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Der Israelit · 1904-03-21 · Heft 23 (21.3.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 23 (21.3.1904)
Date
1904-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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500 bis 10 Mk. pro Zentner erfüllt wurde. Dieses Verlangen läßt sich jedoch nicht so leicht 'oerwirklichen, wie in der Regel angenommen wird. So sind z. B. in Deutschland mehr als 60 Prozent der Bevölkerung auf den Brotkauf angewiesen. Für nahezu 400 Millionen Getreide muß alljährlich vom Auslande eingefiihrt werden, um den Bedarf zu decken. Die Getreideeinfuhr ist demnach bei uns in Deutschland nicht zu entbehren. In gleicher Weise verhält es sich mit dem Import von Fleisch und Vieh. Ein hoher Getreide- und Viehzoll würde allerdings die Einfuhr beschränken oder ganz beseitigen; das käme aber einer bedeutenden Brod- und Fleischvertheuerung gleich, die alle Konsumenten, insbesondere den Arbeitersland, in ganz empfindlicher Weise treffen würde. Außerdem würden die besonders viel Getreide bauenden Länder, wie Rußland, Amerika. Argentinien mit der gleichen Münze zurückbezahlen, indem sie hohe Einfuhrzölle für die Jndustrieartikel. die von Deutschland ausgesührt werden, verlangen würden. Unsere Fabriken müßten dann ihren Betrieb einschränken oder ganz aufheben. Millionen von Arbeitern würden brodlos gemacht. Hohe Getreidezöllr sind ein unberechtigtes Geschenk für einige Tausend Großgrundbesitzer und größere Bauern auf Kosten von vielen Millionen Konsumenten. Die große Masse von kleinen und mittleren Gütern hat von hohen Agrarzöllen keinen oder nur einen recht minimalen Gewinn. Bedeutende Nationalökonomen, wie z. B. Dr. Brentano. Schmoller u. a.. erheben warnend ihre Stimmen gegen hohe. Getreidezölle. Die Bibel steht auf dem gleichen Standpunkte, perhorreszirt jede künstliche Vertheuerung der nothwendigen Nahrungsmitteln. „Und wenn ihr verkaufet einen Verkaufsgegenstand deinem Nächsten oder kaufet von der Hand deines Nächsten, so sollt Ihr nickt übervortheilen Einer den Andern." Lev. 25, 14. „Und keiner übervortheile seinen Nächsten und fürchte dich vor deinem Gotte; denn ich bin der Ewige, dein Gott." Lev. 25. 17. „Deine Speise sollst du nicht um Ueberschuß hergeben." Lev. 25,37. Die gleiche Tendenz verfolgt die Brüsseler Zuckerkonvention. welche mit dem 1. Sept. v. I. in Kraft trat. Durch die Konvention sind die Prämien, d. h. Ausfuhr- Vergütungen für Zucker aufgehoben und für Deutschland tritt außerdem noch die Ermäßigung der Verbrauchsabgabe für Zucker von Mk. 20 auf Mk. 14 pro Doppelzentner ein. Die Konsequenz des Prämiensystems war eine bedeutende künstliche Vertheuerung des Zuckers. Im Interesse der Volksernährung war dies tief zu bedauern, da der Zucker als ein vorzügliches Nahrungsmittel gilt. Welch' große Vortheile die neue internationale Vereinbarung dem.Publikum gewährt, erhellt die Thatsache,-paß hie Vereinigung der Raffinerien für Konsumzucker für die erste Hälfte des September den Preis um 7.50 Mk. pro Zentner herabgesetzt hat. Unter der Herrschaft des PrämiensystemS war der Zuckerverbrauch in Deutschland von 15,21 Kg. pro Kopf im Jahre 1899/1900 auf 13,21 Kg. im folgenden Jahre zurückgegangen; auch die nächsten Jahre brachten einen weiteren Rückgang des Konsums. In gleicher Weise ist unter dem Drucke von hohen Fleischpreisen, verursacht durch Erschwerung der Einführung von ausländischem Vieh, der Fleischverbrauch in den letzten Jahren bedeutend zurückgegangen. Das sind die beklagenswerthen Folgen, wenn die oben angeführte bibl. Vorschrift: _ „Deine Speise sollst du nicht mit Ueberschuß verkaufen," im Volkswirthschaftsleben nicht die nothwendige Geltung findet. Hohe Zölle allein können den Bauernstand nicht retten. Die großartigen Verkehrswege über weite Länder und unermeßliche Ozeane lassen sich nicht mehr aus der Welt schaffen.' Rationeller Betrieb, unermüdlicher Fleiß in Verbindung mit weiser Sparsamkeit können hier nur. wie überall, helfen, gemäß dem Worte, das Gott an den ersten Menschen schon richtete: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brod verzehren." Das Land Kanaan, „darinnen einst Mich und Honig floß." nur 460 Quadratmeilen groß, das eine Bevölkerung von fast 5 Mill. Menschen ernähren konnte, ist heute durch die Mißwirthsckaft der Muhamedaner öde. unfruchtbar, verarmt und entvölkert. Die Berge find entwaldet und die Bäche versiegt. Durch sorglose Bodenbebauung und Mißwirthschaft sind ebenso Spanien und Egypten in ihrem Wohlstand und ihrer Bevölkerungszahl bedeutend zurückgegangen. Die Hauvtmomente des mosaischen Gesetzes für den Ackerbaustaat: Unveräußerlichkeit der Familiengüter und Restitution des verkauften Gutes im Jobeljahre an den Eigentümer oder dessen Relikten, wodurch ein übermäßiger Güterkomplex einzelner Männer und Frauen unmöglich gemacht wurde, seien zum Schluffe nochmals betont. In dieser Institution, welche die Verarmung ebensowohl wie die Bereicherung verhinderte, liegt unzweifelhaft ein eminent hochbedeutsamer sozialer Gedanke, der für Jahrtausende im Voraus das allein Richtige bezeichnet — Ausgleichung und Versöhnung der sozialen Gegensätze — und darin offenbart sich der göttliche Gesetzgeber. ZettrttrgSrmÄrrHt,« und Corresporrdeirzei». Deutschland. « Berlin. Dem 35. Berichte der Religionsschule der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adaß-Jis- . | roel) zu Berlin ist zu entnehmen: Aus unseren früheren Mädchenselekten hatte sich^ eine Fortbildungsklaffe, bestehend aus elf Mädchen, ge- .

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