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Der Israelit · 1904-02-28 · Heft 17 (29.2.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 17 (29.2.1904)
Date
1904-02-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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362 Wenden wir also daS no nVfu n kV auf diesen wesentlichen Inhalt der beiden Bundestafeln an, so sagt es uns, daß die ErMung unserer Pflichten gegen Gott wie die Erfüllung unserer sozialen Menschenp^lichten sich an Wichtigkeit und Bedeutung gegenseitig mcht nachstehen, daß sie vielmehr untrennbar zufammengehören, eine untheilbare Einheit darstellen, eins ohne das andere undenkbar, ja eins ohne das andere fast ohne Werth und praktische Bedeutung ist. So bedeutungslos also alle sagen: «Religiosität" ist, die sich nicht im religiösen Thatenleben äußert und praktisch zeigt, so wenig wahrhaft und — standhast — wird sich auch in der Regel die sog. «soziale Tugend" erweisen, wenn sie nicht in der festen Anhänglichkeit und Anerkennung Gottes, im Aufblick zu Ihm ihren Halt, ihren Grund, ihre Wurzel und Nahrung findet, r xV nv nVru. Nicht überragt eins das andere an Wichtigkeit, darum auch kann keines für sich allein denkbar sein, in ihrem Zusammenhänge, in ihrer gegenseitigen Ergänzung sind sie rrb die Einheit des Gotteswortes, die Einheit des Gesetzes. Leider finden wir im täglichen Leben nur gar zu oft Gelegenheit, wahrzunehmen, daß diese Einheit und Zusammengehörigkeit, diese Gleichheit und Gleichwerthigkeit beider Gesetzestheile verkannt, falsch aufgefaßt wird und demnach die Bethätigung des religiösen Lebens nicht in der rechten Weise erfolgt. Da finden wir, Gott sei Dank, allerdings nur recht vereinzelt, Individuen» welche glauben, in der peinlichen, äußeren Bethätigung des sog. Zeremonialgesetzes ihrer Pflicht genüge geleistet zu haben; sie beten und fasten, aber für ihre Nebenmenschen haben sie kein Herz. Ein treffendes Volkssprichwort beurtheilt sie mit den drastischen Worten: Modim (Bücklinge beim Gebete) bis zur Erde, aber Schmadstreiche (Ausdruck für böswillige Handlungsweise gegen andere Menschen) bis zum Himmel. Diese Sorte Menschen wähnt die erste Tafel größer denn die zweite, sie wähnt ein frommes, Gott wohlgefälliges Leben zu führen, ohne zu bedenken, daß die «Liebe zum Nächsten" gleich der «Liebe zu Gott" des Gesetzes Inhalt ist. ohne zu wissen, daß uv nVvo it kV , daß die beiden Tafeln nur eine «Einheit" bilden. Ungleich häufiger finden wir diejenigen Menschen vertreten, die ihr ganzes Pflichtenleben nur in ihrem Verhalten zur Mitwelt bethätigen zu sollen glauben, die in einem sogen, «rechtschaffenen und ehrlichen Wandel" den Inhalt ihrer Religion erkennen wollen. die Verbindlichkeit der spezifisch konfessionellen Vorschriften aber, sagen wir wieder des sog. Ceremonialgesetzes negiren, nicht anerkennen wollen. Sie halten die zweite Tafel für großer/als die erste, ohne zu bedenken, daß doch die zweite ohne den grundlegenden Bau der ersten' in der Luft schwebt, ein fundamentloser, darum haltloser Vau. den der erste, beste Ansturm umzuwerfen im Stande ist und auch, wie die Erfahrung lehrt, gar oft in Trümmer stürzt, non •hVk tpsd irb:r. Beide Tafeln in ihrer Einheit sind ein Werk Gottes und in der Befolgung und Bethätigung der Gebote beider, der religiösen wie sozialen Pflichten, zeigt sich die wahre Verehrung Gottes. Es muß das positiv religiöse Prinzip die Grundlage unseres sozialen Handelns und ' Wandelns sein, so wird dieses selbst zur positiven Religionsbethätigung; die zwei Tafeln sind dann nrb eine einzige, wahre Einheit no nVn: n kV. Zeiiimgsrrachrichten uird Correspoudenzerr. Deutschland. Hamburg. Bei der vor einigen Wochen stattgehabten Wahl zur halbschichtigen Erneuerung der Hamburger Bürgerschaft, haben die hiesigen Antisemiten eine Niederlage erliten, von der sie sich schwerlich je wieder erholen dürften. Mit stolzen Hoffnungen gingen sie in den Wahlkampf, außer den bisher von ihnen eingenommenen drei Mandaten hofften sie noch eine ganze Reihe neuer Sitze zu erlangen. Aber geradezu kläglich haben die Antisemiten bei der Wahl abgeschnitten, sie haben es nur auf 1240' von 24,278 gültigen Stimmen gebracht. Ihre beiden Hauptführer Fritz Raab und Rechtsanwalt A. M. Jakobson sind nicht wiedergewählt, kein neues Mandat konnten sie gewinnen und nur noch ein Antisemit, Herr Schad, hat jetzt noch Sitz und Stimme in der Bürgerschaft. Der absolut unhamburgische, hetzerisch-agrarische Charakter der Antisemiten ist von den Hamburger Bürgern bei der Wahl richtig gewürdigt worden. Als Wahlkuriosum muß noch gemeldet werden, daß in einem Bezirk, wo Seitens der Antisemiten Herr Wink aufgestellt war, auch nicht eine einzige Stimme auf den antisemitischen Kandidaten entfiel. In Hamburg, der zweitgrößten Stadt des deutschen Reiches, hat der Antisemitismus seine Rolle ausgesvielt. Mit der Niederlage des Antisemitenführers Fritz Raab, der da versprach, mit einem Dutzend seiner Gesinnungsgenossen in das Hamburger Rathhaus einzuziehen, ist das Ende des Antisemitismus in unserer Stadt besiegelt. Das Fieber, welches einst Deutschland geschüttelt, die Krankheit, die auch unser Hamburg ergriffen hatte, ist vorbei. Aber nicht nur unsere Glaubensgenossen jubeln über diese Niederlage, nein, die gesammte hiesige Presse ohne Unterschied der politischen Richtung bekundet offen ihre Freude über den vollständigen Niedergang des Hamburger Antisemitismus. In dem neuen Hamburger Rathhause hat man zum ewigen Andenken die Bildnisse der Männer angebracht. die sich um das Wohl der Stadt besondere Verdienste erworben haben, hier sieht man auch die Bild» 1'

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