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Der Israelit · 1904-02-25 · Heft 16 (25.2.1904) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 16 (25.2.1904)
Date
1904-02-25
Page
– (sequence 26)
Language
German
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364 von Lmil Dnegten, Mainz. Es war am Vorabend des Purim. Wie alljährlich, so sollte aus diesmal in der jüdischen Gemeinde Z. . ., eines großen Marktfleckens in der Nähe von Amsterdam, das Purimfest durch eine humoristische Abendunterhaltung mit Festspiel gefeiert werden; gerade jetzt saßen die Darsteller der verschiedenen Rollen nach einer letzten Generalprobe in einem Hinterstübchen in der „Goldenen Krone" beisammen, um noch einmal das ganze Arrangement für den folgenden Tag zu besprechen. Es waren die Söhne der angesehensten Gemeindemitglieder, die hier berathschlagten. Das große Wort dabei führte der Sohn des Vorstehers, David Kohn, ein zu allen losen, aber sonst harmlosen Streichen jederzeit aufgelegter junger Mann. Soeben übertönte seine Stimme die anderen, und die jungen Leute hörten ihm zu. „Und ich sage Euch, Ihr lieben Freunde, wir hätten zu unserem Festspiel keine schönere und bessere Esther bekommen können, als Lea Meier. Sie hätte alle nöthigen Eigenschaften in sich vereinigt! Hübsche, schöne Erscheinung, dramatisches Talent, kurzum, es ist jammerschade, daß uns ihr Vater durch sein Verbot der Uebernahme dieser Rolle einen solchen Strich durch die Rechnung machte. Und weil Lea nicht mitwirkte, mußte natürlich unser Freund Moritz Meier auch seine Rolle absagen. Es ist um aus der Haut zu fahren! Jetzt muß ich den .König Ahasveros machen und meine Schwester die Esther! Na, das wird was Schönes geben!" „Ja/ mischte sich ein Anderer ein, „mit dem Schlome Meier ist, seitdem er die Erbschaft gemacht, fast nicht mehr auszukommen. — War das früher eine Freundschaft zwischen den beiden Familien Schlome Meier und Samson Meier; Moritz und Lea sollten doch ein Paar geben — und auf einmal diese Sinnesänderung -und alles wegen der Erbschaft." „Warum hat aber Moritz die Rolle als König Ahasveros nicht behalten?" warf ein Dritter ein. „Das ist sehr erklärlich," erwiderte David Kohn. .Moritz glaubte, wenn er zurücktrete, würde der alte Schlome Meier seine Tochter doch Mitwirken lassen! Es nutzte aber nichts. Der Vater Leas traute der Sache nicht, er war der Ansicht, die Beiden würden sich bei den unvermeidlichen Proben doch treffen, auch wenn Moritz keine Rolle hätte." „Nun, Ihr lieben Freunde," warf der Sohn des Rabbiners ein, „es wird auch so gehen, wie die heutige Generalprobe gezeigt hat!" „Ganz recht," erwiderte der junge Kohn, „aber mir paßt es absolut nicht. Ich hätte die Beiden gar zu gerne als die Hauptdarsteller gesehen. Ich begreife nicht, was der alte Schlome Meier an meinem Freunde Moritz plötzlich auszusetzen hat. Und wenn Moritz nicht reich ist — nun, Lea ist ja jetzt reich, ihre Mitgift ist — wie man hört. 10,000 Gulden — doch so hoch, daß Moritz ein Geschäft gründen kann. Und ein tüchtiger Geschäftsmann ist ed, das steht fest.-- Schade. schade.-Ich spielte wahrhaftig diesem alten Schlome Meier gar zu gerne einen Paffen." „Da sind wir Alle dabei." riefen wie aus einem Munde die jungen Leute. „Ruhe." gebot David Kohn, „laßt uns überlegen." Und nun rückten sie näher zusammen und tuschelten und lachten, daß ihnen die Thränen die Backen herunterliefen. „Ja, so gehts, Ihr lieben Freunde," sprach jetzt Kohn, „verrathet Euch nicht und die Sache muß gelingen, entweder nach der einen oder der anderen Seite hin; und wenn mich nicht alles trügt, gibt es übermorgen ein junges Brautpaar mehr in unserem Orte." Unter Lachen und Scherzen trennten sich die jungen Verschwörer. Der Purim, diesmal an einem sonnigen Freitage, war angebrochen. Allenthalben herrschte fröhliches Leben und Treiben in den Straßen von Z . . .. denn die jüdischen Einwohner machten nahezu die Hälfte der Bevölkerung aus. Früh Morgens schon hatte sich der größte Theil der Gemeinde zum Morgengottesdienste in der Synagoge eingefunden. Auch Schlome Meier, der Friedhofsverwalter, war unter den Synagogenbesuchern.

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