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Der Israelit · 1904-03-17 · Heft 22 (17.3.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 22 (17.3.1904)
Date
1904-03-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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479 .Du hast ihr gegenüber allzu große Fehler gemacht, deßhalb war ich gezwungen, sie aus dem Hause zu geben.- „Wohin wirst Du sie gebe»?- „Sie bleibt, wo sie ist, denn s« ist in den besten Händen.- Sie wechselte die Farbe und preßte die Lippen aufeinander; ihre Tochter für die Dauer in dem Hause solch' untergeordneter Leute zu wissen, das war ihr äußerst unangenehm, doch vorläufig hielt sie es nicht für angezeigt, weiter gegen seine Anordnungen zu remonstrire». „Du mußt wissen, was Du mit Deinem Kinde thust.- „Das weiß ich auch!- „Bei solch' ungebildeten Leuten — wenn nur kein roher Ton dort herrscht.- „Jn dieser Beziehung kannst Du unbesorgt sein. Ein solch' roher Ton, wie ich ihn heute in unserem Hause vernommen, wird in Müller's Hause nie gehört worden fein.- „Leo, ich bitte Dich! Kannst Du nicht vergessen?" „Nein," entgegnete er mit Bestimmtheit. „Uebrigens wirst auch Du den heutigen Tag nicht vergessen, dessen bin ich sicher." Sie erblaßte bis auf die Lippen. „Was willst Du damit sagen?" „Nicht anderes, als was im Wortlaut liegt." „Nun ja freilich, ich werde den Tag nicht vergessen, an dem wir zum ersten Male in unserer sonst so glücklichen Ehe in dieser Weise aneinander qerathen sind. Aber Leo. wenn Du auch nicht vergessen kannst, so kannst Du doch verzeihen. — Leo — wenn ich Dich darum bitte — nicht wahr. Leo, Du verzeihest mir?" Jbre Stimme war bis zum Flüstern gesunken, ihre rosige Wange schmiegte sich weich gegen sein bärtiges Gesicht, sie glaubte das Pochen seines Herzens zu vernehmen. es erschien ihr undenkbar, daß er sie nicht umschlingen, sie nicht an sich ziehen werde, aber er war zu sehr gekränkt worden. Mit raschem Entschluß stand er auf und mit einem kühlen Gutenachtwunsch verließ er das Zimmer. Sichtlich enttäuscht blickte sie ihm nach. Und trotzdem. batte sie auch nicht erreicht, was sie erreichen wollte, das Ei? wav. doch gebrochen, ihr Mann war gegen Ende des Abends doch nicht mehr so vollständig unnahbar gewesen, wie zu Beginn desselben. Man darf nur nicht gleich den Muih verlieren, nach und nach, würde sie die Herrschaft über ihn schon wieder erringen. Als sie am folgenden Morgen erwachte, hatte Grünwald die Villa bereits verlassen. Er war auch noch aus einige Minuten in der Wohnung des Verwalters gewesen', um sich nach seinem Kinde umzusehen. Frieda schlief noch, aber Fräu Müller berichtete, daß sie den Abend in ganz besonders heiterer Weise verbracht, da die Kleine selbst. den Verwalter gebeten hatte; sie für längere Zeit im Hause zu behalten und sofort seine zustimmende Antwort erhalten hatte. „Das freut mich." sagte der Bankier, indem er der Frau des Verwalters die Hand reichte, „freut . mich herzlich: wollen Sie auch Herrn Müller meinen Dank aussprechen. Ueber die Bedingungen sprechen wir heute Abend." „Darüber werden wir uns schon einigen," entgegnete sie lächelnd. . „Das denke ich auch. Bitte, meine Kleine von mir zu grüßen, und wollen Sie gefälligst Herrn Doktor Keßler sagen, daß es mir angenehm wäre, ihn noch heute zu sprechen. Er sagte gestern, er wolle überlegen, ob ein Aufenthalt an der See oder Gebirgsluft für Frieda zu empfehlen wäre." ', „Ich werde ihn daran erinnern." ' . ' Der Bankier grüßte und entfernte sich, aber er begab sich nicht sofort in sein Bureau, sondern zuvor zu seinem Rechtsanwalt, mit dem er Verschiedenes überlegen wollte. Der Advokat erkannte sehr bald, daß das bisher stets gute Einvernehmen des Grünwald'fchen Ehepaares getrübt war. »Ist Ihnen bekannt. Herr Grünwald, daß Ihre Frau Gemahlin bei der in der vorigen Woche stattgefundenen Sammlung für den Dombau 2000 Kronen gezeichnet hat?" . „Potztausend!" rief der Bankier aufspringend. „2000 Kronen hat meine Frau für den Dombau gezeichnet. ohne mich zu fragen?" „Sie haben nichts davon gewußt?" „Keine Silbe. — Aber bin ich denn verpflichtet zu zahlen, was meine Frau ohne meine Zustimmung. gezeichnet hat-?" ’ Der Rechtsanwalt zuckte die Achseln. ..Hat Fraü Ärünwald kein eigenes Vermögen?" „Nickt einen rotben Heller hat sie. den ich ihr nicht gegeben habe. Als wir uns verheirathet haben, war ffy so arm wie eine Kirchenmaus." „Darum ist sie auch jetzt in den Schoos der allein^ seligmachenden Kirche geflüchtet," bemerkte der Rechtsanwalt lächelnd.; . „Gewiß, gewiß, nur deßhalb, aus purer Dankbarkeit. Aber im Ernst, Herr Doktor, muß ich bezahlen, was meine Frau obne mein Wissen zuqesagt hat?" .; „Ich könnte Ihnen doch nicht empfehlen, die Zahlung zu verweigern. Wohl aber würde ich in Ihrer, Stelle meiner Frau erklären, daß ich bei Wiederholung eines derartigen Vorkommnisses nicht nur die Zahlung verweigern, sondern auch in den öffentlichen Blatternj Jedermann warnen würde, ihr zu borgen', dä ich für ihre; Schulden nicht auskommen würde." i'J „Sie haben recht, das wird nothtvendia seiit>'-mau^ könnte ja sonst nicht willen^ zuwa§ sie sichnoch ver-' leiten lassen würde. Es ist immerhin eine mißliche

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