Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1904)
- Date
- 1904-03-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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4iO »■np toptÄ gewidmet, ihren Zweck noch nicht in vollem Maße erfüllten, so ordneten sie uns die täglichen wfr»en an: Gott wollte uns nicht die Pflicht auferlegen, zu Ihm zu beten, denn dieses mußte der Initiative des Menschen iiberlassen bleiben nxro pn ds» *T2 bzrt emr Desto größer ist aber deßhalb der Werth des Gebetes bei Gott, und leinen Entschluß Gottes gibt es, außer wenn durch rwzv besiegelt, der nicht durch inniges Gebet .zu Gott wieder aufgehoben werden könnte. Das Gebet war im Gegensatz zu iev, welchem gesagt wurde ,,rrnn -jm by „durch dein Schwert sollst du leben, die einzige Waffe im Kampfe Jahrtausende hindurch gegen alle Unbilden, die Israel und seinen Nachkommen widerfuhren und das Gebet, wenn es innig zu Gott aufstieg. hat noch nie als Rettungsmittel versagt, mögen die Gefahren, die gegen Israel entstanden. noch so groß und unüberwindlich geschienen haben. ' Um den oben angeführten Zwecken der nb'vr, zu entsprechen, haben unsere Weisen dieselbe eingetheilt in ein Morgengebet, entsprechend dem tu? bv tcd, in ein Abendgebet, entsprechend dem bv -rcn Daiyn und in das D*>yo Gebet omai d'-cx -13*3. Von diesen drei ist das Morgengebet die Hauptsache; am Morgen, wenn der Mensch sich von seinem, dem Tode ähnlichen Schlafe erhebt, ist er gleichsam wieder neu erschaffen und frisch gestärkt und gekräftigt, ist er am leichtesten im Stande, seine Gedanken zu sammeln, und ungestört von den Sorgen des Tages kann er dem Dienste Gottes sein ganzes „Sein" widmen ^21 'n rx nrcj w 7102 'ö —r nncxn www-te ranp c» rx '21p daher gehen auch der eigentlichen ridwri, worunter wir das y*» verstehen, eine große Anzahl mnawiv tot» dtdö. voran, um unserem Geiste die nöthige Weibe zum eigentlichen Gebete zu geben und durch nach und nach erfolgende Concentrirung unserer Gedanken auf die Größe und Unendlichkeit, Ewigkeit und Allmacht unseres Schöpfers, unserer Leidenschaften Herr zu werden. Mehr aber noch als alles dies, ist etwas im Stande, unser Herz demüthig zu machen; das ist die Betrachtung der Nichtigkeit alles Irdischen, besonders aber des Menschen und seines Wirkens hier auf Erden. Wenn wir die Augen aufschlagen vom nächtlichen Schlafe, so waren wir dem Tode näher nwvn dpdö 'X nr» (Der Schlaf ist ein Sechzigstel des Todes); wie. wenn uns Gott nicht wieder zu neuem Leben erweckt hätte, wo wären alle unsere Pläne geblieben, die bisher unser ganzes Leben s 0 erfüllten, als wenn wir nur um des Irdischen willen geschaffen worden lvären. Was würde aus unseren Geschäften, was aus unserem ewigen Jagen nach Genuß und Rejchthüme.rn, was nützte uns all die unendliche Mühe und Plage, mit der wir den irdischen Gütern von Morgens bis Abends nachstreben? Alles war nichts, alles umsonst, .'alles müssen wir. verlassen. um einem höheren Richter Rechenschaft zu geben über die Verwendung unserer Zeit und unseres Lebens. Wie kläglich diese Rechenschaft oft ausfallen müßte bei Vielen von uns, das zu bedenken, veranlaßt uns unser tägliches Gebet am Morgen. Nachdem wir Gott gedankt, daß er uns zu neuem Leben erweckt, uns mit gesunden, geraden Gliedern zu neuem Schaffen erstehen ließ (die ersten irana bis ddö c^cn Vc*3> führen wir uns zu Gemüthe in pr» \t wie nöihig uns der Schutz des Ewigen sei; daß er uns retten möge vor der Berührung mit frechen Menschen, mit schlechten, bösen Nachbarn; vor unglücklichen Zufällen, und vor strengem Gericht und Richtern; dann erkennen wir an. daß wir unsere Bitten nicht aus unsere guten Thaten stützen können, sondern nur auf Seine Barmherzigkeit, und indem wir ausrufen: Was sind wir. was unser Leben, was sind unsere guten Thaten etc.?, schließen wir in '.in crvvya sr» -o „die meisten Thaten der Klügsten unter uns sind „Jrrthümer", ihre Tage sind „Hesel". und der Vorzug des Menschen vor dem Thiere ist winzig — denn Alles ist eitel und vergänglich?! Wenn wir das jeden Tag beherzigen wollten. und nicht die Trfillah hersagen möchten, ohne Sinn und Verständnis:. wahrhafig unser Gebet würde anders aus unserem Herzen über unsere Lippen fließen!! Dann fahren wir fort in yrux bis, uns. die Söhne Deines Bundes, hast Du auserwählt zu Deinem Dienste. Du liebst uns und freust Dich über uns. darum müssen wir Dir danken in aller Ewigkeit. Wer von uns könnte dann die weiteren Sätze, mit Verständniß gesprochen, beten, ohne von höchster Begeisterung ergriffen zu werden: daß Er unser Gott im Himmel und auf Erden, der Erste und der Letzte sei. einzig und Niemand außer Ihm. Er, der Schöpfer des ganzen Weltalls; Er möge sich erbarmen und uns wieder zurückführen in unser Land, damit wir Seinen Ruhm verlünden könnten vor der ganzen Welt." Das sind die Gebete, die wir vor -ex» 7*0. sagen und von denen wir glauben, daß sie besondere Beherzigung nicht brauchen, denn bei deren Rezitirung erlauben wir uns nicht selten noch Gespräche anzuknüpfen, mit unseren Nachbarn in der Synagoge und uns von den Neuigkeiten des Tages zu unterhalten. Ob dabei oft ein Lärmen in der Synagoge entsteht, daß man den Vorbeter kaum versteht, das macht nichts, das ist ja Alles noch vor '«rr» 712 Auf diesen Punkt wollen wir jedoch später zurückkommen. Nachdem nun die Recitation der rras-pn rvv uns daran erinnert, daß unsere ein Ersatz für die in früherer Zeit dargebrachten Opfer sein soll nvbvn rnE» Die fangen wir dann an 'm tx» 713 zu sagen. (Es ist dies ein Lob Gottes, so hoch erhaben und großartig, daß es verdiente, etwas langsamer und | mit mehr Andacht vorgetragen zu tverden. als eS! meistens geschieht.) Wenn wir dann die nachfolgenden