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Der Israelit · 1904-02-25 · Heft 16 (25.2.1904) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 16 (25.2.1904)
Date
1904-02-25
Page
– (sequence 28)
Language
German
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¥ 356 Srujl und blähte sich aus. „Dein Sohn Moritz braucht kein Vermögens Samson schüttelte immer noch zweifelnd sein Haupt. Sollte es denn möglich sein, daß er seinen ehemaligen Freund so verkannt hätte?! „Sage, Schlome, ist das auch kein Purimscherz?" „Rufe Deinen Sohn Moritz herein, wir wollen die Sache gleich fest machen." Der alte Samson eilte hinaus, um seinem Sohne Moritz die frohe Nachricht mitzutheilen. Schlau lächelnd sah ihm Schlome nach: „Wie der alte Fuchs sich veHellen kann!" murmelte er vor sich hin. „Na. ich überliste Dich doch, alter Knabe." Und verstohlen die Hände reibend, kicherte er in sich hinein. Jetzt traten Samson Meier und sein Sohn Moritz in die Stube. „Ist es wahr," rief Moritz freudig aus, „ich soll Lea doch als Frau bekommen?!" „Selbstverständlich, Moritz, das war ja doch gar nicht anders bestimmt! Ich habe Dich blos geprüft, ob Du Lea treu bist," erwiderte Schlome. „Morgen, nach Sabbat, feiern wir Verlobung!"- „Hurrah," schrie der überglückliche Moritz und sprang wie besessen im Zimmer herum. „Lea wird mein! Lea wird mein Weib! Hurrah! Hurrah!" Der alte Samson sah einige Minuten seinem wie tollgewordenen Sohne, zu. Als dieser aber immer wieder mit einer wahren Löwenstimme Hurrah schrie und beim Herumspringen einige Stühle umwarf, packte er ihn am Kragen und schob ihn zur Thü hinaus. „Der Junge ist Lbergeschnappt," j^gte er zu Schlome, „Du mutzt ihn entschuldigen." „Macht nichts, macht nichts." warf Schlome Meier.ein, „daran erkenne ich noch mehr, wie gerne er Lea hat." Schlome war aufgestanden und reichte seinem Freunde die Hand. „Also abgemacht, Samson, morgen Abend ist Verlobung!" — „Abgemacht, lieber Schlome. Unsere Kinder werden glücklich sein!" Als die beiden Väter in den Korridor traten, schallte ihnen von allen Seiten ein „Maffeltof" entgegen. Und auffallend war es, datz gerade die ganze Gesellschaft junger Leute vor dem Hause Posto gefaßt hatte, die in dem Purimfestspiele mitwirkten. Moritz als glücklicher Bräutigam unter ihnen. Dabei warfen die jungen Leute ganz sonderbare Blicke auf den stolz dreinschauenden Schlome, der seinerseits alle Glückwünsche wie ein König entgegennahm. Wie ein Flugfeuer hatte jich die Nachricht von der morgen stattfindenden Verlobung Moritz' und Leas in allen jüdischen Familien verbreitet, und auf dem Nachhausewege schallten Schlome von allen Seiten Mafseltofwünsche entgegen. Es war am Nachmittage desselben Tages, als Schlome, behaglich seine Pfeife rauchend, in seinem bequemen Sessel am Tische satz und nochmals die ganze Sache vor seinem geistigen Auge vorüberziehen ließ. Draußen hörte man die Stimme Leas; sie wirthschaftete im Hause herum und sang und trillerte dabei, : daß es eine Lust war. zuzuhören. Sie holte heute alles wieder ein, was sie an Fröhlichkeit in den letzten! Monaten eingebüßt hatte. Der Vater hatte ihr sogar - die Erlaubnis gegeben, daß sie heute Nachmittag das Chalet zum Beisetzen selbst zu Samson Meirr's tragen dürfe, um sich die Bestätigung ihrer Verlobung mit Moritz am morgigen Tage persönlich zu holen. Jetzt wurde plötzlich ihr Gesang unterbrochen und gleich darauf betrat sie das Zimmer, ein in Papier geschlagenes Packet auf den Tisch stellend. „Entschuldige, lieber Vater, daß ich störe." sprach das Mädchen, „aber soeben hat ein Bote dieses Packet für den Friedhofverwalter abgegeben. - Antwort sei keine nöthig." Der alte Schlome sah seine Tochter erstaunt an. Dann besah er sich das Packet etwas genauer und entdeckte dabei einen Zettel, der an der einen Seite festgesteckt war. Auf diesem stand zu lesen: „Bitte beide Töpfe beizusetzen!" Schlome schüttelte sein Haupt. ' „Was steht denn auf dem Zettel, Vater?" „Hier lies, Lea!" Er reichte denselben, seiner Tochter hin. Auch diese konnte sich die Sache nicht erklären. Da plötzlich hellte sich das Antlitz Schlome's auf. „Ich hab's Lea! Heute ist Freitag. Die beiden Töpfe enthalten Chalet und sollen in dem Chaletofen beigesetzt werden. Der Bote hat sich geirrt und dieselben zu mir. statt zu Samson Meier gebracht. Du gehst ja doch nachher zu Meier's mit unseren Töpfen, dann kannst Du sie mitnehmen."- Zehn Minuten danach verließ Lea, beladen mit vier Töpfen, das elterliche Haus, um sich in die! L __gaffe zu begeben.! Der Erste, der sie schon vorm Hause empfing, war i Moritz. Er nahm ihr die Töpfe ab, händigte sie der

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