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Der Israelit · 1904-02-25 · Heft 16 (25.2.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 16 (25.2.1904)
Date
1904-02-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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335? « tt i 11 « t «. und Dichtung. Von Friedrich Sott. ,23 »In dieser Weise werden Sie es sicher nicht dazu ' bringen; nach meiner festen Ueberzeugung läßt sich das ' charakterfeste Kind e^r todtschlagen, als daß es eine Speise genießt, die es fiir verboten hält." »Der Ansicht bin LH auch," sagte Grünwald, schwer aufathmend, »aber um's Himmelswillen, was ist da zu machen?" „Was da zu machen ist? Das kann doch keine Frage sein, das Kind muß rituelle Kost haben." „Daraus wird nichts," rief Frau Grünwald, „das hieße Trotz und Ungehorsam belohnen. Aber wenn Du ihr zureden wurdest. Leo, und wenn vielleicht der Herr Doktor ihr das Unvernünftige ihrer Abstinenz vorstellen wurde —" „63 wäre umsonst, gnädige Frau, Sie dürfen sich in dieser Beziehung keine Illusionen machen. Und überdies, man kann dem Kinde weder Trotz noch Ungehorsam vorwerfen. Sie waren doch auch dabei. Herr Grünwald, als Ihr Vater in seiner letzten Stunde nach der Kleinen verlangte, und als sie zu ihm gekommen. da hat er ihr das Versprechen abgenommen, immer so zu leben, wie er es sie gelehrt hat. Mit der Zeit wird sie schon daran vergessen, aber da sollten wir ihr jetzt, nach kaum sieben Wochen, zureden, ihr Versprechen zu brechen? — Unser Zureden wäre vergebens, aber ich könnte mich auch nicht dazu entschließen." Frau Grünwald warf den Kopf zurück. „Das habe ich nicht gewußt. Doch gleichviel, in i mein Haus kommen keine rituell bereiteten Speisen." „So kommt das Kind aus dem Hause," rief Grünwald heftig, „ich lasse mit seiner Gesundheit nicht spielen; ich werde die Kleine in ein israelitisches Institut geben, wo sie ohne Gewissensskrupel essen kann." „Das ist das Richtigste, was Sie thun können," sagte der Arzt. „Aber hier in der Stadt gibt es kein derartiges Institut, Sie werden sich erst nach einem solchen erkundigen muffen, mehrere Tage können darüber vergehen und die Kleine bedarf sofort kräftiger . Nahrung —" ' | „Ich werde sofort bei verschiedenen Bekannten mich; nach einem geeigneten Pensionat erkundigen, und sstr dir nächsten Tage werde ich aus der israelitischen i Restauration das. Effeg kommen lassen." , „Ich habe Dir schon gesagt," rief seine Frau, mit , dem Fuße stampfend, „in mein Hans kommen keine rituellen Speisen; wenn von der Restauration welche - hergebracht werden, werfe ich sie zum Fenster hinaus." - „So werde ich das Kind mit in die Stadt neb-. * men und es dort in der israelitischen Restauration be-. köstigen lassen." Der Arzt nickte zustimmend.; „Im Nothfall ginge das. Aber die Kleine ist sehr; herunter, ihr genügt augenblicklich weder die gewöhn^; liche Pensionsnoch Restaurationskost, gegenwärtig { bedarf sie ganz besonders kräftigender Nahrung. Da- rum möchte ich Ihnen einen andern Vorschlag machen. Ihr Gutsnachbar Krawanni hat einen jüdischen. Der- Walter, dessen Frau ist eine äußerst brave, feine und ' zuverlässige Frau. Vor drei Jahren habe ich ihren ■= Mann längere Zeit behandelt, deßhalb fühlt sie sich ijiij verpflichtet und ich glaube mit Bestimmtheit, wenn ich \ sie ersuchen würde, Ihre Kleine auf einige Wochen in's j Haus zu nehmen und dieselbe genau nach meiner Anjordnung zu verpflegen, so würde sie sich sofort dazu - bereit erklären, und Sie könnten mit Bestimmtheit ' darauf rechnen, daß das Möglichste geschehen wird,'Ihr Kind so rasch als möglich wieder zu Kräften zu bringen. > Sind Sie einverstanden, so gehe ich sofort hinüber, nüd - frage die Frau?" „Ich bin mit Allem einverstanden und werde mich ] Ihnen sehr verpflichtet fühlen, Herr Doktor, wenn Sie i das Erforderliche ehestens veranlassen wollten."! „Soll sofort geschehen. Am besten, Sie begleiten : mich und sprechen dann selbst mit der Frau Müller, sie wird Ihnen sicher gefallen." „Ich bin bereit," sagte Grünwald und griff nach * seinem Hute, der Arzt hatte den seinen im andern Zimmer gelassen, die Herren gingen hinein , und beide nickten der kleinen Patientin freundlichst zu. „Adieu, liebes Kind," sagte der Doktor, ihr die ' Hand reichend. „Der Papa geht jetzt auf einen Augen-; blick mit mir fort, wird aber sehr bald zurückkommen und Dir dann vermuthlich etwas mittheilen, was Dich freuen wird. Du mußt aber auch brav sein und. alles essen und trinken, was ich anordnen werde. Willst Du?" „Ich werde gewiß brav sein." versicherte Frieda. - „Und wirst alles essen und trinken, waS ich öer*; ordnen werde?" . Die Kleine wechselte die Farbe. „Ich werde ge-- wiß brav sein." wiederholte sie. „Du bist ein gewissenhaftes Kind,"'entgegnete tt,'K lachend, „und sei unbesorgt, meine Verordnungen wer-.,, den mit Deinem Bravsein nicht kollidiren." Dann trater zur Thüre des anstoßenden Zimmers und rief« hinein: „Ich habe die Ehre, gnädige Frau!"' Ueberaus kühl erwiderte die Dame den, GrlA d.eß.^- Arztes, der, wie sie sich.schwur, .die.. Schwelle .ihres. Hauses nie wieder betreten sollte; fühlte sie sich doch'?' im höchsten Grade verletzt, daß die Herren über ihre"

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