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Der Israelit · 1904-03-21 · Heft 23 (21.3.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 23 (21.3.1904)
Date
1904-03-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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bildet, in welcher Herr Rabbiner Dr. E. Munk ethische und religiöse Fragen besprach. Die Schule wurde von 453 Kindern besucht und zwar von 292 Knaben und 161 Mädchen. Der Jugendaottesdienst wurde, wie seit Jahren, an Sabbaten und Festtagen in der Gemeindesynagoge, am Rosch Haschanah und Jom Kippurim in den zu diesem Zwecke eingerichteten Lokalitäten und an den Schultagen, jeweils nach Schlutz des Unterrichts, in den Schulräumen abgehalten. Während an dem Sabbatgottesdienst fast nur Zöglinge unserer Anstalt theilnahmen. war der an den Jomim hannauroim abgehaltene auch von Knaben und Mädchen, die unserer Schule nicht angehörten (im Ganzen von ca. 500) besucht. Der Verein „Chinnuch.Neorim", der sich zur Aufgabe gestellt hat, bedürftigen Kindern durch Zahlung des Schulgeldes etc. den Besuch unserer Schule zu ermöglichen, hat im vergangenen Jahre für ca. 85 Kinder das Schulgeld bezahlt. Ans Unterst-«» nkcn. (Etwas vomZionism u s.) Es ist bekannt, daß in den Reihen der Zionisten nach und nach die verschiedensten Spaltungen sich ergaben, sowohl hinsichtlich der anzustrebenden Ziele, als der diesem Zwecke dienlichen Mittel manche Wandlung der Anschauungen vor sich gegangen ist. so daß wir vielfach in zionistischen Gruppen und Vereinigungen lokaler Natur nur mehr die Realisirung der Kolonisationsbestrebungen für Palästina erblicken dürfen, Bestrebungen, denen ja auch bereits anderweitig kräftig und aufopfernd gedient wird. Auch ein, dieser Tage versandter Aufruf der „Zionist. Vereinigung Würzburg", von Herrn H. Oppenheimer unterzeichnet, der zur Mitarbeit auffordert, spricht nur von der Unterstützung der Kolonisation und Zuführung der bedrängten Glaubensbrüder zum Ackerbau in Palästina. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: Würzburg, im Februar. Am 23. d. Mts. hielt Herr Dr. Karpeles aus Berlin im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur einen Vortrag, wobei er nach eigener Anschauung über die Verhältnisse der russischen Juden referirte. Ganz abgesehen von der meisterhaften, populären Form seiner Vortragsweise hat insbesondere der Inhalt seiner Rede unser volles Interesse in Anspruch genommen. Wir hörten von einem anerkannt urtheilsfähigen Schriftsteller, wie sehr unsere Brüder unter dem Drucke des russischen Regierungsjoches seufzen. Und Herr Dr. Karpeles konnte uns noch mdj* alles erzählen; er brachte uns nur einen kurzen Auszug aus der Leidensgeschichte unserer Brüder. Die Wirklichkeit ist viel schrecklicher; das Elend dieser 5—6 Millionen in Rayons zusammengepferchten Menschen spottet aller Beschreibung. Dr. Karpeles meinte, es sei jeden Tag an jedem Orte eine Katastrophe zu erwarten, weil eben die Geistlichkeit und das Beamtenthum Herren der Situation seien. Aber nicht nur ift Rußland hat die Judennoth diese schreckliche Gestalt angenommen; in anderen Ländern, wie Rumänien/ Galizien. Marokko, Perfien etc. schmachten unsere Brüder unter ähnlichen Ausnahmegesetzen und ertragen die härteste physische und seelische Pein. Sie leiden um der einen Ursache willen, weil sie Juden sind und Juden bleiben wollen. Da müssen wir doch fragen, gibt es gar keine Hilfe für diese unglücklichen Brüder? Dürfen wir mit morgenländischem Fatalismus zuwarten, bis dir schrecklichen Folgen dieser schrecklichen Behandlung, bi» Hungertyphus, Mädchenhandel, Nihilismus unsere Brüder und Schwestern zu Grunde gerichtet haben? Wäre das nicht die Bankerotterklärung der Menschlichkeit? Sollten jene Menschen, die mit dem gleichen. Sch'ma auf den Lippen sterben, nicht unserer Mitarbeit würdig sein? Sollten die geschilderten Zustände uns zu nichts anderem aufraffen, als uns an einem Abend zu einem ästhetischen Genuß zu versammeln! Brüder und Schwestern! . Mitleid hilft da nicht, wir müssen mithelfen! Mit brüderlicher Liebe und mit brüderlichen Mitteln wollen^ wir an's Werk gehen! Der Bruder gibt dem Bruder nicht ein Almosen, sondern verschafft ihm eine Existenz, damit er selbstständig sich ernähre. Unter Betonung der auch von Dr. Karpeles so eindringlich hervorgehobenen Solidarität aller jüdischen Volksgenossen wollen wir mit dem Einsatz unserer ganzen Persönlichkeit bestrebt sein, unsere Brüder aus dem Elend herauszuarbeiten. Wir wollen sie führen auS dem Kummer zur Freude, aus dem Dunkel zum Lichte, aus der Knechtschaft zur Freiheit, aus dem Lande ihres Druckes in das Land ihrer Sehnsucht — nach Palästina. Keine Almosen — sondern Arbeit wollen wir ihnen reichen! Arbeit in dem Lande, das wir nicht erst untersuchen brauchen, um es zu lieben: Das Land unserer Väter werde ihnen zum Vaterlande! Die Früchte ihrer Arbeit sollen sie selbst genießen; Wertbe sollen sie erzeugen — für sich und nicht für ihre Peiniger; Kultur sollen sie tragen — in ihr eigenes Vaterland. Im eigenen Lande sollen sie sein ein freies Volk von Bauern, von jüdischen Bauern; der Erdgeruch stärke ihre Glieder und ihre Seele! Groß ist dieses Ziel, schwierig die Arbeit, wahrlich des Schweißes der Edlen werth! Es ist die Arbeit, die sich die zionistische Bewegung zum Endziel erkoren hat. Unterstützen Sie diese Bewegung, so unterstützen Sie den großartigsten Man. den jemals die Judenheit der Diasvora entworfen hat. Groß sind die Fortschritte dieser Bewegung auf dem weiten Erdenrunde. Die Sieghaftigkeit der zionistischen Idee schafft in allen vier Enden der Erde br-

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