Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1904)
- Date
- 1904-02-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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336 Tochter verfügten, ohne nach ihrer Zustimmung auchnur zu fragen. . Sie hätte dieselbe freilich verweigert, und hatte nicht übel Lust, noch hinterdrein Einspruch zu erheben. Aber was würde dies nützen? . Ihr Gatte hatte heute, und zwar in Gegenwart des Arztes, in einem Ton zu ihr gesprochen, wie nie zuvor; wo es sich um seinen Abgott, seine Frieda handelte, da gerieth er sofort, wie sie es für sich nannte, außer Rand und Band; darum sah sie es voraus, es wäre vergebens, wenn sie jetzt erklären würde, sie werde nicht dulden, daß Frieda in das Haus des Verwalters gebracht würde, es würde doch geschehen. Und wenn sie auch nicht willens war, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, so wollte sie doch verhüten, daß in ihrem Hause irgend etwas geschah, was sie ausdrücklich verboten hatte. Deßhalb wollte sie schweigen. Und überdies sowohl für ihre Ruhe, als für ihre Behaglichkeit war es das Beste, daß das Kind, das ihr den Gehorsam verweigert. das ihr offen getrotzt hatte, baldigst aus dein Hause komme. Wenig mehr als eine Viertelstunde war verstrichen, als Grünwald wieder in das Zimmer trat. „Wo bist Du gewesen?" rief Frieda ihm entgegen. „Ich war bei unserem Nachbarn, dem Verwalter des Herrn Krawanni und habe mit Frau Müller gesprochen." „Mit Selma's Mutter?" „Heißt das kleine Mädchen Selma? — Sie hat mir erzählt, daß sie Dich kennt, und Dich sehr lieb hat und daß Du sie auch lieb hättest." „Ja. das ist wahr," sagte Frieda, „ich habe sie auch sehr, sehr lieb." „Sie sieht viel frischer und kräftiger aus als Du. und weil ich wünsche, daß Du auch recht bald frisch und kräftig werden mögest, habe ich Frau Müller gebeten, Dich einige Zeit in ihr Haus zu nehmen. — Denn Du weißt doch, bei Müllers ist alles so, wie es beim Großpapa gewesen ist und Du wirst alles essen und trinken, was Frau Müller Dir geben wird." Frieda hatte sich hastig aufgerichtet und beide Hände des Vaters ergriffen. „Ich danke Dir vielmals, lieber Papa, viele, vielemal danke ich Dir." „Also hat der Doktor doch recht gehabt, daß es Dich freuen wird." „Sehr, o sehr freut es mich. Wann darf ich hinüber gehen?" »Jetzt gleich, Frau Müller und Selma warten schon auf Dich, komm' ich trage Dich hinüber." „Nein, nein. Papa, ich danke Dir vielmals. Du bist ja so girt. so gut. Aber ich kann schon gehen." Sie wollte bei diesen Worten aufstehen, aber er ließ es nicht zu, hob sie vielmehr in seinen Armen empor. Die Mutter sah es und lachte grell aus. „Schäme Dich, du großes Mädchen, das sich vom Papa tragen läßt." „Lasse mich hinunter, lieber Papa, wirklich, ich kann gehen." „Nein Kind, heute sollst Du nicht gehen. Dir könnte wieder schwindelig werden. Aber wenn Du einige Tage alles gegessen und getrunken haben wirst, was Frau Müller Dir geben wird, dann darfst Du wieder gehen." . „Adieu, Mama!" rief Frieda, als der Vater mit ihr durch die Thüre ging. Ihr ward keine Antwort, hatte die Mutter sie nicht gehört? (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" etfdjemt TyöelaentllcS» bw e i m a 1, Montag« und Donnerstag;», jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mmk ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehr! durch V. Zf. § k ei n ark er, Leipzig, Nohplatz )V. — Inserate 25 Pf-.nuig die viergcspaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. 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