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Der Israelit · 1904-02-25 · Heft 16 (25.2.1904) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 16 (25.2.1904)
Date
1904-02-25
Page
– (sequence 31)
Language
German
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859 „Warum hast Du mich so schmählich belogen, Bube?" keuchte mit grimmer Wuth Schlome. „Ich habe Sie nicht belogen, Schlome Meier! Es ist doch ganz richtig: Heirathen ist Lotterie gespielt! Moritz heirathet Lea! Sie geben Ihrer Tochter 10,000 Gulden Mitgift mit in die Ehe. Also hat Moritz in der Heiraths-Lotterie 10,000 Gulden gewonnen - auf Nr. 19, denn Lea ist 19 Jahre alt!" „Noch ist sie nicht seine Frau! Die Verlobung geht sofort retour! Die Sache ist ein abgekarteter Schwindel, Ihr habt mich Alle betrogen, jetzt gleich mache ich die Verlobung rückgängig, Ihr verfl. . . . Bande, Ihr Erzschwindler, Ihr" .... Schon wollte er in seiner Wuth hineinstürmen, als ihn Moritz noch am Rockzipfel erwischte. „Halt, Schlome Meier! Hört mich erst an: So- . bald Ihr die Verlobung rückgängig macht, erzähl' ich der ganzen Versammlung drin, welches Spiel Ihr bei dieser Geschichte getrieben, daß Ihr nur deßhalb in die Verlobung gewilligt, weil Ihr an den Lotteriegewinn geglaubt habt. Ihr werdet dann zum Gespötte der ganzen Gemeinde!-Aber noch etwas werden die Herren drinnen im Saale zu hören bekommen, nämlich, daß der gescheidte Schlome Meier zwei Töpfe mit Asche zum „Beisetzen" in den Chaletofen geschickt! Ihr braucht sie auch morgen nicht die U .... straße zu senden, denn es war ganz gewöhnliche Asche und das Ganze nur ein „Purimscherz", auf den Ihr in doppelter Weise hereingefallen seid. Also ergebt Euch in Euer Schicksal, Schlome Meier, laßt die beiden jungen Leute glücklich werden und die ganze Geschichte soll verschwiegen bleiben!" Bei dem im Saale herrschenden Treiben war der ganze eben stattgefundene Vorfall unbeachtet vorübergegangen und zehn Minuten später saß Schlome wieder neben seinem Freunde Samson. Er machte zwar ein bittersüßes Gesicht, als hätte er ein Glas Zuckerwasser mit einem Viertelschoppen Essig geschluckt, aber der Verlobungsabend nahm seinen ungestörten Verlauf. Schlome hatte sich gefügt aus Furcht, sich lächerlich zu macken. — Lea und Moritz wurden einige Wochen später ein glückliches Paar. Zeitungsnachrichten und Correfponderrzen. MO! Rußland. Petersburg. Folgende sicher hochinteressante Nachricht ging uns leider von der Censur verstümmelt folgendermaßen zu: f i l , Wir geben die Nachricht unter allem Vorbehalt wieder. Red. Petersburg. Die kaiserl. russische Militärbehörde macht bekannt, daß den Leichen der jüdischen Soldaten, die im Krieg gefallen sind, das Aufenthaltsiecht im ganzen russischen Reiche gewährt wird. Petersburg. Anschel Fischotter wurde Ministerpräsident. Chajim Schlemühl ist einstimmig zum Bürgermeister der Residenz gewählt. Wehoir Zohalo wesomecho. Rumänien. Bukarest. Die Regierung hat beschlossen: Die Juden von Rumänien sind gleichgestellte Staatsbürger. Die Ausgewiesenen kehren zurück. Afrika. Uganda. Die Reise der zionistischen Deputation durch Uganda gestaltet sich immer mehr zu einem Triumphzug. Gestern empfingen sie eine Deputation von Schwarzen, welche den Mitgliedern ihre Ernennung zu Ehren-Kaffern überbrachten und zugleich ihre höchste Auszeichnung, den großen Nasenring, in ihrer Nasenscheidewand befestigten. Japan. Tokio. Zehn Tage nach dem Frieden von Söul, durch den bekanntlich der Krieg ein Ende fand, in dem Rußland so schmählich von Japan geschlagen wurde, empfing der Mikado Herrn Kerzl in Audienz. Er versprach demselben für die jüdischen Kolonisten einige Buddistentempel aus Reispapier, mit schönen farbigen Blumen dran gemalt, zur Verfügung zu stellen. Diese Tempel haben den großen Vortheil, daß man sie beim Aufstieg nach Palästina zusammenfalten und in die Tasche stecken kann. Der Mikado gab Kerzl einen Befehl an seinen Vasallen, den Zaren, mit, jedem russischen Juden 100,000 Rubel auszuzahlen, falls er sich bereit erklärt, nach Palästina auszuwandern, und —

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