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Der Israelit · 1904-02-25 · Heft 16 (25.2.1904) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 16 (25.2.1904)
Date
1904-02-25
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Früher, vor der Erbschaft, ging er bescheiden und ruhig seines Weges, aber jetzt war ihm gewaltig der Kamm geschwollen. Jetzt führte er das Wort, selbst dann, wenn er von dem Gesprächsthema nichts verstand. Er behauptete dann irgend Etwas, und darauf blieb er bestehen, und nichts vermochte ihn davon abzubringen. Er war ja reich! — Er hatte seine Ansicht für sich! — Er konnte sich das erlauben. Sein Stolz ging ihm über alles, und nichts fürchtete er mehr, als sich zum Gespötte seiner Glaubensgenossen zu machen. Trotzdem besaß er eine Vertrauensseligkeit, daß ihn Jedermann, der ihm eine Geschichte oder sonst etwas aufbinden wollte, hinter's Licht führen konnte, wenn er nur ernsthaft die Sache vorbrachte. Als nun Schlome Meier aus der Synagoge trat, gesellte sich der junge David Kohn zu ihm. „Guten Morgen, Herr Meier," redete er diesen an. „Haben Sie schon gehört, ein Haupttreffer der Lotterie — 70,000 Gulden — ist hierher gefallen?" — „Was? 10,000 Gulden! Auf welches Loos?" „Nummer 19! Und rathct einmal, wer der glückliche Gewinner ist?!" „Wie soll ich rathen! Wer denn? Wer ist es denn?" „Moritz Meier!-Aber es soll noch Geheimniß bleiben! Ich bitte Sie. Herr Schlome Meier, sagen Sie nichts weiter. Es soll's noch Niemand wissen." „Ich werde still sein, wie das Grab," betheuerte Schlome. Innerlich überlegte er sich bereits, wie er die unterbrochene Freundschaft mit Samson Meier wieder auffrischen könnte. Denn jetzt war Moritz eine sehr gute Partie für Lea. An der Straßenecke trennte sich der junge Kohn von Schlome. „Adieu, Herr Meier. Also nochmals: nichts verrathen! Und wenn Sie zu Samson Meier kommen, oder eines der Familienmitglieder sprechen sollten, lassen Sie nur nichts merken!" „Seien Sie beruhigt. Herr Kohn, von mir erfährt Niemand etwas vorher." Beim Weitergehen brummte er vor sich hin: „Werde mich hüten, in meine Karten sehen zu lassen; aber jetzt muß die Sache sofort wieder in's Blei gebracht werden." Schlome lenkte seine Schritte nach der Behausung Samson Meiers. An der nächsten Ecke kam ihm ein anderer junger Mann entgegen. „Guten Morgen. Herr Meier! Haben Sie's schon gehört, ein Haupttreffer von 10.000 Gulden ist hierher gefallen!" „Wirklich," stellte sich Schlome erstaunt. „Wer ist denn der Gewinner?" „Das weiß Niemand, außer dem Gewinner selbst — der Glückliche! Doch ich muß hier abbiegen. Adieu, Herr Meier!" „Adieu, adieu!" erwiderte Schlome den Gruß und beschleunigte feine Schritte. Jetzt hatte er das Haus Samson Meiers erreicht, das er fast ein Jahr nicht mehr betreten hatte. In der Thüre trat ihm der alte Samson entgegen, erstaunt seinen ehemaligen Freund betrachtend. Schlome Meier kam doch etwas in Verlegenheit. — Ja, was wollte er denn eigentlich? — Da kam ihm ein rettender Gedanke: „Ich wollte Dir nur sagen, lieber Freund, daß ich — unser Essen für den Chaletofen heute Nachmittag etwas früher herschicke, als sonst; sei so gut und stelle es bei." „Gewiß, Freund Schlome! Du sollst zufrieden sein." Samson Meier war nämlich Besitzer eines Chaletofens. den er durch eine christliche Magd bedienen ließ, und ein großer Theil der Gemeinde benutzte denselben gegen eine kleine Vergütung. Der Hausherr nöthigte seinen Freund zum Platznehmen, bot ihm einen Trunk an und bald war eine Unterhaltung im Gange, die schließlich auf die beiderseitigen Kinder führte. „Was ich sagen wollte — hm — lieber Freund Samson — ich muß Dir bekennen — daß ich eigentlich gegen eine Verbindung zwischen meiner Tochter Lea und Deinem Sohne Moritz nichts mehr einzuwenden habe. Damals — hin — ich meine nur so — Moritz war mir vor einem Jahre noch etwas — hm -— ich meine etwas zu jung," log der alte Schlome, „und ich wollte ihn nur prüfen — ja, das war es hauptsächlich — ob er meiner Lea auch treu sei!" Jetzt war ihm der richtige Gedanke gekommen und er athmete sichtlich auf. „Hör ich recht, Freund Schlome, Du willst Deine Lea meinem Sohne Moritz zur Frau geben?!" „Warum denn nicht! Hast Du vielleicht etwas dagegen einzuwenden? Das war von jeher mein Plan — und Moritz hat seine Prüfung bestanden." „Mein Sohn bekommt aber kein baares Geld mit in die Ehe! Während Deine Lea — wie man sagt — 10,000 Gulden Mitgift erhält!" „Ganz recht, Freund Samson, bekommt sie auch, meine Tochter Lea, bekommt sie auch, 10,000 baare Gulden," und dabei warf sich Schlome stolz in die

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