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Der Israelit · 1904-03-10 · Heft 20 (10.3.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 20 (10.3.1904)
Date
1904-03-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. Sabbat! Von Emil Dessauer—F ürth. Wenn auch der Königssohn, das ist Israel, viel leiden muß, wenn auch der goldene Schmuck ihm abgeristen worden ist, wenn ferner bittere Schmerzensthranen seine Wangen bleichen, und sein Geist die großen Gottesgedanlen nicht mehr durch die himmlische Offenbarung selbst erschauen darf, so ist er doch nicht ganz verlassen. Einmal in der Woche, am Freitag Abend, kommt seine süße Geliebte, die edle Prinzessin Sabbat, zu ihrem königlichen Bräutigam. Auf seine Wunden legt sie himmlischen Balsam, sein erkaltendes Herz begeistert sie durch glühenden Wein und durch ihre Küsse bezaubert sie ihn mit der alten Liebe. Beim Scheiden reicht sie dem Geliebten den silbernen Myrthenbecher, das köstliche Flammenlicht ewiger Liebe hin, daß der Königssohn liebestrunken und voll innerer Weihe, um der Geliebten willen ergeben wieder das harte Brod der Mühsal und der Leiden bricht. Wenn der müde Tag sich in die schimmernde Dämmerung lost, wenn die Abendröthe in heiliger Ehrfurcht betet, vereint sich Israel im Hause des Herrn, um die ersehnte Prinzessin zu begrüßen. „Lechodaudi likras kallo pene schabbos n'kabloh!" Und die Prinzessin ist gütig. Jedem reicht sie ihr Szepter hin, daß er die goldene Spitze berühre und glücklich sei. Fürwahr, wenn die herrliche Braut einziehet in die Wohnungen Israels, geht das jüdische Familienleben einem der erhabensten Momente entgegen! Die Eltern im Festeskleide von einer höheren Lust erhoben, breiten segnend die Hände über das Haupt der freudestrahlenden Kinder und sprechen den alten Segen, worauf die kindliche Seele den schönen Gruß entgegenbringt: „Gut Schabbos!" Welch reine Gottesgedanken mögen die Stirn des Familienvaters erleuchten, wenn er den Weinbecher seinen Lieben herumreicht. Da wird der volle Stolz, einem so ruhmreichen Geschlechte angehören zu dürfen, durch seine Brust wogen. Der Wandersmann, welcher den Weg der Zeiten schreitet, und vielleicht schon längstens das Judenthum vergessen bat. hört den süßen Ton der hebräischen Sabbat-Melodien an sein Ohr schlagen. Er hört und sinnt und weiß nicht, woher der Klang herangezogen kommt. Sein Herz aber sagt es ihm; denn seine Fasern sind ergriffen. Gewiß, unser Wanderer wird jetzt wankelmiithig, ob er nicht zu den lachenden Träumen seiner Jugend zurückkehren soll; denn in ihnen klingen die Harmonien, welche den reinen Seelenfrieden verheißen. Er ging in die Welt, um die Wahrheit zu suchen, um mit Ehre und Ruhm sich zu schmücken. Aber die Wahrheit hat die Welt ihm nicht gegeben, vielmehr die Liebe und den Frieden ihm aus der Brust gerissen, und bösen Kampf in sie hineingetrieben. Der Sabbat selbst ist heilig, dreimal heilig. Durch die Sabbatfeier ist ja das „stärkste Zeugniß" l für das Dasein des Schöpfers abgelegt. Wäre die > Welt, wären die taufend Welten aus einer Naturkraft j hervorgegangen, so müßte diese Kraft unausgesetzt! wirken und fortschaffen. Da das Werk in sechs Tagen! vollendet war und seitdem keine neuen Wesen mehr erzeugt. und keine neuen Kräfte mehr in die Welt gej kommen sind, so beweist dies, daß nicht aus maschinenmäßig wirkenden und immerzu fortschaffenden Naturkrästen, sondern aus einer mit Bewußtsein und Millen begabten Kraft, die aufhören kann, wenn sie ivill. was die Naturkraft nicht kann, die Welt hervorgegangen ist. Er ruhete am siebten Tag. Ruhen nach der Arbeit kann nur ein Wille, das lehrt uns Gott erkennen. Seitdem feiert die ganze Schöpfung ihren Sabbat. Deßhalb ist die richtig? Sabbatfeier von so großer Bedeutung für das Judenthum. Spät Abends, wenn schon die Sterne am Himmel keimen, versammelt üch Israel nochmals im Hause des Herrn, um dem Hochheiligen für den großen Tag zu danken, und um der Prinzessin den Nachtgesang und hiermit den Nachtgruß beim Scheiden darzubringen. Zeiturrgsrrachrichlen und Eorrefporrdenren. Deutschland. Berlin, 8. März. (Repräsentantens i tz u n g.) Herr L. Blumenreich hat dem Krankenhaus 9000 M. zugewendet, Frau Natalie Latz der Benno Latz-Stiftung 5000 M. Legate zum Zwecke der Grabeserhaltung wurden errichtet von Herrn Aron Falk 1000 M., von Herrn Louis Philipp 3000 M.. von den Eheleuten Hedrich und Rosalie Oppenheim 1000 Mark. Subventionen wurden gewährt an den Verein für Arbeitsnachweis 2000 M., an die jüdische Arbeiterkolonie 1000 M., an den israelitischen Volkskindergarten und Hort 300 M.. an den Verein jüdische Lesehalle und Bibliothek 300 M. und 200 M. extra, an das Kaiser Franz Joseph Regierungsjubiläüms-Hosvital in Karlsbad 100 M., an das Hospital in Franzensbad 200 M. Bei Punkt 7, Vorlage, betr. die provisorische Einrichtung einer gynäkologischen Poliklinik im Kran-

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