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Der Israelit · 1904-03-03 · Heft 18 (3.3.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 18 (3.3.1904)
Date
1904-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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namljafi geniachren Entlastungszeugen und Zeuge Hendrich berichtete über die Agitationen vor Ostern; er kenne selbst einen christlichen, als judenfeindlich bekannten Richter, der kurz vor Ostern regelnlästig eine große Gruppe Leute aus dein Volte u:n sich versammelte, um ihnen aufreizende Artikel aus dein Bessara- Leg vorzulesen. Durch das Eingreifen des Kiewer Rechtsanwalts Kupernil, des Vertreters der Privatlläger, nimmt das Zeugenverhör wieder eine größere Ausdehnung an. Heute wurden nur zehn Zeugen verhör!, 270 sind noch ZU vernehmen. ZerLrrrrgSrrLÄrLchLerr rrrrD EorrespoRdsN^K. Deutschland. Borst in, 28. Febr. Der Vorsitzende erösfneie die heutige Repräsentantensttzung mit der Mittheilung, daß die neue Synagoge in der Rytestraße, nach dem in der Kuisersirasie eingeführien Ritus, ohne Orgelbegleiiung, kurz vor den Lohen Festtagen eröffne! rvürde. — Frau Ernm.cline Fidelinann hat dem Hospiwl .70.000 M. ge schenk:. — Der Rechnungsabschluß d.. Haupi!affe pro 7902/2 wird vertagt. — An die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Iudenthums wi'st ein Jahresbeitrag von 1500 M. bewilligt,' zur 'Anschaffung est;es Flügels für die Lehrerbildungsanstalt 7200 2-0 — Für Reparaturen in der Synagoge Lüyowstraße werden 10.50 'io. bewilligt. — In den Vorstand der Krankenhauses wurden neugewählt, außer den Herreu Wittkowski, Boginsty, Landau. Herr Arthur Tamory. — Alles dieses spielte sich innerhalb einer halben Stunde ab. ü. R. F-raukfurt a. An. nD ' e 0r a n - u r t e r I u d e n.) Der Rechtsanwalt Sr. WeranRr D i e y - Lejcune hat seine neuesten Frankfurter St.wien auf das Frankfurter Ghetto ausgedehnt und veria;te:e dicher Lage in einem interessanten Vortrag, den er in der Frankfurter Loge hielt, über das Resultat seiner Forkeyungen. <me Laven „O'-yll Alter und Her tun? t" der Frankfurter Juden zum Gegenstand und gehen bis in's dreizehnte Jahrhundert zurück. Der Vortragende widerlegte in manchen Punkten die Autorität von Prof. Bücher. Dieser hat z. B. irrthümlich behauptet, daß zwischen 1849 und 1800 keine Juden in Frankfurt levien. Nun hak aber Rabbiner Dr. Horowitz Grabsteine aus dieker Zeit auf dem alten jüdischen Friedhof entdeckt. Auch ist die Bücher'sche Behauptung falsch, daß die hiesigen Juden im Mittelalter keinen Laarenhandel getrieben hätten. Wir haben Aufzeichnungen, aus denen hervvrgeht, daß der Handel der Juden sich nn 16. Jabrunderi auf Tuch und Seide, Kleider, die ste allerdings fertig von Christen kaufen mußten, Gold, Silber und Gewebe und endlich auf Vieh erstreckte. Ohne im Zusammenhang zu referiren, heben wir noch Einiges ans den Dieß'schen Mitiheilungen hervor. Im Jahre ±ol* war die.^ahl der Juden etwa 2300 und hielt sich 'auf dieser Höhe erwü hundert Jahre; man kann nämlich Nachweisen, daß die Zahl der jüdischen s Seen oWy in diesem Zeitraum nur geringen Schwankungen unterworfen war. Merkwürdigerweise Hai das Pestjahr 1625 das enge Judenvieriel weniger heimgesnch:, als die anderen Stadttheile, in denen M Sc w auf das Neunvis Zehnfache stieg, I r auf das Dreifache. Bei dem Feitmilch'schen Aufstand war das Verhalten des Magi sirats einwandfrei; er war „gerecht in Anbetracht der Verhältnisse''' Die eigentlichen Urheber des Aufstandes erblickt Dr. Dien, in den eingewanderien ehrgeizigen, re'vt.nirten Niederländern. Sie wollten Äntheil haben arn lutherischen Siadtregimeni und trugen darum die Unruhen in's Volt. Auch paßte ihnen nicht die Konkurrenz der Juden. Trotz der Beschränktheit der Gasse entwickelte sich dort ein reiches Kulturleben; als die Schranken fielen, zogen die Insassen hinaus als ein Kulturvolk. Auch die Judengasse harte ihre sozialen; Unterschiede:, die Aermsten wohnten auf der südlichen? Seite. Zu den Wohlhabenden oder Reichen ist die Faj milie zu rechnen, zu deren Hauswesen vier Mägde, zwei - Knechte und ein — Hauslehrer gehörten. Diese Fai - . o so meinte Dr. Tietz, sieden Leute zu j ihrer „Bedienung"! Etwa die Hälfte ist vom Mittel- ' i s \ > hier einaewanderi, ein Viertel aus i Franken und SckuvaRn, ein Viertel aus Hessen-Nassau.! Etsaß-Lothringen ist bei der Einwanderung so gut; wie nicht vertreten, Polen, Holland und Italien mi:! nur etlichen Familien, die Schweiz und das Hansaj gebiet gar nicht. Dr. Dietz hat vom Jahr 1845 nachges uck.esen, daß damals die Vorfahren von 20 hiesigen jü- : dischen Familien vor 1500 sich in Frankfurt nieder- I ließen, ferner die Vorfahren von 100 vor 1560 und i von 50 vor 7 614. Aber nur zwei Frankfurter Patrizierj Häuser ballen einen alten Stammbaum: Holzhausen j 5d W.-'w 1"o0. „Altfrankfurk wird also wesen:- j lich durch jüdische Familien reoräsenürt." i Italien, i 'X'iciux o, _8. Febr. In Verona wurde auf An- | vrduuug des Präfekten die klerikale Erziehungsanstalt : Segherii geschlossen, weil in der von Nonnen geleiteten s Mädchenschule anläßlich der Karnevalstage ein : Theaterstück aufgesührt. worden war, in dem ein österlicher Ritualmord vorkommi. Es handelt sich um eine . likterari'fch ganz wertblose Komödie von Garagliano, . - d." Titel „Die falsche Bettlerin" trägt. Dieses ko'ortommntß erregt um. so größeres Aufsehen, weil auch . an staatlichen Mittelschulen angesiellte Professoren in dem genannten Institut Unterricht errheilen und man

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