Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1904)
- Date
- 1904-03-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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480 Sache, wenn Mann und Frau nicht auf gleichem Standpunkte stehen. Dort das Taufbecken, hier der Berg Sinai, das gibt keinen guten Klang/ „Es ist zum ersten Mal, daß ich Sie vom Berge Sinai reden höre/ sagte der Advokat lachend. „Das ist die Reaktion von dem Uebertrit meiner Frau/ entgegnete der Bankier gleichfalls lächelnd. „Aber wir lachen und meiner Kleinen ist es solch heiliger Ernst. Bitte Herr Doktor, die erforderlichen Schritte baldigst zu thun und was den Entwurf betrifft, so haben Sie meine diesbezüglichen Absichten doch notirt/ „Seien Sie unbesorgt. Herr Grünwald, ich habe mir Ihre Intentionen gemerkt und werde Ihnen das gewünschte Schriftstück morgen, im Laufe des Tages vorlegen. — Und in Betreff Ihrer Frau Gemahlin —* „Werde ich Ihren Rath befolgen, ich wäre sonst am Ende auf Gnade oder Ungnade in den Händen ihrer Rathgeber/ „Darauf eben wollte ich aufmerksam machen, namentlich, da die Rathgeber der gnädigen Frau Ihnen schwerlich konveniren werden." „Run, wir werden ja sehen. Auf Wiedersehen. Herr Doktor!" „Auf Wiedersehen!" Die Herren reichten einander die Hände und der Bankier entfernte sich eilends, denn es war in der Thal spät geworden, er wurde im Comptoir erwartet. Seltsam war es. welche Veränderung, welch' vollständiger Umschwung die jungst verflossenen Tage in der Anschauungsweise des bisher so lebensfrohen Mannes hervorgerufen. Sicher hatte der 36jährige. kernt gesunde Mann noch nie im Leben daran gedacht, daß dereinst auch er gleich allen Sterblichen der Erde ihren Tribut werde zahlen müssen. Und nun hatte er mit einrmmale nichts Eiligeres zu thun, als sein Testament zu machen. Auch der Arzt, der, seinem Wunsche entsprechend, ihn in der Mittagsstunde auffuchte, blickte ihn betroffen an, als er davon mit ihm anfing. „Um's Himmelswillen, Herr Grünwald, was sind, das für Grillen! In Ihrem Alter und mit Ihrer geradezu robusten Gesundheit spricht man nicht davon, sein Testament zu machen." Grünwald athmete schwer auf. „Ich habe es Ihnen schon gestern gesagt, beständig steht mir der Moment vor Augen, in dem das Kind zusammengebrochen ist und ich es wie leblos emporgehoben habe, und wenn ich dann bedenke, daß es durch das herzlose Gebühren der eigenen Mutter so heruntergekommen ist —" „Sie gehen zu weit, Herr Grünwald. Ganz gewiß trägt die unsinnige Lebensweise des Kindes in den letzten Wochen die Hauptschuld an der Entkräftung, aber die angeborene Zartheit des Kindes ist sicherlich mit Schuld. Einem robusten Kinde würde eine derartige Abstinenz von einigen Wochen vielleicht gar nicht geschadet haben." „Umso gewissenloser war das Vorgehen der Mutter, denn sie wußte so gut, wie wir, daß das Kind zart ist. Und wenn ich dann bedenke, daß sie möglicherweise schutzlos der Herzlosigkeit der Mutter preisgegeben wäre — und wenn diese überdies erfahren würde, daß das Kind wieder zurückgetreten ist und wieder zu den von meiner Frau so sehr gehaßten Juden gehört —" „Aber um's Himmelswillen. Sie sind doch auch noch da und Manns genug, Ihr Kind zu schützen." „Heute bin ich allerdings noch da, aber—" „Aber ich begreife nicht, was Sie wollen. Sie gehören zu den gesundesten Menschen, die ich kenne, sind im Anfang der Dreißiger —* (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint rrFokrenlllod sstreiina 1« Elontag« and Donnerstag*, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjahrlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch G. AOlrinarker, Vripng, Noßplatz Jß. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 7o Pfennig. — Dirccte Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende JGtUtet Ausgabe deck FLraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter 3033 abonniren Auf Wunsch fiaudLu wir die Zahlung deS JnssrtionsbetragS an außer Stelle Befindliche bis «a» Erlangung einer solche«. . . . Hamburg. Armenvereinea Rußland r Torresponderuen Deutschland: DerU'n. Orc'tait. Frankreich: Paris. Ausland: Petersburg. fC-J CstoO. PerankrrrtRchr tl:bactton: vSear Lehmann in Main-. — Exvedttlon de» JÖScadtt". Sdjotißw&eJRr- 2. Mai«. ~ und Ccdca der 9 ob. Olrth'lLen volduchdruSeret ActlenCefeMchaft ln Main» HZsszrr drei TsWsses.