Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-02-28 · Heft 17 (29.2.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 17 (29.2.1904)
Date
1904-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450003--60181-2521069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

365 mit einem Male auf den Ruf des Herrn Arthur Meyer so weichherzig geworden sind. Reklamesucht und Heuchelei, Vor zwei Jahren habe sch in diesen Blättern mit Entrüstung die Haltung eines hiesigen jüdischen Millionärs erzählt, der für eine arme, sehr, nahe Verwandte, die aus Odessa zu ihm nach Paris gekommen ist. um bei ihm für ihre armen Kinder Schutz und Hilfe zu suchen, nichts, absolut nichts hat thun wollen. Die hebräische Presse („Hazephirah". „Hameliz" u. s. w.) haben den betreffenden Aufsatz in i*xt.L*issi» veröffentlicht, auch die französische jüdische Presse hat den Aufsatz wiederaegeben und daran für den betreffenden Millionär wenig schmeichelhafte Betrachtungen geknüpfr. Und wenn man die obenerwähnte Subskriptionsliste öffnet, findet man den Namen dieses Herrn und einen sehr bedeutenden Betrag. Gewiß, man muß jedem leidenden Menschen helfen, aber dieser Herr bleibt doch ein jämmerlicher Bursche, wenn man bedenkt, daß er für eine arme Verwandte nicht ein paar Goldstücke übrig batte, daß er aber wie ein echter Protz mit Tausendfrancscheincn hennnparadirt, wenn es gilt, leine Eitelkeit zu. befriedigen und für sich eine Reklame zu machen. Und wozu wird ihm diese Reklame dienen? Er mag noch so viel Tausendfrancscheine geben, selbst die, denen dieses Geld bestimmt ist, werden ihn trotzdem immer verachten und ihm seine jüdische Abstammung nicht verzeihen. Es ist nicht schön! Pi. Dänemark. Kopenhagen, 17. Febr. Mit dem jährlich zurllckkehrenden mt wi iwn hält auch die hiesige ehrwürdige rrsn rrcjs ihren Versammlungstag, pp rmit Gottesdienst und Predigt Nachmittags, um am Tage darauf sich der großen n-pxe zu erfreuen. Auch diesmal fand sie in üblicher Weise statt. Zahlreiche Gäste hatten sich eingefunden und die lustige Gesellschaft blieb bis zur Mitternacht beisammen, da die Mahlzeit — außer den trefflichsten Speisen — zugleich durch eine Reihe verschiedener Ansprachen und Reden verherrlicht wurde, von welchen jedoch keine einzige werthvoll genug hier wicderzugeben erscheint, denn sie bestanden meistens ans Lokal-Toasten, in welche sich hie und da ein hebräischer Schriftvcrs verirrte.-- — Der auch im Auslande bekannte Theologe Professor Bühl, der sich hauptsächlich dem als Spezialfach gewidmet und dem Judenthum besonders geneigt ist. hat am selben Tage an der Universität eine Serie von Vorlesungen über „Israelitische Kultur und Geschichte" eröffnet. Der mächtige Saal war bis auf den letzten Platz dicht besetzt, meistens von Nichtjudcn, die mit großem Interesse seine Einleitung und Ausführungen anhorten; er gab zunächst eine gründliche Darstellung der geographischen und historischen Bedingungen. für das Leben und künftige Gedeihen der Israeliten, und zwar an der Hand zahlreicher Stellen des Pentateuch. Sodann gab er n a ch der Vorlesung Gelegenheit zur Diskussion über verschiedene Punkte. Es wäre wirklich wünschenswerth, wenn auch die hiesige Gemeinde vollzähliger erscheinen wollte, oder aber ähnliche Vorlesunaen oder Vorträge innerhalb der Gemeinde stattfänden. Wir. haben ja auch wöchentliche Zusammenkünfte, in Ez Chajim, wo Chumesch und Raschi verlesen wird, tägliche „Clause", aber nur ganz spärliche öffentliche Volks- oder Gemeinde-Vorträge, die auf geschichtlichem Boden aufgebaut. Einen sog. Zicnistenver-in gibts ja auch hier, der aber — wie alle diele Vereine — herzlich wenig mit Zions Vergangenheit und Zukunft zu schaffen hat. Professor Simonsen hat nun einige Vorlesungen in Aussicht gestellt, wie es auch voriges Jahr durch ihn und Dr. Goithein s. A. geschah. Marokko. Marokko. (Judenverfolgungen.) Die Befürchtungen, die man wegen eines Angriffes auf das Judenquartier von Marrakesch hegte, waren zum G.lück nicht in vollem Maße begründet; der Angriff konnte abgeschlagen iverden. Dennoch ist die Lage der Juden wie in Marrakesch. so auch in Fez und Mequinez, äußerst beunruhigend, da infolge der anhaltenden Unn.ben die Preise der Lebensmittel ungewöhnlich hoch sind. Die Zahl der Juden in diesen drei Gemeinden beläuft sich auf :a. 30,000. Die reicheren Juden von Fcz zeigen sich sehr wohlthätig, sind aber trotz Anspannung aller Kräfte nicht im Stande, dem Nothsiande zu steuern. Die „Alliance Jsr. Univerf." hat 5000 Francs zu Unterstützungen übermittelt. Was die ganz herabqekommcnen Flüchtlinge aus Stat betrifft, so hat die ..Alliance" ihnen in der Sitzung vom 3. Februar 10.000 Frcs. bewilligt und konnte noch 10,000 Frcs. hinzufügen, die ibr von einem befreundeten Wohlthäter für denselben Zweck übergeben wurden. c u i l I e t o n. Wahrheit und Wichtung. Von Friedrich Rott. ,24 Frau Grünewald befand sich in höchst übler Laune, namentlich als ihr Gatte ungleich länger ausblieb, als es ihrer Ansicht nach nothwendig gewesen wäre.. Er aber hatte zwar vollständiges Vertrauen zu der. Frau, dcren Obhut er sein Kind übergeben hatte. Einerseits war sie ihm von seinem Hausarzt wärmstens empfohlen, andererseits flößte schon ihr sympathisches Wesen Zutrauen ein. Aber immer fiel ihm noch etwas ein. was er mit ihr besprechen zu müssen glaubte, und sie ging

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.