaft für ihn gewahren zu lassen. Bisher war es ihm noch immer gelungen sich zu stellen, als hätte er ihre Annäherungsversuche nicht verstanden, doch für die Dauer ward ihm dieser Verkehr nahezu unerträglich. (Forts, folgt.) Wochen-Kslenöer. Frettag, 25. Marz. 9. Nisan. Sabbat-Anfang in Mainz u. Franlsnri a. M. 6 Uhr 18 Min. Dam Nag, 26. März. 10. Nisan. Snn '» Sabbat-AuSgang kn Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 35 Min. — Berlin 7 Nbr 09 Min. — München 7 Uhr 14 Min. — Stuttgart 7 llbr 23 Min. — Straßburg 7 Uhr 30 Min. — Pose» 6 Uhr 57 Min. — Stettin 7 Uhr 06 Min. — Breslau 6 Uhr 53 Min. — Nürnberg 7 Uhr 18 Min. — Wien 6 Uhr 58 Mw — PüriS 7 Ubr 20 Min. — Prag 7 Uhr 05 Min. Der »JSraelit" erscheint rrLelrerrLiSed sweima 1, nonioga und ©oanersteg», jedeSmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjahrlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drv ÖuHhandel vrvkrtzrk durch V. A Ol eiuachrv, Dsitmir,NoMatz sö. — Inserate25 Pfennigdie viergcfpaltene Nonpareillereile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheü 7r> Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-^ark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Mark, an die Exportion franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine Ausgabe LeS T'Czacttt“ vier Wochen lang gratis ind franco erhalten. Wünscht man den Empfang der »Kleinen Ausgabe" längere Zeit,',-) kann man sich für 25 Pfennige da!: Vierteljahr, indeß ausschlieMch bei der Post auf dieselbe unter Nr.8OL3 abonntre» Ans Qrmsch fiurrLnr wir bis Zahlung dsS LnssettouSLerssgS an arider Stelle Befindliche bis «ach Oslcr.nnng einer solchen. Deutsch Eöln. LsantworlllLr OSear Lehmann in Mainz. — Spedition de» ^JTraclit". SchoüstraLrlNr. L Mainz. Druck und der S oh. OietMäen Soßuchdruckeret Kctim«C?f elstÄaft in Mainz. VM DSASAS»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.