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Der Israelit · 1904-03-07 · Heft 19 (7.3.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 19 (7.3.1904)
Date
1904-03-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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414 London. (Das Andenken der in Südafrika gefallenen jüdischen Soldaten.) Der Londoner Verein „Maccabaean" und die ..Gesellschaft für jüdische Geschichte" vereinigten sich zu einem gemeinsamen Komitee, welches den Zweck hat, das Andenken derjenigen jüdischen Soldaten — 127 an der Zahl — welche in den Reihen Englands kämpfend, im englifch-burischen Kriege ihr Leben ließen, für ewige Zeiten zu sichern. An der Spitze die-- ser Bewegung steht Colonel Goldfmith als Präsident, der auch einen Ausruf an alle jüdischen Vereine, sowie auch an alle Juden als solche, ohne Unterschied der Partei und des Standes mit der Aufforderung richtete, durch ihr Schärflein das vorgestreckte Ziel erreichen und zu einer würdigen Dankeskundgebung der Juden Englands gestalten zu helfen. Das Vorhaben findet auch die Unterstützung sämmtlicher Rabbiner. Lord Rothschild erscheint als Erster mit einer Zeichnung von hundert Pfund Sterling. Rußland. Petersburg. (Die Juden in Livland und Kurland.) Der russische Senat ha? vor einigen Tagen in einem konkreten Falle die wichtige prinzipielle Entscheidung getroffen, daß den Juden, welche sich bis zum Jahre 1880, sei es in gesetzlicher oder ungesetzlicher Form in den obengenannten Gouvernenients niederließen, ohne Unterschied das Wohnen daselbst gestattet bleibt. In letzterer Zeit wurde nämlich die Praxis geübt, das Wohnen in Livland und Kurland nur solchen Juden zu gestatten, welche sich vor dem Jahre 1880, jedoch nur auf gesetzlichem Wege, z. B. Handwerker u. s. w. niederließen. Moskau. (Ausweisung der sibirischen Juden.) Blättermeldungen zufolge hat die russische Regierung sämmtliche Juden aus Tomsk. Omsk, Irkutsk und aus anderen Städten an der transsibirischen Eisenbahn ausgewiesen. Die Juden haben Protest gegen diesen Befehl eingelegt, aber die russischen Beamten erklären, daß die Maßregel nothwendig sei. weil die Juden in dem ganzen russischen Staatsgebiet den Hochverrath begünstigten und man deßhalb befürchten müsse, daß sie militärische Geheimnisse über den Transport und die Disposition der Truppen an Japan gelangen lassen würden. Die Führer der Juden erklären dies für eine grobe Verleumdung, aber trotzdem werden sie ihre Heimstätten verlassen müssen. „Daily Expreß" behauptet, die russische Regierung habe ihnen die Benutzung der Eisenbahn zur Rückkehr nach dem europäischen Rußland verweigert. Die armen Leute hätten auf diese Weise Strecken von 1500 bis 2000 englische Meilen zu Fuß zurückzulegen. Außerdeni sollen ober die russischen Beamten Befehl erhalten haben, die Wanderer nicht zu unterstützen, so daß diesen nicht einmal möglich wäre. Nachts Unterkunft zu finden. Die Zahl der zu dieser furchtbaren Reise verurtheilten Juden wird auf 2—3000 Köpfe angegeben. Feuilleton. Wahrheit und Dichtung. Von Friedrich Rott. [2q Tie hochgeborene Dame hatte bei dieser Gelegenheit so großes Gefallen an dem sympathischen Wesen des jungen Arztes gefunden, daß sie darauf bestanden hatte, ihm müsse auch die weitere Behandlung übertragen werden. Ihrem Gatten war dieses keineswegs angenehm, dringend hatte er sie gebeten, den Sanitätsrath Winter, ihren langjährigen Hausarzt, nicht zu brüskiren, ihn wenigstens an der Behandlung Theil nehmen zu lassen. Doch vergebens, die Gräfin hatte wie gewöhnlich, ihren Willen durchgesetzt. Es war ein etwas eigenthümliches Verhältniß zwischen den Gatten. Vor sieben Jahren hatten sie einander kennen gelernt und waren sofort in heißer Liebe für einander entbrannt. Allerdings behaupteten böse Zungen, daß die leidenschaftliche Liebe seinerseits mehr den Millionen der Baronesse Holm gegolten, als ihrer Persönlichkeit; desto uninteressirter war ihre Neigung, diese konnte einzig und allein der Persönlichkeit des Grafen gelten, der in einer wild verlebten Jugend sein reiches väterliches Erbe nahezu vollständig vergeudet hatte. Deßhalb weigerten sich auch die Eltern der Baronesse lange, in die Verbindung ihrer Tochter mit dem Grafen zu willigen. Aber Stephanie war das einzige Kind ihrer Eltern, war von jeher ihr Abgott gewesen, nie waren sie im Stande, ihr für die Dauer irgend etwas zu versagen, und so siegte ihre Beharrlichkeit auch jetzt. Aber Baron Holm hatte das Vermögen seiner Tochter möglichst zu sichern gewußt vor dem Leichtsinn seines Schwiegersohnes, der ohne die Zustimmung seiner Gattin über nichts verfugen konnte. Trotzdem oder vielleicht mit deßhalb war die Ehe des gräflichen Paares keine unglückliche; der Graf war in jeder Beziehung der gehorsame Diener seiner Gattin, die dafür wohl auch einmal ein Auge zudrückte, wenn ihr etwas über eine nicht allzu kostspielige Liaison des Grafen mit einer Dame des Ballets oder dergleichen zu Ohren kam. So hatte er auch jetzt den jungen Arzt, der noch keinen Nomen hatte, auffordern müssen, die Behandlung der Gräfin zu übernehmen. Er brauchte jedoch sein Vertrauen nicht zu bereuen, der Professor einer benachbarten Universitär, der hin und wieder zu Rathe

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