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Der Israelit · 1904-03-10 · Heft 20 (10.3.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 20 (10.3.1904)
Date
1904-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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43S das Auge so stark verletzte, daß er die Unfallstation aufsuchen mußte. Selbst Frauen, die vor den tobenden Antisemiten flüchteten, wurden zu Boden geworfen und unter wüsten Beschimpfungen mit Füßen getreten. Nachdem die Antisemiten sämmtliche im Saale anwesenden Gegner hinausgeworfen hatten, ging die Schlägerei im Garten weiter fort, ohne daß die Polizei cingeschritten wäre." BreSlau, 8. März. Eine nichtsnutzige Denunziation leistet sich der „Gornoslazak" (der „Oberschlesier"), in welchem die politischen Anschauungen und Bestrebungen des nationalpolnischen Reichstagsabgeordneten Korfanty vertreten werden. Dieses in Kattowitz erscheinende Blatt schreibt in seiner Nummer von: 27. v. Mts.: „In letzter Zeit kommen massenhaft aus Rußland Flüchtlinge über die Grenze. Es sind meistens junge jüdische Handwerker. Schlosser, Tischler und dergl., die vom Militärdienst desertiren. In Bendzin (auf russischer Seite), hat sich ein Agent niedergelassen, der die Flüchtlinge massenhaft über die Grenze schafft, die Grenze wird zwischen Czelads und Milowitz überschritten, dann sammeln sich die Flüchtlinge in Burewicz und begeben sich sodann nach Myslowitz, wo sie vom Bureau Wichmann weitertransportirt werden. Die Juden sind meistens der polnischen und deutschen Svrache sehr wenig mächtig. Sie erzählen, daß sie vor allem aus Rußland nach dem Kriegsschauplätze bestimmt werden sollten." Wir wissen nicht, inwieweit die Angaben des „Gornoslazak" den Thatsachen entsprechen. Jedenfalls ist diese Preßleistung des Polenblattes eine reizvolle Illustration zu dem von ihm zur Schau getragenen Russenhasse. Auf der einen Seite schimpft es auf die moskowitische Gewaltthätigkeit und auf der anderen leistet es ihr freiwillige Schergendienste. Eine solche Handlungsweise charakterisirt sich selbst. Potsdam, 8. März. Ein Verbot des Schächtens wird der Potsdamer Magistrat, wie er der Stadtverordnetenversammlung mitgetheilt hat, noch im Laufe dieses Jahres bei der neuen Betriebsordnung für den städtischen Schlachthof erlassen. Seit Jahren hat das Schächtverbot die Potsdamer städtischen Behörden beschäftigt. Erst als eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, die Stadt Angermünde betreffend, vorlag. trat der Potsdamer Magistrat auf wiederholtes Drängen der Stadtverordnetenversammlung der Sache näher, nachdem der Thierschutzverein das Schächtverbot aus ..Humanitätsrücksichten" angeregt hatte. Bad Kissingen, 7. März. Kaum drei Jahre sind verflossen, seitdem durch Dr. med. Münz- Bad- Kissingen (Nürnberg) der Gedanke angeregt wurde, in dem durch seine heilkräftigen Quellen (Rahoczy-Brunnen. koblensäurehaltigen Soolbäder) berühmten Bade Kissingen eine israelitische Kinderheilstelle zu errichten. und jetzt ist Dank der Energie und der Wohlthätigkeit einer Reihe edler Menschenfreunde das Werk so weit gediehen, daß heute der Grundstein zum Bau der Anstalt gelegt werden konnte. Die Bauleitung liegt, wie wir hören, in den Händen des bewährten Architekten Krampf. Die Anstalt, in idyllisch schöner Lage errichtet. stellt sich als ein einfacher, solider Bau im Renaissancestvl dar, der in seiner inneren Gestaltung allen Bedingungen moderner Hygiene Rechnung tragt. Im Souterrain befinden sich zwei getrennte Kuchen, die Wohnung des Inspektors sowie einzelne Badekabinen. Das Paterre enthält die Schwesternzimmer, das Ordinations- und Operationszimmer des Arztes, geräumige Speisezimmer und Veranden für die Kinder; im ersten Stock befinden sich die vier großen und luftigen Schlafsäle für je 5—8 gleichaltrige Pfleglinge desselben Geschlechts, sowie einige Ertrazimmer für Kinder. Dementsprechend sind die anderen Räume in geeigneter Weise vertheilt. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß die israelitische Landesheilstätte in Bad- Kissingen die einzige derartige Anstalt in Deutschland ist, welche eigene Soolzuleitung besitzt, so daß die Kinder in der Anstalt selbst ihre Bäder gebrauchen können. Der Vau wird so gefördert, daß die Anstalt bereits Mitte Mai 1905 eröffnet wird. Es finden kranke, schwächliche, in der Enttoicklung zurückgebliebene Kinder aus allen Theilen Deutschlands — die armen unentgeltlich Aufnahme; in erster Linie finden aber Kinder aus solchen Gemeinden Berücksichtigung, welche das Unternehmen entsprechend gefördert haben. Wiewohl auch jetzt, wie es in einem diesbezüglichen Aufrufe heißt, einmalige Spenden willkommen sind, so wird doch das Hauptgewicht auf die Sammlung jährlicher Beiträge für den Unterhalt der Anstalt gelegt. DaS gute Werk spricht für sich selbst; möge es von Neuem viele edle Gönner und Freunde finden. Alle Beiträge sind an Herrn Bankier Wilhelm Ottensooser in Nürnberg. alle anderen Mittheilungen an Herrn prakt. Arzt Dr. med. Münz (Nürnberg), Sommer in Bad- Kissingen zu richten. I. R. Stuttgart, 7. März. Vor einigen Tagen verstarb hier im 72. Lebensjahre Geh. Hofrat Ezechiel Pfeifer, der sich durch seine philanthropische Thätigkeit großer Achtung im ganzen Lande erfreute. Sr. Maj. der König ließ den Hinterbliebenen seine Theilnahme bezeigen. Heute war eine Trauerfeier für den Verstorbenen in der Leichenhalle des isr. Friedhofes, der auch Negierungsrath Nike! hier und die bürgerlichen Kollegien Cannstatts mit Oberbürgermeister Stahl an der Spitze anwohnten. Bezirksrabbiner Stößel hielt die Trauerrede. Die Zöglinge des isr. Waisenhauses eröffneten die Feier durch einen erhebenden Gesang. AdelShcim. Am Samstag, den 5. März, feierte die hiesige Gemeinde das Fest der 25jährigen Thätigkeit des Herrn David Wertheimer als Vorsteher der

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