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Der Israelit · 1904-03-07 · Heft 19 (7.3.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 19 (7.3.1904)
Date
1904-03-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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412 chkn einen Brief an seinen Vater, bat ihn um Verzeihung und wurde van diesem abgeholt. Die Brüder Äzga wurden vom Kreisgerichte Sambor, wegen Entführung einer Minderjährigen verurtheilt, und zwar Kasimir zu sechs Monaten, Franz zu sechs Wochen Kerker. Franz Bzga brachte Beschwerde gegen das Urtheil ein. das aber vom Kassationshofe, unter Vorsitz des Hofrathes Hofmoll, verworfen wurde. Das Mädchen ist seither zum jüdischen Glauben zurückgekehri und hat einen jüdischen Kaufmann geheirathet. der 20 Jahre hier ersvrießlich gewirkt hat. Wien. (M achsike hadath.) Trotz der kurzen Zeit seines Bestandes hat dieser Verein bereits eine Reihe segensreicher Institutionen in's Leben gerufen. die es wohl verdienen, daß die jüdische Öffentlichkeit von ihnen Notiz nehme. In dem Hause. II., Nestroygasse 4, hat der Verein ein geräumiges Lokal ausgenommen, welches außer den Wohnräumen für den Diener drei schöne Zimmer enthält. Zwei derselben sind den Zwecken des Beth-hamidrasch gewidmet und eines für Unterrichtskurse in hebräischer Sprache, durch welche die Jugend für die Tendenzen des Vereins gewc-uncn werden soll. Nebstdem hat der Verein eine Institution in's Leben gerufen, welche die altehrwllrdige jüdische Tugend der Gastfreundschaft zu neuen Ehren bringen will. Gewiß fehlte es auch bisher nichr an Vereinen und Institutionen, welche sich der leiblichen Nothdurft unserer armen Brüder annahmen. allein während jene sich auf eine Ausspeisung beschränken, will der Verein „Machsike hadath" dieser Mohlthat auch die echt jüd. Würze hinzufügen, indem er den Aermsten noch die seelische Erhebung bietet, die nur in der häuslichen Behaglichkeit genossen werden kann. Es ist für jedes jüdische Gemüth ein erhebender Anblick zu beobachten, wie am sabbatlichen Tisch über die verdüsterten und finsteren Züge der Armen allmählich ein Heller Schimmer heraufzieht und die Gesellschaft schließlich in gehobener Stimmung die üblichen Tischgesänge anstimmt. All diese Errungenschaften sind in erster Linie dem Eifer des verdienstvollen Obmannes. Herrn Solomon M e i s e l s . zu danken, der zwar ein Greis an Jahren, aber an Begeisterung es mit jedem Jüngling aufnehmcn kann. Er widmet dem Verein nicht blos seine nie rastende Thätiakeit, sondern auch einen großen Theil der Mittel, deren derselbe bedarf. Mögen alle edlen Menschenfreunde und Gesinnungsgenossen auch ihrerseits dem Vereine mit einem Schärflein beispringen, zumal gerade in der ersten Zeit die Schwierigkeiten und Anforderungen groß sind, und insbesondere ergeht an alle Glaubensgenossen die Bitte, all? irgendwie entbehrlichen jüdischen Bücber dem Vereine zur Verfügung stellen zu wollen. Efzeriioloitz. (Eine Zwangstaufe.) Am 9. Juli v. I. erschien Jtzia Drasinower in Czornohnzy bei dem Bauer Pavlj Osvadink, um mit diesem die Uebernahme einer Feldarbeit zu vereinbaren.. Kaum > war Drasinower eingetreten, schloß der alte Osvadink die Thür und forderte den Gast auf, sofort sich taufen zu lassen. Drasinower ist orthodoxer Jude, er wies das Ansinnen mit einem entrüsteten „Nein!" zurück. Da packten die Frau und der Sohn des Osvadink den Mann und hielten ihn bei den Händen fest, während Osvadink sein Rasiermesser holte und sofort dem Juden die Schläfenlocken abschnitt und ihm dann seinen wallenden Vollbart abrasirte. Nicht genug damit, wurde dann ein hölzernes Kruzifix" geholt und Drasinower mußte es, da Osvadink ihm den Hals abzuschneiden drohte, dreimal küssen und feierlich erklären, er sei jetzt ein Christ geworden. Gestern halten sich vor einem Erkenntnißfenate des hiesigen Landesgerichts die Mutter und der Sohn Osvadink wegen Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit zu verantworten. Pavli Osvadink ist seither gestorben. Die beiden Angeklagten schoben alle Schuld auf den Verstorbenen, erklärten jedoch, daß Drasinorver sich freiwillig der Prozedur unterzogen habe. Drasinower erzählt, daß er nach dem benachbarten Lapuschnag gehen und dort drei Monate in verschlossenem Zimmer verbringen mußte, bis ihm wieder der rituelle Bart gewachsen war. Drasinower sprach einen dreimonatlichen Verdienstentgang an, da er sich während dieser Zeit von seinem Geschäfte zurllckziehen mußte. Der Gerichtshof erkannte beide Angeklagte schuldig und verurtheilte Katharina Osvadink zu sieben Monaten. den 19-jährigen Anton Osvadink zu sechs Monaten schweren Kerkers. Lemberg. (Die antisemitischen Exzesse i n Z a b l o t o w.) Eine Affaire, die seinerzeit viel, besprochen wurde, gelangte dieser Tage vor dem Kreisgerichte in Kolomea zur Verhandlung. Es haben sich nämlich Jlko Wakaluk und dreißig Genossen, darunter vier Bäuerinnen, wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit zu verantworten, weil sie am 11. September 1903 in Zablotow unter Umständen, die für die jüdische Bevölkerung besonders bedenklich waren, aus Bosheit das wissentlich falsche Gerücht verbreiteten. die Juden hätten ein Bauernweib erschlagen. Hierdurch wurde, wie die Anklage sagt, eine Gefahr für das Leben, die Gesundheit, die körperliche Sicherheit und das Eigenthum der jüdischen Einwohner von Zablotow herbeigesührt und die Menge zu gewaltthätigen Handlungen gegen die Juden angeeifert. Auch nahmen die Angeklagten selbst an den Ausschreitungen Theil. Wie erinnerlich, kam es am 11. September v. I. im Städtchen Zablotow während eines Jahrmarktes. welcher von mehreren tausend Bauern der Umgegend besucht war. in Folge des in böswilliger Weise verbreiteten falschen Gerüchtes, daß die Juden eine Bäuerin ermordet und der Baarschast von 300 fl. beraubt hätten, zu Ruhestörungen, die einen prononzirt

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