Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1904)
- Date
- 1904-02-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. -r m ja 18 te ^IsmM Betrachtungen zum Sabbat Sochaur. Von Lehrer Höxter—I e s b er g. Der Sabbat vor dem lieben Purimfeste wird Sabbat Sochaur, „Erinnerungssabbat", genannt, der aus der Thora verlesene Schriftabschnitt gibt ihm seinen Namen. Wenn nun jene von Amalek kündenden Schriftverse heule unser Ohr berühren, wenn gleichsam dos ganze Auftreten dieses unseren Vorfahren so gefährlichen Feindes deutlich vor unserem geistigen Auge vorüberzieht und uns bewußt wird, was Israel von. ihm zu erdulden hatte, wenn endlich das kurz bevorstehende Purimfest uns daran erinnern soll, wozu es ursprünglich der Sohn Hamdatas bestimmt hatte, wenn uns gesagt wird,, warum der sonst so barmherzige und gütige Gott unsere Vorfahren so schwer heimgesucht hat, so müssen wir bei solchen Betrachtungen dem Gedanken in unserer Brust Raum geben: Wir selbst verschulden es, wenn uns solche Dinge treffen, wenn der Feind zur Zuchtruthe in der Hand des erzürnten < Gottes wird, wir aber können das Andenken A'.na- | leks auslöschcn, dann haben wir Ruhe vor ihm. j „Gedenke, was Amalek dir geihan hat, als du ) aus Aegypten gezogen, wie er dir entgegenzog und schwächte alle unter dir, die da strauchelten, du aber warst müde und matt und fürchtetest Gott nicht." Soll uns diese empörende Handlungsweise Amaleks nicht das Blut in die Wangen treiben, sollen wir nicht die Faust ballen, uni im Geiste den zu zerschmettern, der, statt die offene Feldschlacht mit muthigen, tapferen Kriegern zu wagen, heimtückisch und feige. die schwache, strauchelnde Nachhut aus Israels Lager angreift und — Jdonie des Schicksals — diese auch überwältigt? Aber, und das wollen uns die Schristverse nun sagen: Siehst du, was du von einem solchen. Feinde zu erwarten hast, wie er meuchlings dir in den Rücken fällt, um dich zu vernichten, wie er deine Schwäche so meisterhaft benutzt, um dich nicderzuwerfen. Hute dich vor einem solchen Feinde, denn du hast es in deiner Hand, deine Vorfahren aber fürchteten | Gott nicht, und darum waren sie so schwach und nicht i widerstandsfähig. Hüte dich vor einem solchen Feinde,; mein Bruder! Latz diese Sabbat-Sochaur-Mahnung nicht klanglos in der Brust verhallen. Du theilst mit deinen Vorfahren dasselbe Geschick, daß auch du dich heute noch bestrebest, „aus einem Mizraim" zu ziehen, was nicht anderes heißt, aus einer Welt der Drangsalie, der Mühen und Sorgen dich herauszuwinden. Du theilst auch heute noch die Fluthen des „Aam-Suf", ' jene Sturmfluthen des Lebens, die sich gegen dich aufbäumen, und wenn du dann in Anwandlung menschlicher Schwäche vom rechten Weg abweichest, dom Wege des Rechtes, der Geradheit und Rechtschaffenheit/ wenn du Thaten ausführst, die Gott zuwider find, dann wird auch dich Gott verlassen, du wirst schwach, werden, dann wird auch dich der Feind angreifen und dich vernichten. Brauchen wir Illustrationen zu diesem, nun so blicken wir uns einmal im täglichen Le/ bcn um: Wenn ein Glaubensbruder im schweres Kampf ums Dasein gefehlt hat. welch' ein Entrüstungs- ‘ sturm erfüllt dann das antisemitische Lager: „Das haben die Juden gethan, seht, so machen sie es." Be- ' folgen wir umso nachdrücklicher die göttliche Mahnung: „Lösche Amaleks Andenken aus unter dem Himmel, vergiß es nickt," d. h. lebe so. wie es Gott und Sein - heiliges Wort von dir verlangt, dann bist du stark und ' das Wort: „Gibt Gott Seinem Volke Macht, dann segnet Er es mit Frieden." bleibt nicht unerfüllt. Dann hast du Frieden, den dir kein Feind von Außen stört. Nicht aber nur den äußeren Frieden, sondern auch den inneren, den Frieden im Herzen, will dir die Mahnung des Sabbats Sochaur: „Lösche Amaleks Andenken aus" versckassen. Wir wissen eS. daß das an Gottes Dasein zweifelnde Israel (siehe 2. B. M.. Kap. 17,7V jene ihm unwürdige Worte ausstieß: „Ist Gott in unserer Mitte oder nicht." und das deßhalb, weil;s in Wassernotb stch befand. Darum.aber, weil ihm jetztdas wahre GoUoertrauen fehlt, die frohe Zuversicht auf l die Mfe des Herrn, darum war sein Arm schwach, die Kraft gelähmt, und darum fiel es dem heranziehenden Amalek kn die Hände. Eine wichtige Lehre für uns: Auch wir sehen nicht! die vielen Beweise der Gottesgnade, Seiner Güte und Liebe, und wenn uns einmal ein Unglück trifft, so ' glauben wir auch gleich, der liebe Gott wäre nicht mehr für uns und hätte nicht mehr Acht auf uns. wir sind gebrochen, lassen die Hand sinken, vermögen.der au? uns hereinstürmenden Ereignisse nicht mehr Herr zu werden und erliegen unserem Geschicke, ebenfalls einem Amalek in die Hand gegeben. Darum ruft uns der Sabbat Sochaur zu: „Verzweifle und verzage nicht, wenn es einmal nickt nach Wunsch geht, werde nicht ' unzufrieden mit deinem Geschicke, zertrete' diesem/ Wurme „Unzufriedenheit" den Kovf, damit er nicht an./ deinem Leben naqt und dich der Kraft beraubt,' gegen 7 weitere Hindernisse anzükämpsen, gleich Möse nimm^ den Stab Gottes-in deine'Hanh, entlocke dem tfnrrt'eit-* Kielel erquickendes Wasser, suche dem.Harten. Herben,'^ das'dich trifft, mit Aufblick zü Gott Belehrungen abz»- gewinnen, betrachte die'Schicksale als Fingerzeig Gottes *