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Der Israelit · 1904-02-25 · Heft 16 (25.2.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 16 (25.2.1904)
Date
1904-02-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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846 Siebt» für die genannten drei Synagogen, Einschal- . tung des Priestersegens auch in die Synagogen Kaiser- , straße und Rykestraße. Auch in dem Jugendgottesdienst in der Heidereutergaffe dürften die Stellen über Zion und Jerusalem nicht fortgelaffen werden, die in dem Vormittagsgottesdienst dieser Synagoge beibehalten worden seien. Herr Ludwig B e h r kritisirt mit scharfen Worten die betreffs der Orgel erstatteten Rabbinatsgutachten; besonders scharf geht er mit dem Maybaum'schen Gutachten ins Gericht, in dem bekanntlich die von den Synagogenvereinen unterhaltenen Synagogen als „Winkelsynagogen" bezeichnet werden. Die Gutachten würden die Konservativen nicht stören und können ste nur kräftigen in ihrem Streben, daß ste keine „verchristlichte Synagoge, keine jüdische Kirche, sondern nur eine jüdische Synagoge" bekommen. Er fordert dazü auf, die in Umlauf gesetzte Petition, in die Synagoge Rykestraße den altrituellen Ritus ohne Orgel zur Einführung zu bringen, recht zahlreich zu untr»schreiben. Herr Dr. Klee bezeichnet es als notwendig, daß das Hebräische in den Schulen nach einer vernünftigen Metbode gelehrt werde; die tüchtige Pädagogik gehe so häufig nicht mit dem richtigen jüdischen Gefühl Hand in Hand. „Wir haben tüchtige Pädagogen, die alles sind — nur keine Juden!" Es müsse die Zeit kommen, wo wir vorwärts gehen, indem wir znrückgebcn. Ein gewisses Zurückgehen sei der größte Fortschritt: das Zurückgehen zu der lauteren, reinen Wahrheit. Drei Hauptgestchtsvunkte scheiden streng die Konservativen von den Liberalen und deßhalb sei zu fordern die Abweisung einer feierlichen Ausgestaltung des SonntagSaottesdienstes, die Wiedereinführung der Gebete um Zion und Jerusalem und die Unantastbarkeit der hebräischen Sprache, jenes heiligenden und einigenden Bandes, das das jüdische Volk der ganzen Welt umschließe. Das sei das konservative Vrimip in der Gemeindestube. Von den Konservativen müsse verlanat werden, daß. wenn Gekabr drohe, alle Mann auf Deck seien und nickt die Zusallsmajorität bei intearirenden Kranen entscheide. Schwer genua fei die LerkuleSarbeit bei der Vorlage betreffs de? Kultus in der Svnaaoae Rvkestraße gewesen, und es wäre undankbar, das Geleistete nickt anruerkennen. Doch könne das Gefühl nickt unterdrückt werden, daß das Tewvo der ^Bimmelbahn" bei den Konservativen in der Gemeindet,he allzu sehr einaeristen sei: Die Mitglieder des Svnaaogenverbandes sollten endUck einmal einkeben. daß in der Tbat die Svnaaooenvereine eine »naebeure Macht darstellen. daß ste ein Faktor sei-n. mit dem aerecknet werden müsse. Es werde die Tusaabe des Svnaaoaenverhandes fein, bei den nächsten Revräsentantenwablen alle dieientaen Elemente, w-lche die Nietät für Sinai und Zion kräftig und beaeistert an den Tao leaen. zusammenzufassen. daß nur solche Männer in die Gemeindestube entsandt werden, die wissen, was sie wollen, die nicht konservativ seien, weil konservative Wähler sie gewählt hätten, sondern weil sie ein Herz hätten, das für warmes, treues, lebendiges Judenthum schlage. In seinem kurzen Schlußwort äußerte Herr Rabbiner Nobel seine große Befriedigung über die Diskussion. Unter lebhaftem Beifall zeichnet er die Tendenz der heutigen Versammlung dahin, „daß alle Welt es wisse, das, was in unserer Synagoge freundlich und schön ist, das ist jüdisch, das soll jüdisch sein, und was an uns Juden menschenfreundlich ist. das ist jüdisch. Wir wollen als ganze Juden unsere christlichen Mitbürger lieben und nicht als halbe Christen!" Gleiwitz, 14. Febr. Die „Philomathie" hatte dieser Tage Gelegenheit, den größten Theil ihrer Mitglieder versammelt zu sehen. Herr Rabbiner Dr. Münz sprach nämlich über das Leben und Wirken des großen Gelehrten Immanuel Kant, der vor 100 Jahren zu Königsberg in Ostpreußen gestorben ist.*) In der Einleitung führte der Redner aus. daß wir in einem naturwissenschaftlichen Zeitalter leben, in einem Zeitalter der Erfindungen und der großartigen technischen Fortschritte, das die ungezügelte Kraft des Dampfes zum Sklaven sich gemacht und den Erdball mit Banden von Kupfer nnd Eisen umspannt hat, um Schrift und Sprache, um Kraft. Licht und Bewegung mit der Schnelligkeit des Blitzes fortzupflanzen. Diesem gewaltigen naturwissenschaftlichen und technischen Aufschwünge im 19. Jahrundert ist aber eine unermeßliche. abgründige Vertiefung des philosophischen Geistes, zumal in Deutschland, am Ende des 18. Jahrhunderts vorangegangen. Zu Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich in Deutschland ein in der Geschichte der Geisteswissenschasten einzig dastehender Umschwung vollzogen. Auf dem Gebiete der Philosophie trat eine Umwälzung ein. die den Denkrichtungen neue und ungeahnte Ziele steckte. Die alten, großartigen Systeme des Rationalismus, eines Cartesius, Spinoza. Leipniz und Molff. und des Empirismus, eines Baco, Hobbes. Gassendi und Locke, konnten dem Anstürme eines geistesmächtigen Titanen nicht Widerstand leisten. Immanuel Kant, der Weise von Königsberg, der „Mzermalmer" genannt, stürzte die alten philosophischen Lehrgebäude und errichtete auf den Trümmern derselben fein eigenes, festgefügtes, philosovbisckes Spstem. dessen wichtigste Elemente in das deutsche Volk^bewußtsein eingedrungen und Gemeingut aller Gebildeten geworden sind. — Hierauf gibt der Vortragende eine biographische Skizze von dem Leben Kants sgeb. zu Königsberg in Preußen am 22. Avril 1724. aest. am 12. Februar 1804), und wendete fich zu dessen Hauptwerk „Die Kritik der reinen •) A>lS der überaus reichhaltigen Literatur sei hier hervor» aeooden- Friedr. Danlsen. Immanuel Kant. Sein Leben und seine Ledre. — Kurt Laßwitz, die Lehre Kant« von der Idealität von Raum und Zeit. — With. Münz, die KanÜche Erkennt» nißtheori«.

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