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Der Israelit · 1904-03-14 · Heft 21 (14.3.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 21 (14.3.1904)
Date
1904-03-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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462 P.m Infanterieregiments Nr. 49 und der vierte Bruder bei den 9. Ulanen. Zwei von uns erhielten das eiserne Kreuz, der dritte eine Belobigung nach dem Gefecht bei Champigny vor der Front! Leider erlag dieser bald darauf den Strapazen nach dem Gefecht am 2. Februar bei Pontarlier und ruht in fremder Erde. Heute, der einzige Ueberlebende von uns vier Brüdern, bin ich stolz darauf, das mir „für Tapferkeit" verliehene eiserne Kreuz tragen zu können. In den Schlachten, bei Königgrätz, Gravelotte, Metz, Paris, Champigny und Pontarlier hatte ich Gelegenheit genug, mir ein Urtheil über die Tapferkeit meiner Glaubensgenossen zu bilden, und ich habe keinen kennen gelernt, der sich der Feigheit schuldig machte. Hierzu bemerkt die Redaktion des „Berliner Tageblatt": Für Niemanden, der an der Haltung der jüdischen Kämpfer in den letzten Kriegen Interesse nahm, tvar es zweifelhaft, daß Herr Abgeord. v. Liebermann die Unwahrheit sprach, als er die jüdischen Soldaten in der oben erwähnten Meise verunglimpfte. Gerade gegenüber den verleumderischen Behauptungen der antisemitischen Hetzapostel über die militärischen Eigenschaften der Juden ist schon mehrfach der aktenmäßige Beweis für die Bewährung der jüdischen Soldaten im Kriege angetreten und erbracht worden. Herr von Lielermann müßte das. so sollte man meinen, ebenso gut wissen, wie andere Leute. Es bedurfte der obigen Zuschrift nicht, um Herrn von Liebermanns unwahre Behauptungen zu entkräften. Wir geben diese Zuschrift indessen nur deßhalb wieder, weil sie ein besonderes Interesse insofern beanspruchen darf, als hier von vier Brüdern drei mit besonderer Auszeichnung gekämpft haben. Antiinilitarismus Die große Bewegung, die gegenwärtig das deutsche Volk erfaßt hat und die sich in heftigen Angriffen im Parlament, in der Presse und Litteratur gegen die Armee und-ihre Führer kundgibt, erinnert lebhaft an den Beginn der Bewegung gegen die Juden, wie sie gegen Ende der siebziger Jahre in die Erscheinung trat. Auch damals zuerst Romane, Broschüren, Theaterstücke, dann Parlamentsreden und entsprechende Gegenreden. Auch damals allenthalben furchtbare Uebertreibungen, die bewirkten, daß wahre Mißstände nicht erkannt und in Folge dessen nur sehr langsam beseitigt werden konnten. Daß es die Antimilitärbewegung ebenso wie die Antisemitische zu besonderen Abgeordneten oder gar Fraktiönchen bringen wird, glauben wir nicht, wir sehen aber, daß es dem Charakter des deutschen Volkes entspricht, immer einen Siindenbock haben zu müssen. So schnell wie zwei Deutsche bereit sind, wo sie sich treffen, einen Verein zu gründen, ebenso schnell sind sie auch bereit, auf den Dritten, der dem Verein nicht beitreten will, loszuhauen. Es existirt ein allerliebstes kleines Gedichtchen von Ludwig Fulda, dessen Worlaut uns eben nicht erinnerlich, dessen Inhalt aber ungefähr besagt, daß wenn heute es Einer unternähme, gegen die Müllerknechte in Wort und Schrift, auf Bühne und Parlament loszuziehen, wir bald in Deutschland die große Antimüllerknechtbewegung haben würden. Die preußischen Offiziere sind vielfach, wenn nicht ausgesprochene Antisemiten, so doch antisemitisch angehaucht, ihre Forterrier haben alttestamentarische Namen und lassen trotzdem den besten Braten stehen, wenn der Herr Leutnant sagt, „Ein Jud' hat davon gegessen." Dagegen genirt sich kein Leutnant, die als trauriges Ueberbleibsel aus dem alten Ghetto noch hie und da existirenden Semiten, die das Verleihen von Geld an Militärs als Geschäft betreiben, anzupumpen, mit der schon vorher bestehenden Absicht, ihnen, wenn sie ihr Geld wieder haben wollen, mit Anzeige wegen Wuchers zu drohen und sich so von der Zahlung zu drücken. Wir Juden leiden heute noch unter der antisemitischen Bewegung. Vielleicht lernt der preußische Offiziersstand aus der gegenwärtigen Animosität gegen ihn, die Juden wenigstens wie bürgerliche Nichtjuden zu behandeln, das wäre dann auch schon ein großer Schritt nach „Vorwärts". Zeitungsnachrichten und Corrcspondenreir. Deutschland. Berlin, im März. (KritischeReisebriefe.) Wenn es mir auch nicht möglich ist. den geschätzten Leser und die verehrte Leserin dieser Zeilen in die sandigen Steppen Asiens oder auf die Bergketten Afrikas, noch an die sonnigen Gestaden der Riviera, oder zu den Eisküsten Grönlands zu führen, so hoffe ich doch, wenn Sie mit mir durch das engere Vaterland reisen, daß Sie Manches kennen lernen, an dem Sie bisher achtlos vorübergegangen, und wenn auch nicht Alles angenehmster Natur ist, was ich mit dem kritischen Auge beobachtete, so werden Sie deunoch mit mir eines Sinnes in dem Gedanken sein: wer kritisirt. will auch besser machen, helfen. Mir lieg' jede Art von Gehässigkeit und Spott fern, und da ich in diesen Blättern kein Fremder bin, so bürgt das wohl am Besten für meine Denkungsart. Wir leben im Zeitalter des Verkehrs, eine Thatsache, die sich in allen Richtungen des öffentlichen und privaten Lebens breit macht und die auch allüberall genügende Beachtung findet — nur nicht in so man-

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