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Der Israelit · 1904-03-07 · Heft 19 (7.3.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 19 (7.3.1904)
Date
1904-03-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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413 judenfeindlichen Charakter an sich trugen. Die durch die Weiterverbrritung der Scha-m.^är überaus erregte Menge stürzte sich in die Wohnungen der Juden, um bei ihnen Hausdurchsuchungen vorzunehmen und überfiel auf der Straße jüdische Paffanten, die von den Exzedenten mit Steinen beworfen und mit Stöcken geschlagen wurden. Wüthend verfolgte der Pöbel jene Juden, welche durch dir Flucht sich vor dem Anschläge zu retten suchten. Vom Viehmartte zogen immer größere Bauernmassen heran und machten vor dem Hause des Schuhmachers Leiser Burg, in das sich einer der arg verfolgten Juden Namens Eisenberg geflüchtet hatte, für kurze Zeit Halt, um hier die Fensterscheiben zu zerschlagen und die Fensterrahmen herauszureißen. Gleich darauf eroffnete die Menge auch gegen die Nachbarhäuser ein Steinbombardement, tvodurch in den Wohnungen Spiegel. Lampen und andere Einrichtungsstücke zertrümmert wurden. Durch die Steinwürfe erlitten auch die Bewohner Verletzungen. Ein Thcil der Exzcdenten zog nach dem Ringplatz, wo die Häuser der Juden ebenfalls mit Steinen beworfen und die Maaren der jüdischen Kaufleute geplündert wurden. Die Lage der angegriffenen Juden war sehr bedenklich. Während die Polizeiwachleute den blutüberströmtcn Handwerker Nackmiel Bier, auf den die Bauern mitleidlos einhieben, zu schützen sich bemühten, mißhandelte eine andere Gruppe die Juden Selig Burg. Majer Burg und Juda Karpel, welche schwer verletzt würden. Es entstand unter den jüdischen Einloohuern eine derartige Panik, daß sich viele derselben in den Kellerräumlichkeiten der Häuser verbargen. Der Rädelsführer der Exzedenten stürmten das Haus des Salomon Dulberg unter dem VorZeben, daß sie da die Leiche der von den Juden ermordeten Bäuerin auffinden müssen. Dulberg wurde durch die Straße geschleppt. geschlagen und am Bart gezerrt; erst als Gendarmen herbeikamen, gelang es, ihn den Händen seiner Peiniger zu entreißen. Nur mH schwerer Mühe war es möglich, den Mob vom Ringplatze zurückzudrängen. Die Exzedenten waren der Ortsbevölkerung zum grö-' ßeren Theile nicht bekannt, weßhalb im Verhältnis zu der Ausdehnung des angerichteten Schadens nur eine geringe Anzahl von Schnldtragenden ausgesorscht werden konnte. Unter denen, die am eifrigsten die Bauern zu Zusammenrottungen haranguirt. Juden und Jüdinnen mißhandelt und großen Schaden angerichtet hatten, befanden sich die Kleinbürger Skalski und Krzywiecki, von denen der erftere Tische, Banke und Zäune zerbrochen, wie auch Pflocke an die Dauern verthrilt hatte, damit diese auf die Juden losschlagcn. — Den Vorsitz in der Verhandlung fuhrt Laudesgerichtsrath Karatnicki: in die Vertheidigung der Angeklagten theilen sich Dr. Trvlowski und Rath Morawski, als Vertreter der Beschädigten treten die Advokaten Dr. Cchorr und Dr. Zipfer auf. Czernowih. (Zu den Judenexzessen bei Z a b l o t c Vor dem Erkenntnißsenate des hiesigen Laudesgerichtes halten sich heute mehrere Insassen des Ortes Piedckuts bei Zablotow wegen Hausfriedensbruches und Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit zu verantworten. Die Anklage schildert die bekannten Exzesse in Zablotow als typische Judenexzesse. bei denen Hab und Gut vieler Juden vernichtet wurde. Der Staatsanwalt forderte des warnenden Beispiels wegen doppelt strenge Bestrafung der Exzedenicn. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes Olinsli sprach alle Angeklagten schuldig und verurthcilte Pruszkowski zu einem Jahre schweren Kerkers, verschärft mit einem Fasttag monatlich, Bednar zu siebzehn Monaten. Charina. Fedoczek und Szokan zu je acht Monaten verschärften Kerkers. Chrndinr (Böhmen). Am 25. Februar wurde hier der Religionslebrer des hiesigen Kultusvereins. Moritz G o l d s ch m i d 1. der zwanzig Jahre hier ersprießlich gearbeitet bat, zu Grabe getragen. Zu dem Leichenbegängnisse hatten sich eingefunden: Statthallereir.rth von Liebensteger, Bczirkskommissar Sobotlo. Erzdeckant Dr. Birsiok, die Katecheten aller Lehranstalten. der evangelische Pfarrer, der Bezirksschul- Jnspektor Veprenel, die Direktoren und Lehrkörper der Volks- Und Bürgerschulen mit der Schuljugend, die Kultnsvorstände und die Rabbiner von Pardubitz und Hermankrestitz. Auf dem Friedhöfe hielt der Rabbiner Hochwald einen tiefempfundenen Nachruf. England. London. (Polnische Juden in den Kohlenbergwerken Sch o t t l a n d s.) Mr. Markham hatte jüngst an den Staatssekretär des Innerndie Anfrage gerichtet, ob ihm bekannt sei, daß in den Kohlenbergwerken Englands 4000 polnische Juden, die der englischen Sprache unkundig seien, arbeiten und eben tvcgcn dieser Unkenntniß eine ständige Gefahr für die Sicherheit in den betreffenden Kohlenwerken bedeuten. Falls dem Minister diese Thatsachen bekannt seien, möge er sich äußern, ob er Schritte unternehmen wolle, um die fernere Verwendung solcher fremder Elemente in den Kohlengruben zu verhindern. Der Staatssekretär Akers Douglas beantwortete diese Frage in folgender Weise: Meine Jnforination über diese Angelegenheit, die das Staatssekretariat des Innern seit einigen Jahren beschäftigt, weicht von jener des verehrten Interpellanten einigermaßen ab. Sorgfältige Nachforschungen in den schottischen Kohlenwerken, wo 1200 polnische Juden beschäftigt sind, haben ergeben, daß die Leute in keiner Weise eine Gefahr für die anderen Arbeiter darstellen. Ich habe mich selbst überzeugt, daß die fremden Arbeiter in den Gruben über ihre Pflichten belehrt werden, und ich sehe mich daher nicht veranlaßt, gegen die polnisch-jüdischen Arbeiter irgend welche Schritte zu unternehmen.

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