Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1904)
- Date
- 1904-03-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. V /. ELB Der zweite Aischinswer Orozsß. Äiich-N-w, LS. F-br. Der Draht hat Ihnen bereits die Uriheile verkündet. nullche der delegirte Gerichtshof von Odessa unter dem Vorsitze Dawidows in dem zweiten Theilprozesse gegen die Mörder vom April vorigen Jahres gefällt hat. c\- war nach den Instruktionen, welche der GerichtZrrändent unmittelbar vor dem Prozeß in Petersburg veriönlich eingeholt hatte, nichts anderes Zu erwarten. Die dresmauge Verhandlung wurde noch flüchtiger ge- _ d . e trotz einer Reihe von Belasiungsn'uaen wurden nur die widerspruchsvollen Angaben Möglich arügeiauchter neuer Zeugen berücksichtigt, welche i i " entlasten suchten. Staatsanwalt und Verihetdiger unterschieden sich in ihren Reden nicht viel voneinander. Bezüglich der freigesprochenen Angeklagten Thomas Korchow hatten mehrere Zeugen bestätigt, daß er nicht nur an der Ermordung Ulmanns theilgenommeu, sondern auch nachher die Leiche Ulmanns mit Füßen, getreten und den Körper verunstaltet habe; die beiden minder des Ermordeten, Pessach und Jakob, welche bei der Mordszene zugegen waren, haben in ihren Lengenanssagen anschaulich dargestellt', in welch veMMMmr Meise die Mörder ihren arnren Bauer ums Leven rraanen. ,Der Vertreter der Priva:elager, Advotat anniftmitrschen Äertheidiger entgegenznireren und eine ooietiüw, gewissenhafte Behandlung des Fallerdurch Dschibelli blies in dasselbe Horn wie die fudenw-indlleben Bercheidigev, sowohl er korniell die Anwendung des Strafgesetzes gegen die Mörder verlangte. Advomt Earndnn verwies darauf, daß der GerichtsvM weder . ' w' wmmcheit der Iud-n, ihre Fehler und Vergehen Reche u ipreaben, und daß nur die Tharfachen in Bezug auf die begangenen Delikte maßgebend sein müssen: es nüpte jedoas nichts, und das Schlußergebncß war das bereits erwähnue Uribeil — der Freispruch Korchvws. Heute fanden, die Verhandlungen gegen die inhaftit'.en Älörder Daniel und Jakob Peirescn statt, welche d.n'. 25. Avril an.: 12 Uhr Mittags im Hofe des Sobel- :nann'schen Hasses in der Kierowskagaffe Juda undchsr.a: .uruoang Va:er und Sohn, ermordet, und einen mdümen Lehrer Namens Moses Uschernterslv mit ^mimeln derar: bearbeirer haben, daß er bewußtlos in das Driial gebracht werden mußte, wo er durch länger als drei Monate zwischen Leben und Tod schwankte. Fünfzehn Zeugen waren vorgeladen, Welche fast särnmtlich die beiden Mörder erkannten und unter Eid die Einzelheiten der begangenen Verbrechen zu Protokoll gaben; einen besonders tiefen Eindruck machte die Aussage eines neunjährigen Mädchens, der Tochter Soüelmanns, welche mit angesehen, wie die beiden Kruonirs erschlagen wurden. Von Seiten der Mörder traten auf einmal Zeugen auf, welche den Aliöibeweis erbringen wollten; sie behaupteten, mit ihnen zur angegebenen Zeit anderweitig in Gesellschaft gewesen zu sein. Tie Unsicherheit dieser Zeugen, sowie die Widersprüche in ihren Aussagen wurden allgemein bemerkt; wenn es ernstlich darum zu thun gewesen wäre, die Wahrheit zu erforschen, hätte es sich vom kriminalistischen Gesichtspunkte aus wahrlich gelohnt, eine Untersuchung darüber etuzuletien, wer diese Zeugen Hergesendet und zu ihren Aussagen instruirt hat; aber das Repertoire der Verhandlungen stebt ja längst fest und ist auch bereits vor wenigen Tagen ganz genau im „Bessaraöetz" veröffentlicht worden. Danach mußte heute unter allen Umständen die Angelegenheit Krupnik abgeschlossen werden. Dschibelli hielt eine ganz kurze Anklagerede, dergleichen die Veriheidtger, und das ürgebniß war, daß die mehrerer Mordthaten überwiesenen Brüder Peireseu zu vier Jahren Arrestanten-Eompagnie oeruriheilt wurden. ... I „ orgen m Bei die Verhandlung gegen nicht | wwuger als 59 Angeklagte statt, unter welchen 19, und | zwar: Feder Rusnak, Serge Bardjan, Jlarion Beres-! no.^, I.oan Maljar, Äaul Maljar, Petar Martfchinskr!, \ 2 ln ton Znrkan, Llnron Prostrow, Fedor Konsulsky, Wassili Sirotjan, Georg Logljar, Luktan Butzndschky, : w.e > zMMiu, Eharlampt Ehadjak, Avram k S. . v, Gregor Semenow, Wassilj Pysljar, Paneele Doruch. angeklagt und, am Ostermontag in der Backschrifskagasse Jakob Tuppit, ferner Sarah und Sißja Panarasft) ermordet zu Haben. Alan erwartet unter anderem die Ankunft des Advokaten Kupern:- aus Kiew, der die Miivertreiung der Privarklage übernehm.en soll. — 1. März. Am 27. Februar fand die Verhandlung gegen die Mörder des Ehepaares Panardtzy statt. Der Zeuge Rosenberg hat gesehen, wie die Angeklagten der mit dem Tode ringenden Frau Panardnp.) eiserne Nägel in ihre Nase schlugen. Der Zeuge Rorhseid schildert, wie Jakob Tunii ermordet :ourde: der griechisch-orthodoxe Geistliche Alexander ging vorbei, als die Mörder am Werke waren; sie erbaeen seinen Segen, den er ihnen sofort ertheilie- Dieser Priester befindet sich umer den von der Veriheidigung,