Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1904)
- Date
- 1904-03-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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438 kenhause entstand wie seit langer Zeit eine lebhafte De- ‘akob Rosenbergs, der unter 27 Flüchtlingen batte. In Berlin hat man von jeher vor der Selbstne Zeit lang Schutz gefunden hatte und sah. wie der ständigkeit eines begabten Mannes einen Schrecken geuf einem Auge erblindete Meier Weißwurm furchtbar habt, daher auch die Furcht vor dem selbstständigen it schweren Eisenstangen geschlagen und dann zu Gynäkologen. Man hat sich auch dieses Mal nach loden geworfen wurde, worauf ihm die Mordgesellen langen Reden derart geeinigt, datz man einen jungen 'it den Fingern das andere Auge ausstachen. Der Gynäkologen anstellen will, welcher der Aufsicht des ieuge selbst ist mit Wunden davongekommen, dirigirenden Arztes der chirurgischen Klinik unterstellt Bezeichnend für die Gewissenlosigkeit der Kifchiiss. — Für die Synagoge, Lützowstraße, wurde Herr ewer Antisemiten ist der Umstand, daß der von dem Michael Fiegel, ein bisheriger Besucher der alten Synarsten Prozeß bekannte Agitator Pronin telegraphisch goge, zum Vorsteher gewählt. — Die Berathung des er Kaiserin Alexandra Feodorowna die selbstverständ- Etats pro 1904/07 mußte der vorgerückten Zeit halber ich erlogene Nachricht gemeldet hat, daß die Juden von verschoben werden. tischinew sich über die Mißerfolge der Russen auf dem Berlin. Die Petitionskommission des Abgeord- Kriegsschauplätze freuen, netenhauses erledigte in ihrer Sitzung eine Anzahl Pe- Gegen die Urtheile des ersten Prozesses wird von titionen. Eine Petition jüdischer Lehrer und Vorsänger Zrivatklägern Rekurs in Petersburg eingelegt, wünscht, daß der § 4 des Besoldungsgesetzes von 1897, ■■ wonach das Gehalt, welches christliche Lehrer aus der , Kirchenkasse beziehen und mit pensionsberechtigt ist. fit£r<irtfdb££ auch auf sie Anwendung findet. Die Petition wurde. ' 1 * soweit es sich um die den Wünschen der Petenten ent- Anusner, M. A. Professor Delitzsch. Eine besprechende Aenderung des Gesetzes handelt, der Regiewiderung. Berlin 1904. Preis 0.50. Mk. rung zur Erwägung überwiesen. Rußland. Der Babel-Bibelstreit. der nachgerade einen fast komischen Beigeschmack bekommen hat, ist noch nicht zu Ende. So will es wenigstens Professor Delitzsch. Kischinew, 7. März. Ueber die Verhandlungen Seinen haltlosen, windigen Hypothesen, denen er zwei vom 4. März im Kischinewer Prozeß wird Folgendes Vorträge gewidmet hat, läßt er nunmehr den dritten berichtet: I Theil als „Rückblick und Ausblick" folgen, in dem er sich Der Zeuge Goldstein, Verwalter der Naphtamit seinen zahlreichen Gegnern auseinanderzusetzen Niederlage Gebrüder Nobel, schildert den Ueberfall versucht. seiner Wohnung. Er wehrte sich anfangs mit einem Zwar bringt er hier zur weiteren Begründung Revolver, mußte dann aber, nachdem sich über hundert seiner Thesen auch nicht das Geringste bei, ja auch nicht Exzedenten angesammelt hatten, die Wohnung den eine derselben vermag er gegen die wuchtigen Angriffe Plünderern überlassen und sein Leben durch die Flucht seiner Opponenten mit auch nur scheinbar guten Grünretten. Sensationell wirkt die Konstatirung. daß einer den zu halten. Dennoch trägt er noch immer die Sieder Angeklagten bei der Verhandlung noch den bei! germiene zur Schau, wie sehr auch der Leser bei tie- Goldstein am Ostermontag geraubten Ueberzieher trägt, fcrer Betrachtung erkennt, daß er geschlagen sich zurück- Der Zeuge bestätigt, daß die Emissäre das Volk aufge-! zieht und die wichtigsten Positionen aufgeben muß. reizt haben. Der Polizeipristaw Brzosowsky fuhr vor- Denn seine Waffen sind zerbrochen, die Rüstung arg bei. sah die Plünderungen und hinderte sie nicht. Durch I beschädigt, der Rückzug unabwendbar, festes Auftreten eines einzigen Wachmannes hätten die I Aber all das weiß er geschickt zu verhüllen, und so Banden zerstreut werden können.! mag es kommen, daß der Laie, den ja Delitzsch in erster Zeuge Wachs bestätigt, daß ein Offizier Namens Reihe im Auge zu haben scheint, mit Bibel und Bibel- Giuriari auf der Muntschesterftraße eine Räuberbande! Wissenschaft nur oberflächlich vertraut, dem flatternden zur Zerstörung jüdischen Eigenthums aufforderte.! Irrlicht folgt, von ihm sich blenden und verführen Aehnliche Aufreizungen, begangen durch die Polizisten läßt. Maxim und Baden werden von zahlreichen, auch christ-! Darum halten wir es für sehr verdienstlich, daß lichen Zeugen bestätigt. Klausner, der sich bereits als ein ebenso feinsinniger Beer C h a r i d o r. ein Bruder des ermordeten Interpret der Bibel, wie als scharfer, geistvoller Pole- David Charidor. schildert, wie er und sein unglücklicher! miker und kenntnißreicker Apologet des Judenthums Bruder von der mordgierigen Bande verfolgt, schütz-! einen klangvollen Namen erworben hat, nunmehr zum suchend den Bahnhof erreichen wollten, und unterwegs! zweiten Male mit der obengenannten kleinen Schrift eingeholt wurden, wobei sein Bruder in bestialischer! auf den Kampfplatz getreten ist, um theils sich selbst Weise todtgeschlagen wurde.! gegen die wider ihn gerichteten Angriffe Delitzsch's zu Einen grauenhaften Eindruck machte die Aussage l vertheidigen, in der Hauptsache aber, um den unerbitt-