Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1904)
- Date
- 1904-03-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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436 „An die Taufe denkt eS nicht mehr? Das isi recht , gut, die Erinnerung daran würde es nur aufregen und die vollständige Genesung verzögern. Aber dem Kinde ist ein Unrecht geschehen, ein ganz entschiedenes Unrecht. Und wenn ich mir denke, daß dieses kleine, gewissenhafte Persönchen, das lieber gedarbt hat. als daß es nichtrituell bereitete Speise genossen hatte, wenn es einmal ein sog. Matrikelzeugnitz benothigen und statt des Geburtsscheines einen Taufschein erhalten würde — nein. Herr Grünwald, einer derartigen Aufregung dürfen Sie Ihr Kind nicht aussetzen. Wir können nicht in die Zukunft sehen, können nicht wissen, unter welchen Umständen, in welchen Gesundheitsverhältnissen Ihre Tochter dereinst ein Matrikelzeugnitz gebrauchen wird. Nach ihrer gegenwärtigen Anschauungsweise zu urtheilen. würde sie in Verzweiflung gcrathen. wenn sie erfahren würde, datz der Staat sie als Christin be trachtet." „Sie haben recht, dem mutz ich Vorbeugen. Ich werde noch heute meinen Rechtsanwalt beauftragen, das Erforderliche einzuleiten, hoffentlich wird es gehen, ohne datz das Kind davon erfährt." „Hauptsache ist. datz Frau Grünwald nichts davon erfährt." , „Das unterliegt keiner Schwierigkeit. Also Herr Doktor, ich rechne darauf, datz Sie Frieda täglich besuchen." „Vorausgesetzt, datz es meine Zeit erlaubt, will ich es versprechen." Kesiler's Vermuthung bestätigte sich, es ward dem Bankier durchaus nicht leicht, seine Frau dem Plane geneigt zu machen, ihr Kind für längere Zeit im Hause des Verwalters zu lassen. „Aber ich bitte Dich um's Himmelswillen, was würde die Welt dazu sagen?" „Nichts würde sie dazu sagen, denn alles, was sie dazu sagen könnte, hätte sie bereits gesagt, da wir sie für die nächsten Wochen doch jedenfalls noch dort lassen müssen." „Wir müssen sie dort lassen? Das kann man doch nicht behaupten. Du und Keßler, Ihr wollt sie dort haben." „Aus zwingenden Gründen, und jemehr Du das bestreitest, desto mehr überzeugst Du mich von der Noth- Wendigkeit." Sie zuckte die Achseln. „Mit Dir wird man nicht fertig. Wenn ich nur wüßte, was ich den Leuten antworten soll, wenn sie fragen, warum das Kind bei den Verwaltersleuten ist." „Wenn mich Jemand fragen lvird, so werd' ich ganz einfach den Sachverhalt erzählen, daß das Kind dem sterbenden Großvater versprochen hat. so zu leben, wie er gelebt, und datz es detzhalb nur rituell zubereitete Speisen genießen will. Das wird Jedem einleuchten." „Ach. Unsinn! — Frieda ist Christin, und daß eine Christin koscher essen will, das ist Blödsinn, das wird keinem vernünftigen Menschen einleuchten." „Ja, warum ist sie Christin? Das ist doch nur Deine Schuld, gegen ihren und gegen meinen Willen Haft Du sie taufen lassen; und obgleich ich Dich dringend gebeten habe, vorläufig noch alles beim alten zu lassen, hast Du doch die jüdische Haushälterin fortgeschickt und dadurch das Kind krank gemacht. Jetzt mutzt Du Dich mit dem abfinden, was die Welt darüber spricht, mir ist das bereits vollständig gleichgiltig." „Ja Dir. Dir. Du elender Jud! Der Du keinen Funken von Ehrgefühl hast. Aber mir das zuzumuthen! — mir! Bei meinem zartbesaiteten Gemüth —." Sie brach in Thränen aus und warf sich händeringend auf das Kanapee. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich *weIma 1, 53ontags und Donnerstag««, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt aanzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drv Buchhandel verkehrt durch D. 5. 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Breslau Potsdam. Bad Kissmgcn. Stuttgart. Adelsherm. Le,«.erreich: Wien. Ungarn: Budapest. — Sprechsaal: Karlsruhe. — Feuilleton Wahrheit und Dichtung (Fortsetzung). . ... IndaU der ersten Beilage: Sabbat. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Rußland: Kischmew. — Literarisches. — Vermischtes. Jntialt vtr iweitr« Beilage: Ei» Interview mit Herrn v. Plehwe. - Zeitungsnachrichten und Corrrspoudeazen: Deutschland : Memel. Rußland: Petersburg. Erlra-StUag«: Spenden-Verzeichniss«. Verantwortliche Redactlon: £}8ccr Lehmann in Mainz. — Expedition deS JSfisnelti". SchottstraßLRr- & Mainz. Druck und Verlag der Job. WirtblLen vosbuchdruckerei Uctien-GefeSMaft in Merz» drei Beilage«.