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Der Israelit · 1904-02-25 · Heft 16 (25.2.1904) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 16 (25.2.1904)
Date
1904-02-25
Page
– (sequence 29)
Language
German
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E«- »gw- E« »V christlichen Magd ein, und dann ging es an ein Erzählen und Fragen, wie alles so rasch gekommen, daß die andere Welt für die beiden Verliebten» nicht mehr existirte. Sie hatten deßhalb auch nicht bemerkt, daß ein Trupp vermummter junger Leute die Straße herunterkamen. Plötzlich umschwärmten diese das Pärchen, und trieben dasselbe unter Lachen und Scherzen in den Hinteren Hausflur und von hier aus in den Hof. Drei der Vermummten drangen in die Küche, wo die Magd an dem Chaletofen herumhantirte. Diese schrie laut auf, eilte zur Küche hinaus und die Treppe zum ersten Stock empor, hier verschloß sie sich in ein Zimmer. . Dies hatten die Vermummten in der Küche nur beabsichtigt. Denn sie entwickelten jetzt eine fieberhafte Thätigkeit. Die im Chaletofen beigesetzten Töpfe wurden hervorgeholt, einzelne mit Kreide auf dieselben geschriebenen Namen ausgewischt und unter einander vertauscht, und dann alles wieder in Ordnung gebracht. Hierauf zog die ganze Gesellschaft lärmend und allerlei Allotria treibend aus dem Hause auf die Straße. Die geflüchtete Magd kam wieder zum Vorschein und auch Lea und Moritz traten aus dem Hof in den Flur. Der alte Salomon Meier war zu einem Besuche in die Nachbarschaft gegangen. Es war am andern Tage. Sabbat und Schuschan Purim, um die Mitagszeit. Die christliche Magd bei Salomon Meier hatte die im Chaletofen beigesetzten Töpfe den einzelnen Familien überbracht und Samson Meiers saßen eben beim Essen, als ein Bote des Herrn Rabbiners gemeldet wurde. Samson ging hinaus und vernahm mit Staunen, daß beim Herr Rabbiner statt Chalet und Fleisch, ein Topf mit Asche und ein solcher mit Bohnensuppe abgegeben worden sei. Zur Bekräftigung seiner Aussage zeigte der Bote dem verplüfft dreinschauenden Samson die beiden Töpfe vor. Samson Meier ließ sich tausendmal beim Herrn Rabbiner entschuldigen. Es müsse eine unglückselige Verwechslung stattgefunden haben. Kaum war der Bote fort, als ein anderer kam mit der Behauptung, der Herr Lehrer Löb hätte heute statt seines Topfes mit Erbensuppe einen solchen mit Bohnensuppe erhalten. Gleich darauf schickte der Vorsteher ebenfalls einen Topf mit Asche zurück, mit der Frage, lvas er denn mit der Asche machen sollte? Er hätte zwar seinen Fleischtopf erhalten, aber seinen Chalet nicht. Kurzum, es war ein heilloses Durcheinander. Jetzt kam noch ein Bote von Schlome Meier, der im Namen seines Auftraggebers die gestern durch Lea Meier extra zum Beisetzen abgegebenen zwei Topfe abholen sollte. . Mittlerweile hatte aber die durch diese Vorfälle aus Rand und Band gebrachte Magd die zwei mit Asche gefüllten Töpfe gereinigt und kurzerhand den einen mit Erbsen- und den anderen mit Bohnensuppe gefüllt. Als Samson in die Küche trat und nach den Töpfen fragte, gab sie diese dem harrenden Boten mit. Daß Schlome Meier die beiden Töpfe zurückverlangte, hatte seinen Grund darin, weil er kurz vor der Essenszeit einen offenen Zettel erhielt, auf dem folgende Worte standen: Herr Schlome Meier! Sie werden gütigst entschuldigen, daß Sie gestern mit einem Aufträge behelligt wurden betreffs Beisetzung der beiden Töpfe. Diese enthalten die Aschenreste meiner im Krematorium in A. verbrannten Tante und Großmutter; aber der Herr Rabbiner gestattet die Beisetzung nicht. Die Töpfe werden nun in meinem Comptoir aufgestellt. Es bittet nochmals um Entschuldigung Ihr ergebenster . Hier folgte ein vollständig unleserlicher Name. Als Postskriptum stand unten zu lesen: Senden Sie die beiden Töpfe am Sonntag Früh in die U ... straße Nr. 12. Schlome befiel beinahe einen Schlaganfall. Diese Blamage!-und ihm mußte so etwas paffiren — ihm, dem reichen Schlome Meier — dem gescheidten Schlome. — Er schickte Aschenreste als Chalet zum Beisetzen in den Ofen! — Unerhört! Unerhört! Wenn das bekannt wurde, konnte er sich nicht mehr sehen lassen. Jetzt galt es schnell handeln. Er versprach dem Boten eine gute Belohnung, wenn er ihm sofort die beiden Töpfe herbeibesorge, und konnte es kaum abwarten, bis derselbe zurück war. - Endlich sah er ihn die Straße Herkommen. „Hier herein, lieber Mann," rief er demselben entgegen, „hier berein! Stellen Sie die Töpfe hier auf dcn Tisch. Gehen Sie nun in die U_straße Nr. 12 und richten Sie aus, ich würde morgen frühestens 10 Uhr die Sache besorgen. Und kommen Sie morgen her und holen Sie sich Ihre Belohnung." „Dem Himmel sei Dank, daß die Töpfe da sind," stieß Schlome erleichtert hervor. Er betrachtete mit scheuer Miene die beiden Töpfe, und konnte sich schließlich nicht enthalten, etwas den Deckel des einen Topfes zu lüften. Dabei strömte ihm ein lieblicher Geruch von Bohnensuppe entgegen. Wie von einer Natter gestochen schnellte Schlome zurück und ließ vollständig außer Fassung gebracht schnell den Deckel wieder zufallen. Mas war denn das wieder für ein Teufelsspuk! Hatte sich die Asche denn in Bohnensuppe verwandelt?

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