Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1904)
- Date
- 1904-02-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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347 Vernunft.' Ausführlich bespricht der Redner die Kant'sche Lehre von Raum und Zeit. Raum und Zeit sind nach Kant Formen unserer Anschauung; das heißt: unser Geist hat die Eigenschaft, daß er alle Dinge nur räumlich und zeitlich erfassen kann. An und für sich sind Raum und Zeit nicht vorhanden, sondern wir Menschen kleiden die Dinge, die wir betrachten, in den Rahmen der Räumlichkeit und der Zeitlichkeit. Daraus folgt, daß wir die Dinge nicht erkennen, wie sie sind, sondern wie sie uns erscheinen. Der Redner wendet sich nun zu Kant's „Kritik der praktischen Vernunft,' und weist darauf hin, wie unser Philosoph in der eigenen Persönlichkeit des Menschen, im eigenen Geiste, mitten in der Flucht der Erscheinungen, den festen Punkt findet, an den er seine praktische Philosophie knüpft. Wir Menschen sind nämlich nicht nur erkennende, sondern auch wollende Wesen. Wir sind nicht nur mit Erkenntnißvermögen ausgesiattet, sondern Jeder von uns trägt im tiefsten Grunde, seiner Seele etwas, was ihm erst den Stempel einer selbstständigen Persönlichkeit aufpragt, den Willen. Der oberste Grundsatz, nach dem die praktische Bethätigung unseres Willens, nach dem unser Handeln sich richten soll, ist das Sittengesetz, das Kant als den kategorischen Imperativ in die merkwürdigen Worte faßt: „Handle so, daß die Maxima deines Willens zugleich als ein Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte." Nicht nach Nätzlichkeitsgründen dürfen wir unsere Handlungsweise einrichten, sondern nach dem, was das Sittengesetz uns gebietet, was die Pflicht uns vorschreibt. Rach einer weiteren Beleuchtung dieses Gedankens schließt der Redner mit den Worten: „Hundert Jahre sind verstrichen, seitdem der Weise von Königsberg seine müden Äugen zur letzten Ruhe schloß. Der Mund, der von Weisheit überströmte, ist längst verstummt. Aber seine unsterblichen Gedanken des erlauchten Geistes leben fort und sind ein köstlicher Bildungsschatz des deutschen Volkes und der gesammten Kulturwelt geworden!' Der geistvolle Vortrag wurde durch Beifall geehrt; er trug viel zur Erhöhung der gemüthlichen Stimmung bei, die die Versammlung bis Mitternacht und noch länger zusammenhielt. Kempen i. P. Unsere Gemeinde hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Am 15. Februar verschied einer der würdigsten und achtbarsten Mitglieder unserer Gemeinde, der Kaufmann Herr Emil Pulvermann, nach kurzer Krankheit im 63. Lebensjahre. Der Verblichene war eine Reihe von Jahren Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums, mehrjähriges Mitglied des Korporations-Vorstandes, Vorsitzender des Litteratur-Vereins sowie des Aussteuer-Vereins hierselbst. Alle diese Aemter hat der Verblichene mit selte- •ner Pflichttreue, Hingebung und Aufopferung verwaltet und diesen seine ganze Arbeitskraft gewidmet. Ganz besonders verdient die wahre Menschenfreundlichkeit und Biederkeit des Verblichenen hervorgehobeu zu werden. Wo es galt, zu helfen und zu unterstützen, war der Verblichene zu jeder Zeit hierzu bereit. So war er den Armen rin Helfer, den Bedrückten ein treuer Rathgeber. Der erlittene Verlust ist daher ein unersetzlicher. Das Andenken an das verdienstvolle, segensreiche Wirken des Verblichenen wird hier unauslöschlich bleiben. Am 16. dss. Mts., Nachmittags 3 Uhr, fand die Beerdigung des Verblichenen statt. An derselben betheiligte sich Jung und Alt, ohne Unterschied der Konfession. Auch erwies der Königs. Landrath, Herr Geh. Rezierungsrath von Scheele, dem Verstorbenen die letzte Ehre, ein Beweis, in welcher hervorragenden Achtung derselbe überall gestanden hat. Sprechfaal. Thurdossin, 18. Februar. Die Stelle tn a*y r» pan* ist auch mir ausgefallen, und habe ich in meinem Talmud-Exemplare folgende Randglosse gemacht: ft jo crr» rrro ran nn arwa mpc \an p< (a-y np pnn» p*yj ruoftp crao p«n mma ik nonp rar zwna u fnmno p:ya py rftnj kö'ii un m (•« rai yy y» «an py) Meiner Auffassung ist aber die Frage ohne alle Schwierigkeit zu lösen, wenn man nur auf den Wortunterschied achtet, der zwischen der Fassung liegt, die der Talmud der Frage gibt, und jener des Liturgisten in der 2'd nn^a zu m aty. Der |r6c nämlich sagt: n~ay ms mH k*o;b>d tra: vöv h ans während der Talmud maa ste h m; dafür hat. Es gibt nun Menschen, die recht glücklich sind hienieden und diese werden gewiß nichts dagegen haben, daß sie erschaffen wurden; ob jedoch diese in der Mehrheit sich befinden, das ist schwer zu entscheiden.^rn war, wie bekannt, arm und versagte sich die Genüsse des Lebens, sein Grundsatz war u*y na nya ,cv m' n *jra ihm konnte das Leben nicht so angenehm gewesen sein, wie seinem Gegner. Sie ließen es also auf eine Abstimmung ankommen, und die Mehrheit waren jene, für die das Leben eher eine Qual, als ein Glück war. Man lebt doch aber, ob so oder so, was ist also zu thun, um wenigstens für eine bessere Zukunft zu sorgen? Da sagen Einige: vwca vevm der Mensch soll seine Thaten immer .kontrolliren, und findet er eine Unthat unter denselben, soll er sie bereuen und Buße thun; Andere wieder meinen: nryoa ewr-m der Mensch soll sich der guten Thaten versichern, die er geübt, um zu sehen, waS er mitnimmtdorthin, wo das Leben ein besseres zu sein verspricht. Dos vsyra tretrc ist nämlich so zu nehmen, wie das w daa *.maa bwdV ran crtx in a*y K*a uav. Salamon Mozes , Rabbiner in Thurdossin.